Review: Teslapunk – Kunstvoller Kugelhagel der alten Schule

Bullet-Hell-Shooter aus Deutschland

© klutzGames

Nintendos Switch steht gerade in den Startlöchern, da erscheint für die Vorgängerkonsole noch schnell ein Bullet-Hell-Shooter – einen Preis für ihr Timing gewinnt das dreiköpfige Indie-Team aus Deutschland nicht. Doch auch die Pixel-Zauberer von Treasure haben ihre größten Meisterwerke immer dann abgeliefert, wenn das Haltbarkeitsdatum einer Konsole schon deutlich überschritten war – und im Falle von Ikaruga haben sie Segas Dreamcast sogar einen zweiten Shmup-Frühling geschenkt, der bis heute andauert. Haben wir es hier etwa mit einem zweiten Ikaruga zu tun?

Zum Start eine kleine Enttäuschung: Off-TV wird leider nicht unterstützt. Ich muss also das Kabel anschließen, denn ich benutze meine Wii U meistens ohne Fernseher. Kaum habe ich die Strippe verlegt, so erwartet mich ein aufgeräumtes Hauptmenü. Neben den Optionen – leider kein Tate – gibt es eine kleine Galerie freizuschalten und einen speziellen Überlebensmodus. Ich entscheide mich natürlich für den Arcade Mode!

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Do-do-do-dohpach!

Mit B wird gefeuert. Schnelles Triggern verschießt einen flächendeckenden Spreadshot. Hältst du den Knopf gedrückt, so verwandelt er sich in einen konzentrierten Vernichtungsstrahl und dein Schiff wird langsamer, um im Kugelhagel präziser manövrieren zu können. Mit RT kannst du Full Auto aktivieren und A zündet eine lebensrettende Bombe die zudem deinen Laserstrahl für kurze Zeit verstärkt. So weit, so DoDonPachi.

Die Bombe hat jedoch eine Besonderheit: sie lädt sich durch das Einsammeln von blauen Würfeln sehr schnell auf und verwandelt feindliche Kugeln in Punkte für deinen fehlertoleranten Multiplikator. Die Knallfrösche müssen also nicht als Ultima Ratio aufgespart werden, stattdessen ist flottes Scorebombing angesagt! Bis zu drei Bomben können gespeichert werden. Es ist selbstverständlich, dass die Bosse so ihre Ausraster haben, bei denen sie besonders viele Kugeln spucken. Hau ihnen genau dann eine Bombe rein und dein Punktestand explodiert!

Öhm, Story? Ja, die gibt es! Du spielst Nikola Tesla, der mit seinem selbstgebauten Raumschiff die Erde vor Imperator Zangórax und seiner Marsflotte beschützt. Jeder der sechs Level hat ein eigenes Thema, eigene Bosse (Mitte und Ende) und eigene Grafiksets. Was hier an Grafikpower fehlt, wird durch Kreativität mehr als wettgemacht. Vom etwas anderen Grafikstil kannst du dir in unserer Screenshot-Galerie selbst ein Bild machen. Besonders angetan hat es mir der dritte Level. Er sieht aus als würdest du auf einer riesigen technischen Zeichnung kämpfen. Danach kommt eine richtig schön eklige Bio-Stage.

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Live von Mars-TV!

Die Bosse sind übrigens echte Quasselstrippen. Rechts im Bild befindet sich ein kleiner Monitor, über den sie dich permanent mit Trashtalk eindecken. Da wird Werbung für die kleinen Preise des Laserdepots gemacht, weil Laser ja sonst so teuer sind. Oder es wird darüber sinniert, dass jeder Imperator seine eigene Schlachtmusik komponieren sollte. Oft wird auch die vierte Wand durchbrochen. Etwa wenn ein Boss dich fragt, ob sein häufiger Gebrauch von romantischen Alliterationen ihn weich wirken lässt. Alle möglichen Beleidigungen für deinen bedauernswerten Versuch, in einem winzigkleinen Raumschiff die Welt zu retten, sind selbstverständlich auch dabei. Ich habe bei den Sprüchen mehr als einmal richtig schallend gelacht! Sie sind eine tolle Motivation den Level zu schaffen. Ich wollte einfach immer wissen, welche abgefahrene Idee die Entwickler als nächste aus dem Hut zaubern.

