Review: The Ninja Saviors: Return of the Warriors

Ninja-Schlachtplatte gewürzt mit Schweiß, Tränen und Zuntata

© Martin Nagel

Ninja Saviors: Return of the Warriors – so der Titel einer der am heißesten erwarteten Retro-Kracher 2019. Eigentlich sollte es Return of the Return heißen. Wie jetzt? Okay, der Reihe nach.

Wenn du oft auf Retrobörsen geierst, dann ist dir Ninja Warriors auf dem SNES bestimmt ein Begriff. Das Modul erschien 1994, also spät im Lebenszyklus und in kleiner Auflage. Heute ist es Mitglied im begehrten ÜHU(über hundert)-Club der SNES-Module, und entsprechend begehrt bei Sammlern, Hipstern, Wertspekulanten und allen die es werden wollen.

Da fliegt das Blech, da platzt der Lack! 80er-Sprech kommt hier von ganz alleine – © Martin Nagel

Tatsächlich ist dieses Spiel aber schon ein Remake. In Japan heißt es entsprechend „Ninja Warriors Again“. Das ursprüngliche Ninja Warriors erschien 1987 über Taito in der Spielhalle, und nutzt den von Darius bekannten Superduper-Ziehmichlang-Widescreen. (Technikinfo: Eigentlich waren drei normale Monitore im Ensatz. Über eine Spiegeltechnik wurde das Bild zusammengefügt. Tja, damals steckte noch richtig Geld in der Spielhallenrechnik!)

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Ninja Warriors, also der SNES-Teil, kann als eines der ersten richtig gelungenen Remakes bezeichnet werden. Die Arcade-Ninjas konnten nur springen, geduckt laufen, begrenzte Geschosse schleudern und Leute mit ihren Kunai-Klingen pieksen – quasi wie Segas Shinobi, aber weit weniger ausgefeilt und, nun ja, breit.

Statt zwei nur optisch unterschiedlicher Figuren für Spieler eins, kannst du dir hier einen von drei Cyborg-Ninjas aussuchen, die sich spielerisch stark unterscheiden und einen eigenen Spielstil erlauben und erfordern. Dafür fehlt der Zweispielermodus. Irgendwas ist immer.

Voll gesägt Altha! Was latscht der Depp auch in den Ventilator – © Martin Nagel

Von diesem Spiel bekommen wir nun ein Remake/Remaster. Was das Spiel nun genau ist, darüber lassen wir gerne die Forentrolle streiten. Jedenfalls wurde das SNES-Spiel etwas frei nachgebaut, der Roster um zwei Kämpfer erhöht, den bestehenden Ninjas einige neue Moves spendiert, wunderschöne HD-Pixeloptik mit leichten Render-Einflüssen gezaubert und neue Musik geschrieben.

In Japan heißt diese Version passenderweise „The Ninja Warriors: Once Again“ – wir kriegen den Clusterfuck der oben im Titel steht. Japaner werden eben in Videospielen deutlich ernster genommen als europäische Kunden. Spielt Japan eigentlich Fortnite?

Friss Propan! Damals gab es billigen Treibstoff an jeder Ecke – © Martin Nagel

So, nun aber endlich mal losgespielt! Irgendein Diktator mit doofem Namen hat die Welt unterworfen und nur eine kleine Rebellengruppe übrig gelassen. Die bauen einen Kampf-Cyborg als letzte Hoffnung. Rein zufällig wird er genau dann fertig, als das letzte Rebellenlager hopsgenommen wird. Im dann folgenden Optionsmenü entscheidest du, welchen Robi die Rebellen gebaut haben werden – oder so. Zeitreise-Schmonsens überlassen wir lieber dem Terminator oder Rick & Morty.

Schauen wir uns lieber die Kämpfer an. Die flotte Kunoichi setzt sehr auf Sprungkicks und Salti, dafür sollte sie lieber nicht frontal angreifen. Diese Aufgabe obliegt Kamaitachi mit den Scherenhänden. Der dicke Ninja ist schließlich der behäbige Kraftprotz der Truppe. Später werden noch zwei weitere Kämpfer freigeschaltet: ein agiles Mädel mit langen Armen und fetten, öhm, Combos,und ein noch größerer, schwererer Hefekloß.

Friss volle Energieleiste! – © Martin Nagel

Du kämpfst auf einer Ebene, weswegen ich nicht ganz sicher bin ob das Spiel zum Beat ‚em up gezählt werden kann, oder doch eher in die Shinobi-Plattformecke gehört. Wieder ein Job für die Forentrolle! Über Zeit oder gelandete Treffer wird eine Spezialleiste gefüllt. Diese kann für kleinere Comboverstärker genutzt werden, oder du leerst sie komplett für eine bildschirmfüllende Explosion. Das gibt eine schöne Portion Risk&Reward. Du kannst entweder warten bis die Leiste voll ist, oder aggressiv und gut kämpfen und so in die Online-Rangliste für die schnellste Durchspielzeit kommen. Bei heftigen Treffern ist die Leiste übrigens weg – noch eine Portion Risk&Reward.

