Review: Ghost Blade HD – Ghost in the Bullet Hell

„Definitive Edition“

© Hucast, Screenshot Boobs and Bullets

Während Steam als nahezu letzte Ballerspiel-Bastion noch regelmäßig Shooting Games in den Umlauf bringt, sieht es auf den Current-Gen-Konsolen recht düster aus. Dementsprechend groß war also meine Vorfreude, als Hucast Games‘ Dreamcast-Shooter für alle aktuellen Plattformen angekündigt wurde. Ob meine Vorfreude letzten Endes die sprichwörtlich schönste Freude war oder ob das Game ein echter Knaller ist, erfährst du im Review zu Ghost Blade HD.

Wenn du noch eine Sega Dreamcast bei dir Zuhause stehen hast, in der regelmäßig GD-ROMs rotieren, ist dir der deutsche Indie-Entwickler Hucast mit großer Wahrscheinlichkeit ein Begriff. Hucasts letztes Game, Ghost Blade, wurde 2015 für Dreamcast veröffentlicht – und damit ganze 14 Jahre nachdem sich Sega zu unser aller Bedauern aus dem Konsolengeschäft verabschieden musste.

Vor zwei Jahren spaltete das „Ur-Ghost-Blade“ Fachpresse und Spieler(innen) gleichermaßen. Während einige den Bullet-Hell-Shooter aus deutschen Landen in den höchsten Tönen lobten, bemängelten andere wiederum einen zu leichten Schwierigkeitsgrad, einen lahmen Soundtrack und Einbrüche bei der Framerate. Warum ich die Vergangenheit wieder aufwärme? Ganz einfach: offensichtlich hat sich Hucast Games die damalige Kritik zu Herzen genommen.

© Hucast, Screenshot Boobs and Bullets

Was willst du mehr?

Ghost Blade HD kommt nämlich mit einem zusätzlichen Schwierigkeitsgrad und alternativem Soundtrack; butterweiches 60-FPS-Gameplay wird außerdem versprochen. Zwar fehlen mir die technischen Möglichkeiten, Hucasts Framerate-Versprechen zu überprüfen, aber auch nach mehr als zehn Stunden mit dem Shooter sind mir auf der PS4 keine störenden Ruckler aufgefallen. Wenn viel auf dem Bildschirm los ist, kommt es manchmal zu gewollten Slowdowns, die bei einem waschechten Danmaku meiner Meinung nach auch nicht fehlen dürfen. Optional lassen sich diese Slowdowns in den Einstellungen deaktivieren.

Apropos Optionen, die Einstellungsmöglichkeiten von Ghost Blade HD lassen kaum Wünsche offen: Tate wird vorbildlich unterstützt, die Steuerung lässt sich individuell anpassen und verschiedene Hintergründe für Yoko-Spieler(innen) sind außerdem dabei – auch wenn ich mir insgesamt ein paar Wallpapers mehr gewünscht hätte. Ich weiß nicht, ob es ein Bug oder ein Feature ist, aber aus unerklärlichen Gründen werden Änderungen bei der Steuerung auf der PS4 nicht gespeichert – wie es bei den anderen Fassungen aussieht, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

© Hucast, Screenshot Boobs and Bullets

Ein Rausch aus treibender Musik und Bullets

Aber kommen wir nun endlich zum Spiel. Die Story von Ghost Blade HD existiert nur als Alibi, im Spiel erfährst du nie, wofür oder gegen was du da eigentlich kämpfst – und das ist auch völlig in Ordnung so. Ghost Blade HD will keine „deepen“ Stories erzählen, Ghost Blade HD will dir einfach eine halbe Stunde lang auf die Fresse geben und dich in einen hypnotisierenden, meditativen Rausch aus treibender Musik und bunten Bullets versetzen.

Und das gelingt dem Shoot‘ Em Up auch, zumindest, wenn du dich gleich zu Beginn auf den härtesten Schwierigkeitsgrad einlässt. Klar, auch auf „Hard“ zählt Ghost Blade HD eher zu den leichteren Danmaku-Vertretern, soll heißen: wenn du mit Ach und Krach durch Deathsmiles oder Bullet Soul kommst, dürfte Hucasts aktuelles Spiel genau dein Fall sein. Wenn du jedoch zum Aufstehen erstmal den 2nd Loop von DoDonPachi DaiOuJou clearst, wirst du das Game nach einem Wochenende vielleicht wieder deinstallieren.

