Review: Umihara Kawase BaZooKa!

Die Arena-Variante des bekannten Plattformers ist leider ein Rohrkrepierer

© Martin Nagel

Umihara Kawase kann mit Recht als einer der ersten Indietitel auf einer Konsole bezeichnet werden. 1994 nur für das japanische Famicom erschienen, mauserte sich die Reihe über drei Fortsetzungen und zahlreiche Rereleases zum Dauerbrenner mit überschaubarer, aber begeisterungsfähiger Fangemeinde.

Ihre 15 Minuten Ruhm hatte die Serie vor fünf Jahren, als bekannt wurde dass ein japanischer Fan seine Konsole über 20 Jahre eingeschaltet ließ, um seine im batteriegestützten Modulspeicher hinterlegten Replays nicht zu verlieren. Die Originale sind heute noch beliebte Objekte für Superplays und Speedruns, beschränken sie sich doch auf wenige, Steuerungselemente, die sich mehrstufig meistern lassen.

Die Wand ist eine Rolltreppe – © Martin Nagel

Ein Schuss aus der Pfefferpistole

Sushiköchin Umihara Kawase kann dabei lediglich springen und ihren Angelhaken auswerfen, und muss so verschachtelte Labyrinthe aus 2D-Objekten meistern. Dabei offenbart ihre zielbare Angelschnur eine für die damalige Zeit beeindruckende Physik-Engine. Sie kann sich etwa an Rolltreppen hängen und sich so in die Höhe ziehen lassen, oder die bizarren, zweibeinigen Fischmonster besiegen, die ihr gerne im Weg stehen. Hier ein eindrucksvoller Speedrun des ersten Teils.

Lustige Randnotiz: Der Name Umihara Kawase setzt sich zusammen aus den vier Kanji umi, hara, kawa und se, welche Meer, Bauch, Fluss und Rücken bedeuten. Dies ist eine Anspielung auf die japanische Küchenweisheit, nach der Meeresfische fett am Bauch sind, während Flussfische das Fett auf dem Rücken tragen. Das sollte ich unbedingt nachprüfen. Auf zum Sushimobil!

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Der vorliegende Teil Umihara Kawase BaZooKa! ist nun der erste Teil, welcher die bekannte Serienformel abwandelt. Statt weitläufiger, scrollender Level beschränkt sich das Geschehen auf einen Bildschirm. Ziel ist nicht mehr den Ausgang zu erreichen, stattdessen musst du alle Gegner auf dem Feld besiegen und möglichst viele Punkte machen. Das erinnert frappierend an Bubble Bobble, oder den Toaplan-Klassiker Snow Bros..

Neu ist die titelgebende Bazooka. Da Umi (Ich darf dich doch so nennen, oder?) normalerweise kaum Offensivfähigkeiten hat, kann sie jetzt kleinere Gegner per Haken an sich heranziehen und so zu Munition für ihre Puste umfunktionieren. Dabei gilt: Ein Gegner ergibt einen Schuss, und Hakenklettern geht nur, wenn Umi keinen Schuss auf der Pfanne hat. Zusätzlich hibt es noch einen recht kurzen Doppelsprung, welcher ebenfalls zur Gegnerentsorgung hergenommen werden kann, aber präzises Timing erfordert.

Mehrere getroffene Gegner resultieren in einer Chain-Combo – © Martin Nagel

Bazookatone

Dafür ist die Bazooka aber sehr durchschlagkräftig. Ein Schuss kann mehrere Ziele durchdringen, und so für eindrucksvolle Combos quer über den Bildschirm sorgen. Je nach geladener „Munition“ kann auch gerne mal eine Sprengranate dabei sein. Schuss- Kletter- Spring- und Hakensteuerung sind wie gewohnt griffig – solange du dich nicht treffen lässt. Umi bleibt dann sehr lange dizzy, und springt unkontrolliert auf dem Feld umher. Hier kannst du dir leicht weitere Treffer einfangen.

Auch an Gegnern kann man abhängen – © Martin Nagel

Dies scheint mir ein Anzeichen dafür zu sein, dass Umihara Kawase BaZooKa! Schwerpunkt und Balancing auf den Mehrspielermodus legt. Das Spiel lässt sich nämlich mit bis zu vier Leuten gleichzeitig zocken, kometitiv wie kooperativ. Das wird spätestens bei den Bossen überdeutlich. Ein Boss möchte zuerst per Angelhaken betäubt werden, was ihn für kurze Zeit besonders empfindlich für einen Schuss aus der Bazooka macht.

Spielst du alleine, so hast du nur ein winzigkleines Zeitfenster, bis die Betäubung nachlässt. Die Zeit reicht kaum aus, um einen Gegner zu verstoffwechseln und abzufeuern. Idealerweise befindest du dich gleich direkt neben einem kleineren Feind, wenn du den Boss an die Angel nimmst – dann könnte dieses Manver klappen. Da Umi nur wenige Treffer verträgt und bei Bosskämpfen zudem ein unnachgiebiges Zeitlimit runtertickert, können diese Gefechte sehr schnell sehr frustig werden. Hier wäre etwas mehr Balancing dringend erforderlich gewesen.

The cast is vast – wer sind all diese Leute? – © Martin Nagel

Für Einzel- und Mehrspielermodus kannst du aus etwa zwanzig verschiedenen Charakteren aus der Umi-Welt wählen, (Wow! Ich wusste nicht dass es dort so viele Leute gibt). Sie alle haben ihre eigenen Charakteristika. Mal eine etwas steilere Sprunghöhe, mal ein höheres Bewegungstempo, mal eine längere Angelschnur. Was die Jungs und Mädels können, musst du aber selbst rausfinden. Erklärungstexte gibt es nicht.

Grafik siehst du ja selber. Von den artsy 2D-Konstrukten ist nicht mehr viel geblieben, stattdessen setzt es 0815-Polygone auf Gamecube-Niveau, die immerhin schn bunt sind. Zudem ist die Kamera immer etwas zu weit entfernt. Und gibt es noch ein zweites Musikstück?

Dafür bietet das Spiel recht gutes Futter für Trophäenjäger. Für Platin musst du das Spiel lediglich einmal durchspielen, und dann mit jedem der etwa 20 Charas ein Spiel gestartet haben – das war’s. Setzt euch dafür aber lieber mindestens zu zweit hin.

Umihara Kawase BaZooKa!

Wertung: 5/10
Publisher: ININ Games
Entwickler:
Studio Saizensen, Success (Ja, die gibt es noch)
Plattform: PS4 (getestet), Switch, Steam-PC
Preis: 29,99 € (PS4 Download), 29,99 € (Switch Download), 24,99 (Steam-PC)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von ININ Games zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

Martin
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