Leider gibt es auch das damals übliche Boss-Recycling – © Martin Nagel

Wie erwähnt spielen sich die fünf sehr unterschiedlich. So kann der große Ninja nicht springen. Ein Jetpack hält ihn knapp über Bodenhöhe wenn es sein muss. Dafür beherrscht er einen Dash, der ihn schnell und wuchtig zum Gegner trägt. Normale Schläge brauchen ihre Zeit, dafür wächst dann da kein Gras mehr. Und er kann sich bewegen wenn er ein Wurfmotorrad aufgehoben hat. Kleinere Warriors/Saviors können die Maschine nur an Ort und Stelle nach links und rechts werfen, aber nicht damit gehen. Die Kunoichi setzt mehr auf Crowd Control. Sie greift aus der Luft an und kann auch nach hinten schlagen wenn sie eingekreist wird. Wenige, aber präzise designte Moves machen aus jedem Kämpfer eine Persönlichkeit. Es lohnt sich das Spiel immer wieder neu anzugehen und neue Taktiken zu probieren.

Gruppenbild mit Drohne – © Martin Nagel

Und natürlich ist das Spiel schwer! Ich will jetzt nicht schon wieder den alten Dark Souls-Vergleich bringen, aber nach dem ersten Endgegner habe ich mich gefühlt wie nach Ludex Gundyr. Du musst dich und deine Moves, das Verhalten der Gegner und ihre Reichweiten gut kennen wenn du hier Land sehen willst. Richtige Brecher sind zum Glück nur die Bosse und wenige etwas größere Roboter. Bei den Standardgegnern kannst du dich recht entspannt und flott durchkloppen. Auch Health Packs sind genau dort wo sie sein müssen. So entsteht ein angenehmer Spielfluss. Es hilft auch sehr dass selbst die zarte Kunoichi eine angenehme Schlagreichweite hat.

Alibi-Foto mit dem dicken Ninja, damit du nicht denkst dass ich immer das Mädel nehme – © Martin Nagel

Die straffen Kontrollen, die durchdachten Moves, das wuchtige Spielgefühl und nicht zuletzt die herrliche 80er-Synthiemucke von Zuntata machen den dritten Auftritt der Ninja Warriors zum besten Plattform-Action-Beat ‚em up 2019 – zumindest für mich. Hier fühle ich mich als Spieler verstanden und ernstgenommen, mehr als bei all den anderen Straßenprüglern nach Schema F. Und das Beste: Der Zweispielermodus ist auch wieder mit an Bord. A propos, was sagt denn mein Wingman Logge?

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Logge meint dazu: Was direkt auffällt ist die wunderschöne Retro-Grafik die 2019 in poliertem Licht glänzt. Hier siehst du, wie ein Retro-Remaster aussehen sollte. Die Explosionen sind wuchtiger, die Enemy-Sprites sind hochauflösender und die Stages wirken noch detailierter. Wenn du das Snes Remaster (also das 90er Remaster vom 80er Arcade Hit) kennst, dann wirst du hier nichts anderes wieder finden. 8 Stages verlangen dir alles ab. 2019 etwas befremdlich ist der harte Schwierigkeitsgrad. Gerade die Bossfights sind extrem herausfordernd und bei einem habe ich locker 15-Minuten gebraucht, bis ich seine Bewegungen intus hatte. Und selbst als er down war, fühlte ich mich nicht wirklich überlegen.

Wie eine Spinne an der TV-Wand – © Martin Nagel

Die Arcade-Wurzeln verleugnet das Game zu keinem Zeitpunkt. Hier kriegst du einen wahren „Quarter-Muncher“ spendiert, der dir das Geld aus den Taschen saugen will. Bloß gut, dass wir es jetzt entspannt daheim mit unendlich Continues schaffen können. Ich persönlich kam leider nur mit dem wendigen Roboter und der schnellen Assassine wirklich zu recht, da mir die anderen doch ein wenig zu behäbig waren. Das war damals schon mit dem dritten Charakter so, und auch die zwei neuen sind leider ein wenig zu klobig für mich. Doch genau das macht jeden einzelnen interessant zu spielen und es wird genug Leute geben, die mit allen fünf das Game beenden können. Schaffst du das dann auch noch ohne ein Continue zu nutzen dann wird deine Zeit in die Bestenliste aufgenommen.

Friss Zuse! Ja, Computer sahen mal so aus – © Martin Nagel

Alles in allem ist Ninja Saviors ein gelungenes Remake/Remaster des Klassikers, der dir alle Stärken, aber auch die Schwächen von damals in einem wunderschönen Gewand präsentiert. Wer auf knallharte Arcade-Action steht, der sollte zuschlagen. Wenn du lieber einen gediegenen Schwierigkeitsgrad willst, dann solltest du vielleicht lieber ein anderes Game zocken!

Summary: Ninja Saviors is a remaster of the old Arcade/SNES classic Ninja Warriors. Instead of 3 characters, you now have the ability to choose between 5 different characters. But first you have to beat the game 2 times to unlock the brandnew fighters, that were made especially for this release. If you dig oldschool games like Final Fight and Streets of Rage, this game is up your alley and the brilliant visual makeover is absolutely amazing. This is how you remaster oldschool games for 2019. All those people that don’t want their games to be brutally difficult should look elsewhere!

Ninja Saviors: Return of the Warriors

Wertung: 9/10 (Martin), 7/10 (Logge)
Publisher: Softdistribution GmbH, ININ Games
Entwickler: Taito

Plattform: Switch (von Logge getestet), PS4 (von Martin getestet)
Preis: 19,99 € (digital), 27,99 € (physisch)

Für den Test wurde Logge ein kostenloser Review-Key der Switch-Version vom Publisher zur Verfügung gestellt. Martin hat seine PS4-Version selbst gekauft weil er gierig auf die Collectors Edition war. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt und stammen von der PS4-Version.

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