Review: Tokyo Dark -Remembrance-

Mystery-Adventure meets Visual Novel in Tokyo

© Martin Kro

Seit dem ich mit Steins;Gate Elite dieses Jahr meine ersten Schritte im Visual Novel Genre gemacht habe, musste ich immer wieder feststellen, wie sehr mich solche entschleunigten Games doch faszinieren. Gerade jetzt, wo die Tage wieder kürzer werden und die Stimmung draußen perfekt zu einer düsteren Geschichte passt, macht es Spaß in ein Adventure abzutauchen, das von mir eben keine hektischen Inputs erwartet und bei dem nicht jeder Knopfdruck stimmen muss. Als ich den ersten Trailer von Tokyo Dark -Remembrance- sah, wusste ich, dass ich mir dieses Game genauer anschauen muss. Also folgt mir auf meine Reise durch das düstere Tokyo und ich verrate euch, ob auch ihr diesen Trip wagen solltet.

© Martin Kro

Als der Partner von Detective Ayami Itô verschwindet, kommt alles wieder hoch. Die Erinnerungen an einen Fall vor 6 Monaten. Die Entscheidung, die sie treffen musste und die für sie alles auf den Kopf stellen würde. Doch jetzt gilt es nur ihren Partner zu finden. Seit Tagen ist er verschwunden und sie scheint endlich auf dem richtigen Weg zu sein. Die Informationen deuten auf einen abgelegenen Bezirk in Shinjuku. Als sie in einem Container dann sein Handy findet und eine Stimme sie auffordert ihrer Spur zu folgen, findet sie in einem Abwasserkanal endlich ihren Partner. Doch die Freude währt nicht lange und er wird vor ihren Augen umgebracht. Da der Mörder nur von ihr gesehen wird, stürzen sich die Vorgesetzte auf sie und so wird sie degradiert. Doch das Geschehen lässt sie nicht los und sie will Antworten, auch wenn sie diese ganz auf eigene Faust beschaffen muss. Jetzt ist es an ihr, das Puzzle zusammenzusetzen und herauszufinden, was hinter den Vorfällen steckt.

© Martin Kro

So beginnt euer Abenteuer bei Tokyo Dark und was direkt auffällt ist, dass wir es gar nicht wirklich mit einer Visual Novel zu tun haben. Viel eher bekommt ihr hier ein klassisches Adventure spendiert, das viel Text mit sich bringt, euch aber auch immer wieder die Areale erkunden lässt. Dabei werden euch die vielen Quadrate auffallen. Drückt ihr in der Nähe eines solchen auf den A-Knopf erscheint ein Menü, in welchem ihr mit Hilfe der Richtungstasten die Aktionen anwählen und mit A bestätigen müsst. So könnt ihr Türen anschauen, um von Ayami zu erfahren, was es mit diesen auf sich hat, oder ihr könnt sie meist auch einfach betreten. Seit ihr innerhalb eines Gebäudes könnt ihr dort mit den NPCs interagieren und sie nach Hinweisen fragen. So erforscht ihr eine Vielzahl von Arealen und versucht das Rätsel auf eigene Weise zu lüften.

© Martin Kro

Dabei lässt euch das Game dank dem SPIN System vollkommen freie Wahl, wie ihr euch verhalten wollte. SPIN steht dabei für Sanity, Professionalism, Investigation und Neurosis. Fast jede Aktion von euch verändert dabei einen oder mehrere der vier Werte. Helft ihr eurer Kollegin im Präsidum bei ihrem Liebesleben, dann ist das zwar sehr löblich aber nicht sonderlich hilfreich bei eurer Ermittlung. Ergo büßt ihr ein paar Punkte bei der Professionalität ein. Untersucht ihr alle Bilder während der anfänglichen Zugfahrt, steigert dies euren Investations-Wert. Erlebt ihr etwas Schreckliches dann kratzt das an eurer Sanity. Dieses Aktion und Reaktion System ist cool und zwingt euch unterbewusst, euch jede Entscheidung genau zu überlegen. Ziehe ich meine Waffe und bedrohe ich einen Informanten oder trinke ich lieber einen Whiskey während der Arbeit, um mir so Zugang zu der Bardame zu verschaffen? Das bleibt ganz mir überlassen.