Mindestens so oft wie ich gelacht habe, bin ich aber auch gestorben. So witzig die Sprüche auch sind, so sind sie doch eine permanente Quelle der Ablenkung. Auch wenn du krampfhaft versuchst nicht hinzugucken, du wirst es doch irgendwann tun. Einfach weil „sich da was bewegt“. Spiel am besten auf einem kleinen TV damit die Augen nicht so weit wandern müssen. Für eventuelle zukünftige Updates wünsche ich mir die Option den Trash-TV etwas weiter nach links zu verschieben, näher an das Spielgeschehen. Eine Abschalt-Option wäre auch hilfreich. Die Jagd nach dem Highscore ist schließlich bierernst! Humor hat da nichts zu suchen!

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Neulich im Weltraum

Etwas enttäuscht haben mich die Explosionseffekte. Hier hätte etwas mehr „Rumms“ gutgetan. Ich mag es einfach nicht, wenn der Feuerball eines Raumschiffes kleiner aussieht als das Raumschiff selber. Dafür gibt es ein exzellentes Trefferfeedback, das satte Blinken bei einem getroffenen Feind sagt dir immer was Sache ist und sorgt dafür, dass du dich so richtig mächtig fühlst. Der Soundtrack tut sein Übriges. Die Stücke sind toll komponiert und manchmal richtig treibend – und es gibt für jede Stage einen eigenen Track.

Was ist nun das Wichtigste an einem Bullet-Hell-Shmup? Für mich sind es die Schussmuster. Hier bin ich wirklich anspruchsvoll. Ich habe schon Spiele angewidert ausgemacht, weil mir die Muster nicht gefallen haben. Ein Glück, dass hier echte Qualität geboten wird. Immer ist auf dem Bildschirm etwas los, aber es wird niemals unfair. Mehr als einmal zwingt dich ein flächendeckender Kugelteppich in einen schmalen Korridor. Sicher bist du hier aber auch nicht, denn schon kommen ein paar versetzte Schüsse von vorne. Ab Level Drei gesellen sich feste Barrieren hinzu und im Bio-Level verteilen sich dynamische und manchmal schwer zu sehende kleine Suicide-Krümel. Die Abwechslung ist nicht nur grafischer Natur.

Der Survival Mode ändert die Dinge etwas. Dein Schiff feuert automatisch und kann sich nur nach links und rechts bewegen. Eingesammeltes Gold kannst du in einem Shop für nützliche Extras ausgeben. Mach den Schuss breiter, die Hitbox dünner oder lege dir ein magnetisches Raumschiff zu. Leider sind hier die Gegnerformationen sehr simpel. Der Highscore wird in zurückgelegten Metern gemessen und generell erinnert der Modus an die unzähligen Endless-Runner-Games aus dem App Store. Mich hat er nicht überzeugt, ich bleibe lieber beim Arcade Mode. Dennoch eine nette Zugabe.

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Fazit

Teslapunk ist zwar kein neues Ikaruga, aber ein richtig gutes Shmup für Experten. Neben dem Humor und den Schussmustern begeistert mich die fast schon arcadige Kompaktheit. Die meisten heutigen Indie-Shmups versuchen möglichst viel Spielzeit mit möglichst wenig Gameplay, Ideen und Hintergründen zu füllen und wirken dadurch arg gestreckt. Teslapunk jedoch erinnert an die inzwischen verlorengegangene Kunst, jeden Screen mit etwas einzigartigem zu füllen. Fehlen dir solche Shmups heutzutage, dann gib Teslapunk eine Chance! Sieben von zehn winzig kleinen Hitboxen.

Teslapunk wurde zuerst auf dem gescheiterten Android-Würfel Ouya veröffentlicht. Diese Version hat nur vier Level, keinen Survival Mode und nur einen Schusstyp, kostet aber auch nur die Hälfte. DoDonPachi-Gameplay und sechs Stages gibt es nur auf Xbox One und Wii U. Bist du noch unsicher, dann lade dir die wirklich coole Demo aus dem Xbox-Live-Marktplatz herunter. Hier kannst du ganze drei Stages anspielen und sogar noch ein paar Punkte Gamerscore sammeln.

Teslapunk

Wertung: 7/10
Publisher: klutzGames, Fleischfilm
Entwickler: klutzGames
Plattform: Wii U (getestet), Xbox One, Ouya (abgespeckte Version mit nur vier Levels), Android
Preis: 9,99 Euro, 4,99 Euro (Ouya), kostenlos (Android)

Der Review-Key wurde freundlicherweise von klutzGames zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots stammen aus dem Presskit.

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Ich bin Martin und habe schon alles gezockt was Knöpfe hat. Ich unterstütze Thomas mit Reviews und Berichten aus den tiefsten Nischen, die unser Daddelhobby zu bieten hat.
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