Review: Drive Girls – Totalschaden

Ungewöhnlicher Mix aus Hack and Slash und Arcade-Racer

© Rising Star Games

Manche Spielkonzepte können nur aus Japan kommen: in Drive Girls rettest du die Welt vor gigantischen Roboterinsekten mithilfe leichtbekleideter Mangamädels, die sich in Sportwagen transformieren können. Eine vielversprechende Prämisse – oder? ODER???

Bergsala Lightweights Drive Girls verfolge ich schon relativ lange, dementsprechend groß war meine Vorfreude. Was kann bei einem Spiel schon schiefgehen, das mit einem ungewöhnlichen Mix aus Arcade-Racer und Hack and Slash gleich zwei meiner Lieblingsgenres vereint? Leider so einiges, wie ich beim Reviewen enttäuscht feststellen musste – aber eins nach dem anderen.

© Rising Star Games

Eine Story ohne Höhen

In den ersten Spielminuten schlüpfst du in die Rolle von Titelheldin Lancier, die eigentlich nur eine Prüfung zur Rettungshelferin ablegen will, sich dann aber bei den Drive Girls wiederfindet, um eine außerirdische Invasion riesiger Roboterinsekten abzuwenden – well, that escalated quickly.

Die uninspirierte Story wird – wie so oft bei Nischenkost aus Fernost – in Visual-Novel-Standbildern erzählt. Im weiteren Verlauf gesellen sich dann noch die vier anderen Drive Girls hinzu. Obwohl das öde Story-Konstrukt immer mal wieder durch Badehausszenen und Trashtalk aufgelockert wird, bleibt es frei von nennenswerten Highlights. Aber gut, bei Fanservice-Software erwarte ich sowieso keine erzählerischen Höchstleistungen, solange das Gameplay stimmt – womit sich bereits der nächste Downer ankündigt.

© Rising Star Games

Ist das ein Bug oder soll das so?

Die Kampagne wird in kleineren Missionshäppchen abgehandelt. Zu Beginn jeder Mission entscheidest du dich für eines von fünf verfügbaren Drive Girls, die sich trotz unterschiedlicher Melee-Waffen spielerisch kaum voneinander entscheiden: du drückst im Kampf bisschen Viereck und Dreieck um auszuteilen, Kreuz zum Springen und mit Kreis kannst du feindlichen Attacken ausweichen. Letzteres funktioniert nur bedingt gut, weil die gegnerischen Angriffsanimationen nur sehr schwer als solche auszumachen sind – aber auch dafür gibt es eine simple (und unschöne) Lösung.

Wenn du permanent aus der Luft springend attackierst, bist du so gut wie unbesiegbar für deine Kontrahenten. Zugegeben, ich war gerade sehr verzweifelt, als ich zufällig diesen Exploit entdeckte, weil ich permanent an einer Mission scheiterte – Drive Girls ist nämlich alles andere als einfach. Stellenweise würde ich das Game sogar als unfair bezeichnen, weil es diese nervigen und ultraschnellen Gegner gibt, die dich für wenige Sekunden lähmen – und damit einfach nicht mehr aufhören. Es kann also gut sein, dass du eine Arena mit vollem Energiebalken betrittst und einfach hilflos zusehen musst, wie dieser vollständig aufgebraucht wird – ich war noch nie so angepisst. Bis heute weiß ich nicht, ob das Game verbuggt oder einfach nur schlecht designt ist – vermutlich trifft beides zu.

© Rising Star Games

Concrete Dystopia

Jede Mission spielt sich übrigens exakt gleich, was nicht schlimm wäre, wenn wenigstens die Umgebungen variieren würden, aber in Drive Girls besteht die Welt einzig und allein aus grauen, pixeligen Straßen, die offensichtlich nur erbaut wurden, um kreisförmige Kampfarenen zu verbinden. In dieser trostlosen Straßendystopie bewegst du dich immer wieder zu einzelnen Spawnpunkten und plättest dort immer wieder die immer gleichen Roboterinsekten, während du dich dabei immer wieder fragst, wofür du diese Scheiße eigentlich machst.

Um die einzelnen Spawnpunkte schneller zu erreichen, kannst du dich jederzeit in einen schicken Sportwagen verwandeln, dessen Fahrphysik an alte Ridge-Racer-Teile erinnert. Was in der Theorie nach einem erfrischenden Konzept klingt, verkommt in der Praxis zur reinsten Flucherei. Auf den Straßen befinden sich nämlich alle paar Meter explosive Minen, an denen du dich nicht vorbeischlängeln kannst. Die Autoform ist also mehr Fluch als Segen und wirklich nur für die wenigen (und extrem anspruchslosen) Rennmissionen zu gebrauchen.

© Rising Star Games

Pimp my Waifu

In der Werkstatt kannst du die Stats deiner Drive Girls durch richtig hässliche Aufkleber aufwerten und somit Defense, Attack und Health verbessern. Wenn ich das System richtig verstanden habe, musst du insgesamt fünf gleiche Sticker für ein komplettes Set sammeln, bevor sich etwas an deinen Werten verbessert. Sticker werden im Spiel übrigens von getöteten Feinden per Zufallsprinzip gedroppt oder alternativ auch am Missionsende vergeben.

Wenn du dir Drive Girls wirklich antun willst, musst du mit einer Spielzeit von ungefähr 10 bis 15 Stunden rechnen. Neben der Kampagne gibt es auch einen Mehrspieler-Modus, der online oder ad hoc mit drei weiteren Freunden bestritten werden kann. Ich konnte den Multiplayer-Part nicht ausprobieren, weil kein Match zustande kam – aber das Spiel ist ja auch noch nicht offiziell erschienen.

© Rising Star Games

Fazit

Schade, schade, schade. Ich hatte mir von Drive Girls einen kurzweiligen No-Brainer im Stile von Senran Kagura erhofft, aber abgesehen von den (viel zu selten vorkommenden) Costume Breaks gibt es hier wirklich kaum etwas, das den Durst nach Fanservice stillt. Für ein Hack and Slash fehlt es an interessanten Kombovariationen und Freunde arcadiger Rennspiele dürften beim öden Streckendesign sofort abgetörnt sein. Drive Girls ist ein halbgares Stück Software, das am besten in Japan hätte bleiben sollen.

Drive Girls (Shinsei Batteki Drive Girls / 新星抜擢 ドライブガールズ)

Wertung: 3/10
Publisher: Rising Star Games
Entwickler: Bergsala Lightweight mit Unterstützung von Tamsoft
Plattform: PlayStation Vita
Preis: 39,99 Euro
Release-Termin: 09. Juni 2017 (Europa)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Publisher Rising Star Games zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots stammen vom Publisher.

Thomas
Follow me

Thomas

Ich bin Thomas, Hardcore-Zocker, und berichte auf meinem Blog Boobs and Bullets vorwiegend über Nischenspiele für PC und Konsole.

Mehr über mich und diesen Blog.
Thomas
Follow me

Comments

Kommentar(e)