© Martin Kro

Je nachdem wie ihr euch entscheidet und wie ihr vorgeht könnt ihr dadurch ganze 11 Enden entdecken. Eines davon ist dabei sogar exklusiv für das New Game+ reserviert. Wo wir auch schon beim Umfang wären. Für einen Playthrough braucht ihr so ca. 5 Stunden. Was sich zunächst recht kurz anhört, ermutigt euch aber eher dazu, das Ganze erneut zu versuchen und euch dabei eben ganz anders zu verhalten. Leider gibt es hier nicht das eine Ende, dass alle Fragen restlos beantwortet, vielmehr bleibt es euch überlassen aus all den Informationen ein Gesamtbild zu formen. Die Stimmung ist dabei erfreulich ernst und düster. Immer wieder kam ich an Punkte, die mir wirklich auf den Magen geschlagen haben. Ich kann Itô Stress förmlich selber spüren und zweifle manchmal selber an den Geschehnissen. Gerade weil ich selber das Gefühl habe, für die Geschichte mit verantwortlich zu sein.

© Martin Kro

Grafisch wird das Spiel auf eine ganz besondere Art und Weise präsentiert. Die Animationen von Itô wirken irgendwie hölzern und surreal. Dafür sehen die kurzen anime-ähnlichen Einspieler umso genialer aus. Die Charakterportraits während den Dialogen schwanken in der Qualität leider auch ein wenig. Manche Figuren sehen wirklich toll aus, wie beispielsweise Itô und Reina. Andere hingegen wirken unrund und ein wenig simpel, was einen doch ein wenig aus dem Geschehen reißt. Leider fehlt bis auf wenige Aufnahme ein Voice-Over für die Dialoge, was gerade zu Beginn noch ein wenig stört. Doch ihr gewöhnt euch allerdings recht schnell daran und gerade die gute Soundkulisse lässt dies schnell vergessen. Einige Tracks haben mich wirklich verzaubert und in eine surreale, fast alptraumhafte Stimmung versetzt.

© Martin Kro

Fazit: Tokyo Dark -Remembrance- ist am Ende genau das geworden, was ich mir nach dem Trailer erhofft hatte. Ein ernstes Adventure, mit Visual Novel Ansatz, das dank SPIN System jede Entscheidung wichtig macht. Ich fühle mich selber wie ein Ermittler und es kommt auf meine Aktionen an. Wer über die etwas hölzernen Animationen hinwegschauen kann und auf ein kurzes aber nachhaltiges Adventure Lust hat, der sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren. Fans von Visual Novels sollten definitiv zuschlagen, denn dank unzähliger Enden bekommt man hier viel Unterhaltung für sein Geld!

© Martin Kro

Summary: When I first saw the trailer for Switch version of Tokyo Dark -Remembrance- I knew that I needed to play this game. The game puts you in the shoes of detective Itô in her search for her colleague who disappeared a few days ago. When she finally manages to find him, hell breaks loose. Now it’s up to herself to find out the truth behind his disappearance. Thanks to the SPIN-System (Sanity, Professionalism, Investigation and Neurosis) everything you do has an impact on the story. Threaten a suspect and you loose Professionalism points. Look at every picture or poster and you gain some Investigation points. Experience something horrible and it might damage your sanity. This system made me think about every action I made and I was compelled to try my first playthrough with the reactions I would make myself. Only to play the whole game again in ways I would never act myself. That way you can experience 11 different endings. One playthrough will take you around 5 hours. One of the endings is even tied to the new game+ mode, so you’ll have a lot of content to explore. The switch version even comes with more content and it was just a joy to play it. Some animations tend to look a little wonky and a few of the character portraits during dialog looked a little less polished then the rest. Missing voice-acting distracted me at first but thanks to a great soundtrack I never thought about that aspect for long. If you are looking for a short adventure that will stick with you long after you finished it once this could be for you. If you love adventures and visual novels you need to check this game out, especially because of it’s unique SPIN-system.

Tokyo Dark -Remembrance-

Wertung: 8,5/10 
Publisher: Unties
Entwickler: Cherry Mochi

Plattform: Switch (getestet), PC
Preis: 17,99€

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Unties zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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Zocker seit dem 6. Lebensjahr. Cave-Enthusiast und Danmaku-Liebhaber. Möglichst bunt und voller Kugeln muss es sein, dann fühl ich mich direkt daheim. Darüberhinaus Sammler, dessen Regale bald platzen!
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