Review: The Sinking City – Lovecraftsches Grauen!

Lovecraft Grusel auf der Switch

© Martin Kro

Lovecraft und sein Universum bieten so viel Spielraum für kreative, multimediale Unterhaltung. Da ist es nur verständlich, dass auch immer wieder Spielemacher auf den Cthulhu-Mythos aufmerksam werden. Doch nicht jedem Entwickler gelingt es, die Essenz seines Schaffens in ein Game einzufangen. Ich erinnere mich da gerne an Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth zurück, welches eine ungemein dichte Atmosphäre erschaffen konnte. Zwar krankte die Umsetzung in technischer Hinsicht ein wenig, doch für echte Fans war es lange Zeit das beste Game im Lovecraft-Universum. Was freute ich mich dann, als ich den ersten Trailer von The Sinking City sah, denn er konnte für mich die Essenz Lovecrafts gekonnt wiedergeben. Nun gibt es das Game endlich für meine favorisierte Konsole, die Nintendo Switch, und die Entwickler von Frogwares haben es sich nicht nehmen lassen, die Portierung selber zu erstellen. Doch wie gut ist das Game und die Switch-Fassung im Besonderen geworden? Folgt mir und lasst uns gemeinsam in den Wahnsinn abtauchen!

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Du spielst den Privatdetektiv Charles Reed, der auf der Suche nach Antworten ist. Seit einiger Zeit plagen ihn merkwürdige Träume und Halluzinationen, welche ihm eine Stadt unter Wasser zeigen, und grausige Wesen, die jene bewohnen. Durch einen Brief des mysteriösen Johannes van der Berg., verschlägt es Reed in das kleine Küstenstädtchen Oakmont. Hier soll es Antworten geben. Und so beginnt das Abenteuer und der Abstieg in die Tiefen des Wahnsinns.

© Martin Kro

Die Geschichte von The Sinking City hat mich von der ersten Sekunde gefesselt. Die stimmige Zwischensequenz gleich zu Beginn macht klar, was mich erwartet. Eine Stadt unterhalb des Wasserspiegels, welche groteske Geheimnisse verbirgt. Im Hintergrund schwimmt ein monströses Ungeheuer mit mehr Tentakeln als ich zu zählen fähig bin. Und dann wache ich erschrocken auf. In der Haut von Charles Reed beginnt mein Abenteuer auf einem alten Frachter. Als ich diesen verlasse wartet schon mein mysteriöser Brieffreund auf mich, gekleidet in einem gelben Anzug. Direkt weiß ich wer hier auf mich wartet: Der König in Gelb. Beziehungsweise die Personifizierung eben jenes übernatürlichen Wesens aus der Feder Lovecrafts. Genau damit hat das Game mich an der Angel. Doch ich komme nicht weit und schon treffe ich auf den ersten Fall.

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Ich muss nun herausfinden, was mit dem Sohn von Robert Throgmorton, einem der wichtigen Leute in Oakmont, passiert ist. Dabei gelingt es dem Game sehr gut, mir die Mechaniken beizubringen. Ich rede mit den einzelnen Anwesenden und erfahre in den sehr detailierten Dialogoptionen immer mehr über den Vermissten und seine Vergangenheit. Dabei kommt mir eine Spezialfähigkeit von Reed zu Gute. Dank seinem „Inneren Auge“ (im englischen Mind Eye) habe ich die Möglichkeit eine Art Spektralsicht einzuschalten, mit welcher ich durchsuchbare Truhen und Schränke sofort, dank leuchtendem Symbol ausfindig machen kann. Doch nicht nur das, auch kann ich dank diesem, eine Art vergangene Aufnahme bei gewissen Gegenständen erhalten, die mir mehr über das Geschehene verrät. So puzzele ich dann die Ereignisse selber zusammen und es fühlt sich grandios an, wenn ich dank eigenem Gehirnschmalz am Ende weiß, wie sich das Verschwinden des Sohns zugetragen hat. Habe ich nämlich alle Hinweise gesammelt, kann ich auf eine Geisterebene wechseln und muss dann den richtigen Verlauf des Geschehenen rekonstruieren. Dabei höre ich mir die damaligen Gespräche an und vergeben jedem Vorfall eine Zahl. Sollte ich das richtig machen, kommentiert Reed das Ganze und ich bekomme einen neuen Hinweis. Diese Hinweise muss ich dann im sogenannten „Mind Palace“ richtig miteinander verknüpfen, um so am Ende eine Schlussfolgerung zu erschaffen. Dabei habe ich dann am Ende die Wahl zwischen zwei Ausgängen, die ich selber entscheiden kann und mit der ich dann leben muss. Selten hat mich ein Spiel so gefesselt und mich derart genial in die Rolle eines wahren Ermittlers versetzt.

