Review: void tRrLM(); //Void Terrarium

Atmosphärisch starkes Roguelike mit spielerischen Schwächen

© Martin Nagel

Hä? Wie heist das Spiel? void tRrLM(); //Void Terrarium ist der neueste Streich von Masayuki Furuya, des Directors und Character Designers von Yomawari, A Rose in the Twilight und htoL#NiQ: The Firefly Diary. Es wird also wieder seltsam.

Ich liebe das Kino Mitte der Neunziger! Speziell bei Katastrophenfilmen wie Twister oder Dante’s Peak war es schön zu sehen, wie sich die Effekte immer meht professionalisierten. Wo in den Achtzigern für eine Explosion bloß ein paar Liter Benzin verbrannt wurden, da flogen plötzlich Trümmerteile durch die Gegend, und alles war eine Spur größer.

Wir finden unser Tamagotchi Girl – © Martin Nagel

Warum ich das alles erzähle? Nun, wie jeder coole Jugendliche hatte ich damals ein Tamagotchi. Der kleine Hosentaschenpiepser war nur dann glücklich, wenn ich ihn regelmäßig gefüttert und gestreichelt und sein Pupsi weggemacht habe. Nun war es im Kino aber dunkel, und ganze zwei Stunden hätte Martin Junior unmöglich ohne Pflege überlebt. Was tat also Martin Senior? Er lernte brav die Tastenfolgen auswendig – dreimal rechts und bestätigen: füttern, viermal rechts und bestätigen, Kacka wegputzen. Die drückte ich dann auf Verdacht regelmäßig in der Hosentasche in dem dunklen Kino. Disclaimer: Nein ich war natürlich nicht cool. Ich hatte weder einen der unfassbar angesagten Star Wars-Pager, noch coole Freunde die mir darauf geschrieben hätten.

Wie passt das nun mit dem aktuellen Spiel zusammen? void tRrLM(); //Void Terrarium (im Folgenden nur noch Void Terrarium genannt um unser beider Augen zu schonen) ist gewissermaßen ein Tamagotchi mit roguelikigem Dungeon Crawler drumherum. Du steuerst eine kleine Ratte, welche durch Zufall in einen Roboteranzug schlüpft. Gleich darauf findest du das Mädchen Toriko, welches in einer riesigen, zerbrochenen Flasche lebt. Eine Ecke weiter glimmt der Bildschirm des Computers factoryAI, welcher gewissermaßen die Verantwortung für Toriko übernommen hat. Die AI erzählt uns die Geschichte dieser Welt. Ein mysteriöser Pilzteppich hat die Menschheit an der Oberfläche verschlungen. Nur wenige Menschen konnten sich in unterirdische Archen retten.

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Es kam wie es immer kommt wenn wir es mit der Menschheit zu zun haben: Einige Menschen wurden gierig, und factoryAI musste eine Seite wählen. Dies führte zum Untergang der Kolonie, und Toriko ist die einzige Überlebende. Ist sie vielleicht der letzte Mensch auf der Welt? Wir wissen es nicht. Jedenfalls hat factryAI Schuld auf sich geladen, und möchte nun um jeden Preis ihr Leben retten. Da factoryAI nur noch aus einem glimmenden Monitor besteht, musst du in deiner kleinen Roboterrüstung ran. Als erstes musst du Nahrungsmittel und Medizin für die Kleine beschaffen. Nachdem wir sie wieder aufgepeppelt haben, kommen plötzlich eitle Wünsche. Das Terrarim möchte Stück für Stück zu einer lebenswerten und später luxuriösen Wohnung ausgebaut werden.

Mit einfachen Mitteln schafft das Spiel Atmosphäre – © Martin Nagel

Um die benötigten Materialien zu beschaffen, begibst du dich Roguelike in zufallsgenerierte Dungeons. Machst du einen Schritt, machen deine Gegner auch einen. Du startest jeden Run mit Level eins und leerem Inventar. Dabei gibt es einige coole Mechaniken. Findest du eine Batterie, so kannst du sie verstoffwechseln und deinen begrenzten Energievorrat aufladen. Du kannst sie aber auch auf einen Gegner werfen. Triffst du einen organischen Gegner, so verursacht die Batteriesäure massiven Schaden. Robotergegner solltest du hingegen nicht. Die schnappen sich nämlich den Strom, und laden frech ihre eigene Energie damit auf.

