Review: ZeroRanger – Be Attitide for Gains

Orange, finnisch und voller Zitate!

© System Erasure

„Wanna make a Video Game?“ – diese Frage stellten sich Eero Lahtinen und Antti Ukkola einst in einem Videospielforum. Neun Jahre später ist ihr Herzensprojekt endlich fertig. Herausgekommen ist eine herrlich spielbare Hommage an alles was da shootet!

Orange is the new Pink

Als allererstes fällt der sehr distinguierte Grafikstil in’s Auge. Es dominieren Schwarz und ein schmutziges Grau, und besonders en leicht gedecktes Orange. Diese Farbkombi schafft einen düsteren und einnehmenden Look – das hier ist kein Comicspiel! Ich habe es sehr genossen mich endlich wieder badass zu fühlen. Zu viele Shmups der letzten Jahre haben mir auf einen pinken, fluffigen, lockerleichten Mädchenlook gesetzt. Hier kommt endlich mal wieder was für Männer!

Orange ist auch eine wunderbare Farbe für Explosionen. Hier knallt es gewaltig. Bullet-technisch lässt es das Spiel dafür eher ruhig angehen. Stattdessen wird gezielt geschossen und abgewehrt. Ich musste da an eine Mischung aus Irems Image Fight und Technosofts Blast Wind denken. Aber es steckt noch mehr in der Formel!

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„Hm, ob da was passiert wenn ich auf den einen Flamingo schieße?“ – © System Erasure

Halt, dich kenn ich doch!

Das Spiel platzt geradezu vor Anspielungen. Gleich als erster Zwischenboss stellt sich dir eine voll aufgemotzte Vic Viper entgegen, komplett mit Options, Raketen und den beiden charakteristischen Schildblasen die du erstmal knacken musst. Die futuristische Landschaft im Hintergrund erinnert an vom Krieg zerstörte Hochhäuser – aber irgendwie auch wieder an eine Jammaplatine, bestückt mit mächtigen Motorola-Chips! (Die Beinchen sind Schornsteine – süüüüß!)

Der erste Endboss ist ein wuchtiger Fluggleiter. Er rotzt dir frech die Auspuffgase seiner zwei Strahltriebwerke um die Ohren, und fordert dich dann mit überkreuzenden Laserketten. Ich habe ihn spontan „Orange Heart“ getauft. Wer dich zur Einmarschmusik namens „Or Type“ zum Tänzchen bittet brauche ich dir wohl nicht zu erklären. Nur so viel: Es ist hochspannend mal auf der anderen Seite der Force Unit zu stehen.

Die Kontrollen sind top! Mein Flieger bewegt sich immer mit der richtigen, gut zu kontrollierenden Geschwindigkeit und Speed-Ups gibt es nicht. Ähnlich wie in Judgement Silversword schalte ich über meine gesammelten Scores weitere Credits frei. Hierdurch entsteht ein angenehmes Gefühl von Progression, auch wenn ich auf die Fresse kriege – und das passiert oft! Der Schwierigkeitsgrad ist nicht von schlechten Eltern. Ich habe aber immer das Gefühl von Fairness und Lernerfolg. So soll es sein!

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Image Fighten über der Platinenwelt, oder so. – © System Erasure

Eigene Ideen? Oh ja!

Freischalten, gutes Stichwort! Dem Waffensystem liegt ein wirklich tolles Konzept zugrunde, dass ich so bis jetzt noch nicht gesehen habe. Du startest immer mit dem (angenehm starken) Standardschuss. Nach dem Boss darfst du dir eine seiner Waffen schnappen, wie bei Mega Man – aber nur eine, auch wenn dir zwei angeboten werden. So bewaffnest du dich mit bis zu drei verschiedenen Ballermännern.

Vorsicht massive Spoiler! Dieses Video solltest du vorsichtig behandeln wenn du dich vom Spiel noch überraschen lassen möchtest.