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Besonders gefallen hat mir dabei, dass ich auf der Karte eben keine Questmarkierungen habe. Stattdessen liefern mir die Hinweise oft Angaben. So steht beispielsweise in einem Hinweis, dass der Täter Zuflucht in einer alten Fabrik gefunden haben soll, die sich in der Nähe der Kreuzung zwischen Straße A und B im Viertel C befindet. So suche ich dann die Karte selber ab, bis ich die beiden Straßen gefunden habe und setze mir selber eben jenen Hinweis als Marker auf die Karte. Dann gehe ich dort hin und schaue, wo genau sich diese Fabrik befindet. Das wirkt 2019 in Zeiten von Hilfestellungen für den einen oder anderen sicherlich befremdlich, mir hat es stattdessen gezeigt, wie genial es ist, selber aktiv zu werden. Allerdings habe ich zu Beginn auch die Wahl, ob ich dieses Feature nutzen will, was die Default Einstellungen sind, oder ob ich vielleicht doch lieber mit einem gewissen Grad an Hilfestellung versorgt werden will.

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Zudem entdecke ich beim Erkunden immer wieder infizierte Areale, welche zwar an meinem geistigen Zustand nagen, mir gleichzeitig aber auch Erfahrungspunkte bescheren. Diese Areale kann ich von den Monstern befreien, allerdings sind dies sehr große Herausforderungen und ich treffe dabei auf sehr harte Gegner. Wo ich schon bei dem geistigen Zustand bin, möchte ich kurz erklären, was es damit auf sich hat. Neben meiner gewohnten Lebensleiste habe ich noch eine zweite und diese verringert sich immer wieder, wenn ich etwas Bizarres erlebe oder ich auf einen verstörenden Hinweis stoße. Auch das Nutzen des „Inneren Auges“ verbraucht langsam diese Leiste. Sollte ich zu viel Schreckliches sehen oder zu lange das Auge benutzen, kann es schon mal passieren, dass plötzlich ein Monster aus der Erde hervorschießt und mich angreift. Dieses Feature hat mich immer wieder dazu gebracht, langsam und ruhig vorzugehen. Sollte ich einen schrecklichen Fund gemacht haben, dann habe ich einfach kurz gewartet und meiner Psyche ein wenig Ruhe gegönnt. Auch das Auge habe ich zunächst sehr lange benutzt, nur um zu merken, dass dies für meinen Gemütszustand keineswegs sinnvoll war. Später habe ich dann immer nur kurz das Auge eingeschaltet und es immer schnellstmöglich wieder ausgeschaltet.

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Neben den 10 Storymissionen, mit welchen ich allein schon gut und gerne 20 Stunden verbringen kann, wartet das Game auch noch mit allerlei kleinen Nebenmissionen auf mich. So muss ich beispielsweise herausfinden, was aus dem Kumpe von Robert Throgmorton passiert ist. Daraus entspinnt sich gleich eine weitere Nebenmission und ich tauche immer tiefer in diese Spielwelt ein.

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Wie bereits erwähnt, gibt es in Oakmont nicht nur freundliche Gestalten. Immer wieder stoße ich auf sogenannte Wylebeasts. Das sind Monster aus der Tiefe des Ozeans, die sich auf Grund einer Flut in Oakmont breit gemacht haben. Diese kommen in verschiedenen Varianten vor. So gibt es die kleinen Krabbler, die sich schnell von links nach rechts bewegen, um meinen Schüssen auszuweichen, dabei aber beständigt auf mich zu rennen. Daneben treffe ich auf hundeähnliche Wesen und fast Menschengleiche Mutanten, die mich mit ihrem Rotz beschießen. Die richtig großen Brocken sehen aus wie eine Mischung aus Bär und Tentakel Monster und haben im Brustkorb ihren Schwachpunkt. Beim Kampf selber habe ich zunächst nur eine alte Schuffel zur Verfügung, die ich mit einem Druck auf die R-Taste benutzen kann. Alles dabei in 3rd-Person-Ansicht. Später bekomme ich noch eine Pistole und einen Revolver dazu. Ich muss die Angriffsmusters, gerade der kleinen Spinnenwesen gut kennen, damit ich nicht unnötig oft daneben schieße. Doch ich sollte mir dennoch nicht zu lange Zeit lassen, denn jede Begegnung mit einem Wylebeast zehrt auch an meinem Geisteszustand. Nicht nur Reed verfällt dabei in Panik.

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Wo wir schon bei den Waffen sind. Dank coolem Craftingmenü kannst du dir die Kugeln selber zusammenbauen. Dafür heißt es alle Schränke und Truhen, die dies zulassen, nach Craftingmaterial zu durchsuchen. Dadurch verfällst du automatisch in einen Untersuchungswahn, denn nur so kannst du gewährleisten, dass du dich immer gegen die Wesen aus der Tiefe zur Wehr setzen kannst. Auch Heilmaterial muss gecraftet werden und du kannst davon nicht unbegrenzt mitführen. Maximal 3 Medkits kannst du auf einmal bei dir tragen. Gott sei Dank kannst du deine Tragfähigkeit später durch einen kleinen, aber sehr coolen Skilltree noch weiter ausbauen. Denn für jede erfüllte Quest und jedes getötete Wesen bekommst du, wie auch durchs vorher erwähnte Erkunden Erfahrungspunkte.

