Review: Tangledeep – Roguelike done right

Dieses Roguelike schafft den Spagat zwischen Anspruch und Zugänglichkeit

© Martin Nagel

Noch’n Roguelike! Allmählich hängt mir der Zufallscontent gehörig zum Hals raus. Hellhörig wurde ich jedoch als große Namen fielen wie Hiriki Kikuna, Grant Kirkhope und Norihiko Hibino. Die Komponisten von Secret of Mana, Goldeneye und Bayonetta, vereint in einem Spiel? Da musste ich zumindest reinhören. Das dazugehörige Spiel würde schon nicht so schlimm werden.

Roguelike… Roguelite… Das Thema hatten wir doch gerade. Sterdenn könnte ein großartiges Shmup sein, wenn es sich mit seinen Zufallsmechaniken nicht selbst torpedieren würde. Steredenn war ein Roguelite mit T. Tangledeep ist nun ein ganz doll richtiges Roguelike, dass sich das K stolz an seine Heldenbrust heften kann. Wo ist der Unterschied zwischen T und K? Landläufig reichen zufällig generierte Level und Herausforderungen aus um den Rogue-Stempel zu erhalten. Wenn du aber etwas in die Tiefe gehst, dann stößt du auf die sogenannte Berlin-Interpretation. Diese wurde 2008 auf der Roguelike Development Conference in Berlin begründet und legt „harte“ und „weiche“ Merkmale für das Genre fest.

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Wichtige Merkmale sind dabei ein Gittermuster, auf welchem rundenweise gezogen wird, Ressourcenmanagemet und Permadeath. Letzteren gibt es, zumindest in zwei von drei Schwierigkeitsgraden. Auf leicht verlierst du einen Teil deiner Beute und Kohle, darfst aber Charakter und Fortschritt behalten. Auf mittel heißt es Permadeath, auf schwer Permadeath mit anschließender Löschung des Spielstandes.

Zusätzlich kannst du noch allerlei Zusatzeffekte dazuschalten. Manche davon müssen freigespielt werden, und sie verändern das Spielgefühl und den Schwierigkeitsgrad teils erheblich. Zur besseren Orientierung sind die Effekte farbcodiert Grüne machen das Spiel leichter, gelbe sind neutral, und rote schielen abwechselnd nach deinem Popo und der Reitgerte. Ein sehr positiver Effekt ist die automatische Heilung außerhalb des Kampfes, wie sie viele Roguelikes standardmäßig anbieten. Halbe Jobpunkte oder der komplette Verzicht auf von Monstern gedroptes Gold fahren eher die härtere Gangart.

Hier siehst du alle erhältlichen Zusatzeffekte. Wie viel Wahnsinn traust du dir zu? – © Martin Nagel

Rogue like Berlin

Wie funktioniert nun das rundenweise Ziehen? In Tangledeep etwas anders, als du es von vergleichbaren Spielen vielleicht gewohnt bist. Du drehst mit dem linken Stick einen Zeiger um deine Spielfigur, ähnlich einer Kompassnadel. Drückst du A, so macht dein Kriegerchen einen Schritt in die angezeigte Richtung. Du kannst die Taste auch gedrückt halten, wodurch du sehr schnell durch die Labyrinthe getragen wirst. Dadurch spielt sich Tagledeep fast wie ein Ys-Teil und fühlt sich sehr „echtzeitig“ an. Aber Vorsicht: Die Gegner bewegen sich mit. Für jeden deiner Züge bewegen sie sich auch ein Feld. Pass bloß auf nicht eingekreist zu werden, denn selbst mit eingeschalteter Lebensregeneration hat dich ein Zweifrontenkrieg schnell zerrieben.

Das malerische Start-Dorf, der Lauftext – hach ja! – © Martin Nagel

Wie bei frühen Ys-Teilen kannst du auch einfach in die Gegner hineinrennen, um sie mit der gerade ausgewählten Nahkampfwaffe anzugreifen. Drei Waffen kannst du gleichzeitig ausrüsten und jederzeit zwischen ihnen wechseln. Es stehen auch ganze acht Slots für Schnellgegenstände zur Verfügung. Für darüberhinausgehende Ausrüstungswünsche musst du dich in das etwas konfuse Pausenmenü begeben.