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Wenn ich etwas zu kritteln habe, dann einzig dass mir einige Passagen ZU eng sind. Hier reagiere ich nur, habe kaum Raum für eigene Taktiken. Aber vielleicht bin ich auch nur ’ne Pussy und habe es nicht drauf. Ich wollte es nur erwähnt haben, sicherheitshalber. Oh und liebe Finnen, bitte baut den Controller-Support aus! Momentan geht bei mir nämlich nur die Tastatur, die ist aber immerhin frei konfigurierbar. Die Entwickler haben mir aber versichert dass sich hier noch einiges tun soll. „Nicht heute und nicht morgen“, aber bald.

Dafür sind die übrigen Optionen gut aufgestellt: Es gibt Tate, eine Musikbox und einen Flackerfilter in 30 und 60 Herz, der sich jederzeit mit F3 durchschalten lässt.

Großes Ausprobierpotential liegt dafür aber im Waffensystem. Mit jeder Entscheidung FÜR eine Waffe Entscheidest du dich gleichzeitig GEGEN eine andere. Das müsste Mega Man sich mal trauen… – jedenfalls liegt her eine enorme Spannung drin! Jede Waffe hat Vor- und Nachteile, und selbstverständlich ist das Balancing hier besonders genau. So besteht die zweite Stage aus einem engen Tunnel mit viel Feindvolk von hinten (ideal für den Nachbrenner), gefolgt von einem nach links scrollenden Abschnitt auf welchem der Seitwärtsschuss zur Höchstform aufläuft. Entscheidungen, Entscheidungen!

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Dieser „Raizende“ Zeitgenosse ist einer der späteren Bosse – © System Erasure

Den aus Radiant Silvergun bekannten Lock On-Kreis gibt es auch. Er ist nicht ganz so imba wie im Original, da du die zielsuchenden Geschosse erst abfeuerst wenn du den Feuerknopf loslässt – gut mitgedacht liebe Finnen!

Später gibt’s für deinen Gleiter auch noch eine Mechform mit Schwert. Das Leveldesign passt sich gleich an und liefert dir blitzschnelle Nahkämpfe und reichlich Schwertfutter. Mit der Klinge kannst du auch feindliche Geschosse abwehren, was in den kommenden Bullethells deine einzige Chance ist. Moment mal, habe ich nicht eben noch geschrieben dass es die Bullets eher ruhig angehen lassen? Tja, jetzt nicht mehr!

Die Roboterform ist mehr als ein bloßes Gimmick für einen schnellen Lacher wie in Dogyuun. Es ist ein vollwertiger, ausgefeilter Spielmodus mit eigenen Regeln. Und danach geht es erst richtig ab, denn du kannst frei wechseln! Ab hier bin ich dann auch mit der spielerischen Freiheit zufrieden.

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Musha Aleste oder Grid Seeker – such dir aus was hier persifliert wird! – © System Erasure

You can’t spell ZeroRanger without oRange!

Scharfe Visuals, gute Spielbarkeit, einige Geheimnisse und ein gut aufgelegter und immer mal rotzfrecher Soundtrack der das alles zusammenhält – ZeroRanger schafft den Spagat einer eigenständigen Hommage und ist dabei noch ein richtig gutes Spiel. Es ist so viel los, die Geschwindigkeit ist so hoch und es wird so viel Content geboten dass ich das Gefühl habe ein deutlich längeres Spiel gezockt zu haben. Einzig die Langzeitmotivation bei der Scorejagt bezweifle ich etwas, aber mit zwei Loops inkl. True Last Boss müsstest du schon einiges zu tun haben um überhaupt an diesen Punkt zu kommen. Eigentlich wäre mir all das Spektakel eine glatte Neun wert. Ich möchte die Entwickler aber gern motivieren noch etwas am Controller-Support zu schrauben. Deswegen gibt’s erstmal nur die Achteinhalb. Wenn das mit dem Support mal besser klappt kommt noch eine Wertungsschippe drauf. Hat beim Kriegsgott ja auch geklappt. Ich bin auch sehr gespannt was die Finnen als nächstes vorhaben. Es darf auch gerne wieder neun Jahre dauern wenn es wieder so gut wird!

ZeroRanger

Wertung: 8,5/10
Publisher: System Erasure
Entwickler: System Erasure
Plattform: PC (Steam)
Preis: 11,99 Euro

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von System Erasure zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots stammen vom Publisher.

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