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Doch wie schlägt sich die Switch-Fassung von The Sinking City so? Ich muss sagen, dass ich nach der ersten Zwischensequenz schon richtig heiß war. Auch mein Erwachen auf dem Boot sah super aus. Als ich dieses verließ kam ich, wie schon berichtet mit dem König in Gelb in Kontakt und dabei viel mir auf, dass die Gesichter wirklich Spitze aussehen und sich nicht vor der PC oder PS4 Fassung verstecken müssen. Auch die Anzüge, beziehungsweise die Jacke von Reed sehen wirklich spitze aus und weisen einen Wassereffekt auf. Allerdings sieht es bei den Haaren etwas anders aus. Hier fehlt der Switch-Fassung ein wenig an Detail und du wirst feststellen, dass die Haare in den anderen Fassungen, mehr Volumen und weichere Texturen zeigen. Das ist schade, allerdings verständlich. Als ich dann meine ersten Schritte an Land hinter mir habe und das erste Gebäude betrete merke ich, dass ich durch eine kurze Nachladesequenz kurz aus dem Geschehen gerissen werde. Das stört mich persönlich eher wenig, allerdings fällt es auf. Diese Ladesequenz dauert meist nur wenige Sekunden, manchmal sogar nur 1-2 Sekunden, es ist also wirklich verkraftbar. Im Inneren sieht alles soweit sehr gut aus und auch die Texturen sind schön anzusehen. Als ich später weiter im in der Stadtmitte von Oakmont unterwegs bin, merke ich, dass ich immer wieder sehr starkes Pop-in bei den Vegetationstexturen erlebe. Im direkten Vergleich zu den anderen Fassungen fällt auf, dass bei diesen die Vegetation viel intensiver und teilweise nur minimales Pop-in vorhanden ist. In der Switch habe ich fast keine Vegetation bis ich kurz davor stehe und dann popt es mir direkt ins Gesicht. Das ist schade, besonders im Handheld-Modus merke ich das nach einiger Zeit aber immer weniger, denn wenn ich wieder auf der Jagd nach dem nächsten Hinweis bin, muss ich eher nach betretbaren Häusern Ausschau halten.

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Toll hingegen wurden die besonderen Features der Switch implementiert. So kann ich beim Zielen auf Gegner dank Gyrosteuerung mein Fadenkreuz hervorragend feinjustieren. Auch das Touchpad wurde im Handheld-Modus für das Auswählen von Dialogoptionen und im Menü genutzt. Dadurch fühle ich mich noch näher im Geschehen als ohnehin schon. Docked habe ich wenig bis gar keine Verbesserungen, sowohl beim Pop-in noch sonst bei den Texturen wahrgenommen. Hier fällt einfach erneut auf, dass der kleine Screen der Switch vieles noch ein wenig besser aussehen lässt.

Fazit: The Sinking City ist für mich als Lovecraft-Fan ein wahrer Liebesbrief. Die Welt fühlt sich so an, als wäre ich selbst in einer Geschichte von Lovecraft, wie beispielsweise dem Schatten über Innsmouth, gefangen. Dank der grandiosen Story will ich immer mehr und mehr von der Welt sehen. Ich will den Geheimnissen selbstständig und ohne Hilfe auf den Grund gehen. Ich fühle mich wie ein echter Detektiv! Die Switch-Fassung ist abgesehen von ein paar schwächeren Texturen und dem starken Pop-in wirklich sehr gut geworden und ich kann jedem Lovecraft-Fan auf der Switch nur empfehlen, dieses Game unbedingt auszuprobieren. Und so wird Cthulhu weiter in seinem Haus in Ryleh schlafen, bis ihr die Berge des Wahnsinns für immer erklimmt. Iä Iä Cthulhu fhtagn!

© Martin Kro

Summary: The Sinking City captures the essence of Lovecraftian Horror like no Game in the last years. From the first meeting with Johannes van der Berg, which looks and feels like a personification of the King in yellow himself, to all those disturbing encounters with those Wylebeasts, you feel like you are in a story from Lovecraft himself. The City of Oakmont is a great place to explore and Frogwares gives you all the tools to do this on your own. With the Mind’s Eye you can look behind the curtain of objects and that way you can see things no one else can. You really feel like a detective and it feels great to solve one mystery after another. With 10 main missions, which will take you around 20 hours, you can even do some great side missions that lets you dive even deeper in the mythos Frogwares created for the fans. The Switch version runs pretty much flawlessly. Some reduced hair textures and some pop-in is pretty much all you will encounter on your trip to Oakmont. Every Lovecraft Fan needs to play this game either on Switch or their prefered console. That is not dead which can eternal lie, and with strang aeons even death may die!

The Sinking City

Wertung: 9/10 
Publisher: Frogwares
Entwickler: Frogwares

Plattform: Switch (Getestet), PC, PS4, XBOX One
Preis: 49,99€ (Switch)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Frogwares zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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Zocker seit dem 6. Lebensjahr. Cave-Enthusiast und Danmaku-Liebhaber. Möglichst bunt und voller Kugeln muss es sein, dann fühl ich mich direkt daheim. Darüberhinaus Sammler, dessen Regale bald platzen!
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