© Hucast, Screenshot Boobs and Bullets

Noobs welcome!

Insgeheim hoffe ich, dass „Extra Hard“ per DLC nachgereicht wird, aber noch bin ich dabei, den Shooter auf „Hard“ zu schaffen. Mir ist das Game also nicht zu einfach, ein paar mehr Bullets könnte es trotzdem vertragen. Nichtsdestotrotz begrüße ich die Zugänglichkeit von Ghost Blade HD, weil sich dadurch vielleicht auch neue Spieler(innen) an das nischige Genre heranwagen, denen andere Bullet-Hell-Shooter „too much“ sind. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass Ghost Blade HD auf den aktuellen Konsolen fast konkurrenzlos dasteht, also nicht die schlechteste Entscheidung.

Grafisch ist Ghost Blade HD ein echter Hingucker, die Hintergründe sind gestochen scharf und strotzen vor charmanten Details. Eigentlich schade, dass dir nur kurz vor den Endgegnern eine kurze Verschnaufpause eingeräumt wird, um die Umgebung genießen zu können. Richtig gut gefällt mir das Design der Bosse und sämtlicher Gegner, alles sieht so schön nach Hightech aus, sodass ich beim Zocken ab und zu an DoDonPachi SaiDaiOuJou denken musste.

© Hucast, Screenshot Boobs and Bullets

Bah, wat is‘ dat denn?

Es gibt aber auch zwei Dinge, die mir optisch irgendwie so gar nicht zusagen: Wassereffekte und Explosionen. Beim Wasser wurde augenscheinlich ein simpler Morphingeffekt (Hallo, Kai’s Power Goo) über ein starre Grafik gelegt – das sieht einfach ungeil aus. Die Explosionen könnten ein paar mehr Details vertragen; gerade, wenn du den Bildschirm mit einer Bombe clearst, hast du einen großen hässlichen Fleck auf dem Bildschirm. In den Optionen lassen sich die Explosives hell oder dunkel stellen – dunkel gefällt mir persönlich besser, also am besten mal ausprobieren. Einen Schönheitswettbewerb gewinnen aber auch die etwas dunkleren Detonationen nicht.

Ein wenig schade ist, dass du die drei Babes nur einmal kurz bei der Schiffwahl zu sehen bekommst – danach nie wieder. Ja, das hier ist kein Spiel von CAVE, aber gerade bei den Spielen der japanischen Kultschmiede gefällt mir, dass du am Ende jeder Stage ein paar schöne Bildchen siehst – die auch irgendwie das Wesen der jeweiligen Spielfiguren rüberbringen. Schwer zu beschreiben, aber vielleicht weißt du, was ich damit meine.

© Hucast, Screenshot Boobs and Bullets

Fazit

Ghost Blade HD hätte eigentlich den Namenszusatz „Definitive Edition“ verdient, weil nahezu sämtliche Kritikpunkte des Originals berücksichtigt und beseitigt wurden. Bei dem geringen und mehr als fairen Kaufpreis gibt es eigentlich keinen Grund, warum du als Shooter-Fan nicht zuschlagen solltest, gerade auch, weil es auf PS4, Xbox One und Wii U erschreckend wenige Genrevertreter gibt. Bitte mehr davon, Hucast Games! Ein wenig schade ist, dass es Ghost Blade HD derzeit nur als Download gibt – aber vielleicht lässt sich etwas mit Limited Run Games regeln, ich würde jedenfalls sofort zuschlagen!

Ghost Blade HD

Wertung: 8/10
Publisher: 2Dream
Entwickler: Hucast Games
Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, Wii U, Steam
Preis: 8,99 Euro

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Publisher 2Dream zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

Thomas
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Thomas

Ich bin Thomas, Hardcore-Zocker, und berichte auf meinem Blog Boobs and Bullets vorwiegend über Nischenspiele für PC und Konsole.

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