Erreichst du einen neuen Level, so kannst du dir eines von zwei zufälligen Perks aussuchen. Hier gibt es leichte Status-Boosts für Angriff, Verteidigung oder Leben, oder Spezialattacken und Resistenzen, manchmal auch eine temporäre Erweiterung für deinen Rucksack. Das interessanteste an dem Spiel ist nun, dass das Dungeon-Gameplay und das Mädchen-Tamagotchi miteinander verzahnt sind. Wenn du zu lange grindest, dann verhungert die Kleine. Brauchst du noch länger, wird sie irgendwann krank und du musst ihr Medizin besorgen.

factoryAI hat in dir endlich einen Gesprächspartner gefunden – © Martin Nagel

Klingt spannend und das ist es auch. Du willst dass es Toriko gut geht, und hast dadurch enorme Motivation in die Dungeons zu gehen. Und du willst wissen, was die Geschichte dieser Welt ist. Hier ist das Spiel ganz stark. Mit einfachsten Mitteln wird eine enorm dichte Atmosphäre erzeugt. Musik, Sound und grafische Gestaltung sind abstrakt genug um zu faszinieren, aber doch irgendwie greifbar und in unserer Welt verwurzelt.

Leider kann das Spielsystem hier nicht mithalten, denn es leistet sich ein paar leicht zu vermeidende, jedoch massive Fehler. Erstes Problem: Die Kamera ist viel zu nah. Dadurch ist das von dir überblickte Spielfeld viel zu klein, was dich im Ergebnis vieler deiner taktischen Möglichkeiten raubt. Es ist toll dass du Batterien werfen kannst, jedoch sind deine Gegner so schnell bei dir und im Nahkampfmodus, sodass du diese Option nur ganz selten effektiv ausspielen kannst.

In Gängen siehst du nur ein Feld weit. Doof wenn du dann auf Gegner triffst – © Martin Nagel

Das führte bei mir auch dazu, dass ich bei Levelsprüngen ganz selten die fancy Spezialtechniken gewählt habe. Wozu brauche ich die, wenn ich mich zu 90% der Zeit eh stumpfsinnig durch die Horden brawle? Lieber allgemein die Werte erhöhen, damit das Prügeln besser funktioniert. Das raubt dem Spiel viel seiner eigentlich coolen Dynamik. Am Ende reagierst du nur noch auf äußere Umstände, und das meistens mit einem stumpfen Fausthieb.

Das zweite große Problem des Spiels ist die typische Roguelike-Mechanik: Manchmal hast du einfach Pech. Dadurch, dass Toriko zu Hause verhungert – dargestellt durch ein kleines Statusfenster mit abnehmenden Herzen – kannst du nicht ewig im Dungeon bleiben und Stats grinden. Du musst schnell in die höheren Ebenen, denn nur dort findet sich das dringend benötigte Baumaterial für Torikos Heim. Dort wirst du aber meistens von Gegnern überrannt, weil du – Überraschung – nicht grinden konntest. Dass ein Dungeon-Ausflug gelingt, ist enorm vom Glück abhängig.

Die Qual der Wahl – © Martin Nagel

Du musst Glück haben dass du zur richtigen Zeit genug Heil-Items und Batterien findest. Du musst Glück haben, dass dir nicht zu viele Monster gleichzeitig auf die Pelle rücken und du umzingelt wirst. Du musst Glück haben, dass du beim Levelaufstieg sinnvolle Perks zugelost bekommst. Scheiterst du, werden zwar einige der gesammelten Ressourcen aufbewahrt, jedoch musst du noch einmal ran und das aktuelle Missionsziel erfüllen. Und da Toriko permanent Kohldampf schiebt, musst du hoffen dass du im aktuellen Dungeon wenigstens ein Bisschen was Essbares gefunden hast. Sie verbraucht nämlich permanent deine Vorräte, und die sind anfangs rar. Wenn Toriko sich durch zu langes Dungeon-Crawling eine Krankheit eingefangen hat und du hast keine Medizin parat, dann hilft eigentlich nur den letzten Spielstand neu zu laden.

So ist Void Terrarium ein theoretisch hochfaszinierendes Spiel, welches in der Praxis aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. Ich mag es nur frustresistenten Zockern mit sehr viel Zeit und Geduld empfehlen. Früher hätten wir sowas sicherlich mit Gameshark und unendlich leben einmal halbgelangweilt durchgezockt, nur um zu sehen was passiert.

void tRrLM(); //Void Terrarium

Wertung: 6/10
Publisher: Nippon Ichi Software, Inc.
Entwickler:
Nippon Ichi Software, Inc.
Plattform: PS4, Switch
Preis: 24,99 € (PS4 Download), 24,99 € (Switch Download), ca. 60 € (physische Limited Edition mit Soundtrack-CD und weiteren Extras)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Nippon Ichi Software, Inc.  zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst erstellt und stammen von der Switch-Version.

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