Fernwaffen wie Bögen oder Wurfäxte werden manuell gezielt. Wie im Taktik-RPG werden dir Ziele und Reichweite angezeigt, dann bestätigst du mit A.  Das dauert etwas länger als das bloße Überrennen des Feindvolkes, kann dir aber das Leben retten wenn eine Wand an Feinden auf dich zugewalzt kommt.

Auf dem Schlachtfeld liegt schon so einiges rum. Dem Schleim ziehen wir gleich ein zweites Grinsen! – © Martin Nagel

Wälder jenseits der Wälder

Leider wird das Spiel wohl im großen Wust der eShop-Indies untergehen. Dafür schaut es einfach zu unspektakulär aus. Eine Teilschuld daran trägt auch der sehr präsente „Fog of War“. Dein Chara hat nur eine gewisse Sichtweite, und auch bereits aufgedeckte Gebiete verdunkeln sich wieder wenn du sie verlässt. Das führt zu einem sehr dunklen, eingeschränkten Bild. Lieber wäre es mir wenn ich bereits besuchte Areale dauerhaft erhellen könnte. Das würde auch zu einem befriedigenderen Spielgefühl führen. Aber wir spielen ein Hardcore-Roguelike und müssen da durch!

Der Kriegsnebel ist nicht immer vorteilhaft für den optischen Gesamteindruck – © Martin Nagel

Auch in Sachen Geschichte hätte ich gerne etwas mehr gehabt. Wir stecken im Wald und wollen raus – das ist die Grundstory. Nebencharaktere beschränken sich meist auf Tutorial-Quests zu ihrer jeweiligen Funktion. Und es gibt viele Funktionen! Du kannst Monster fangen, trainieren und in Schönheitswettbewerben antreten lassen. Um ein Monster zu fangen musst du es zuerst auf 15% Lebensenergie runterkloppen, dann ziehst du ihm einen Holzhammer (Einmalgegenstand) über den Schädel. Dann begleitest du es zum heimischen Pferch, fütterst es und gibst ihm einen Namen. Auch Waffen-Dungeons gibt es. Reise in die Tiefen deines Lieblingsschwertes und kämpfe dich durch ein kurzes Verlies, schon ist deine Waffe stärker und bekommt neue Effekte. Wenn du magst kannst du auch einen Garten pflanzen und Früchte ernten. Und es gibt Myriaden von Waffen- und Klassenfähigkeiten zu ergrinden.

Hier verkünden wir einer Banditenbande ihr nahendes Ende! Die Dialoge sind teils toll geschrieben, doch es mangelt unserem Helden an Persönlichkeit – © Martin Nagel

Wo warst du als ich jung war?

Trotz kleinerer Schwächen merke ich das Feintuning, welches in Tangledeep steckt. Erfahrene Entwickler waren mit viel Liebe, Enthusiasmus und einem Auge für die kleinen Details bei der Sache. Es deckt ein breites Spektrum ab und lässt sich sehr flexibel spielen. Flott ’ne Runde kloppen und in dunkelste Gameplay-Tiefen abtauchen – beides geht. Wer bereit ist sich in das Spiel einzuarbeiten, kann viele viele Jahre damit verbringen. Eine gewisse Grund-Leidensfähigkeit sollte aber vorhanden sein – diese gehört beim Roguelike-Genre einfach dazu.

Und wie ist nun die Musik? Leider etwas unspektakulär, aber immer passend und atmosphärisch. Eine Soundtrack-CD würde ich mir wohl nicht hinstellen. Aber sie versetzt dich in die Tiefe der rauschenden Wälder, und lässt manchmal etwas sehnsüchtige 16 Bit-Nostalgie mitschwingen. Alles zusammen reicht mir für eine knappe Acht. Die Note ist aber auch meinem Alter und meiner Faulheit geschuldet. Wäre ich jünger, frischer, abenteuerlustiger, ich würde Tangledeep mit Haut und Haaren verschlingen und mich in die allerletzte Ecke und durch jedes Geheinmis der Spielwelt prügeln, auch wenn es Jahre dauerte. Und ich bin versöhnt mit dem Roguelike-Konzept. Es muss nur richtig gemacht werden.

Tangledeep

Wertung: 8/10
Publisher: Impact Gameworks
Entwickler: Impact Gameworks
Plattform:Switch (getestet), PC
Preis: 12,49 (Switch Download), 12,49 € (PC Download)

Für den Test wurde ein kostenlose Review-Key von Publisher Impact Gameworks zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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