Review: Super Castlevania IV – Oh du schöner Fluch

Halloween-Special Teil Drei: Gib's mir mit der Peitsche!

© Nintendo, Konami

Es gibt eine Handvoll Spiele die du immer wieder spielen kannst. Jeder hat da andere Kandidaten. Für unseren Milo ist das beispielsweise Yoshis Island. Auch ich habe da meine ganz persönlichen Titel, die sich sogar auf verschiedene Feiertage festlegen. So ist mein jährliches Weihnachtsspiel Parasite Eve für die Playstation. Allerdings ist Weihnachten noch etwas hin, weswegen es heute um mein traditionelles Halloween-Spiel geht! Ums kurz zu machen: Wir wissen alle dass das Spiel grundsätzlich sehr gut ist. Das wird also kein klassisches Review, sondern eher ein: Ja darum darf es ruhig geliebt werden.

Simon vs. Dracula

Fangen wir mit dem offensichtlichen an. Die Geschichte wird jetzt keinen Award abholen und wie Herr Belmont gegen Dracula vorgeht sehen wir hier auch nicht zum ersten Mal. Der maßgebende Unterschied liegt in der – erst mit 16 Bit Power wirklich möglichen – Präsentation. Wir haben große eindrucksvolle Gebiete. Dadurch fühlte sich der Weg vom Anfang bis hin zum Zimmer des alten Obermuftis genial an. Wir benötigen hier schlicht keine große Narrative, weil hier vieles für sich selbst spricht. Das ist reine Kopfsache, wodurch ich keinen Fotorealismus benötige um die dichte Atmosphäre aufzunehmen. Das funktionierte in meinen jungen Jahren hervorragend und auch heute stehe ich dem sehr positiv gegenüber.

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Sehr dichte Atmosphäre

Rein grafisch haben wir hier ein astreines Spiel, denn alles wirkt wundervoll für ein Spiel dieser Art konzipiert. Hier und da haben wir zwar auch mal eine Totalpanne, doch wir müssen nicht mit ganz vielen recycelten Gegner kämpfen – auch wenn es Skelette in mindestens zwei Farben gibt – sondern bekommen pro Abschnitt immer wieder neue Widersacher aus dem Horror-Grundbuch an den Kopf geworfen. Auch die Bosskämpfe werden super präsentiert. Nehmen wir jetzt noch die ganzen hardwarespezifischen Möglichkeiten hinzu, bekommen wir auch viele kurzweilige Gimmicks – die allerdings nie stören. So dreht sich der Hintergrund dreidimensional oder wir wechseln die Ebene indem wir durch Tore gehen. Diese Effekte werden allerdings nie überbenutzt, wodurch keine Ermüdungserscheinungen auftreten. Warum nochmal schaffen viele Spiele das heute nicht mehr? Das Setting wird im Übrigen auch sehr gut umgesetzt, so wird die Atmosphäre sehr dicht geprägt. Hin und wieder kann es allerdings auch mal zu massiven Slowdowns kommen. Das hat in der Praxis allerdings weniger gestört, wodurch ich jetzt nur bedingt einen Abzug geben mag. Vor allem da es nur in sehr seltenen Ausnahmefällen auftaucht.(„Du gibst doch eh wieder so ’ne Schwurbelwertung. Was willst du da abziehen?“ – Martin)

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Bat-shit Insane Soundtrack

Und wie könnte ich über Castlevania reden ohne dabei die Musik zu erwähnen. Hier haben wir alles vom absoluten Stimmungsmacher bis hin zur melancholischen Klangwelt. Es passt sich dem Spielgeschehen hervorragend an und vor allem in den letzten Stages werden die Lieder aus den ersten drei Ablegern aufgelegt. Das sorgt nicht nur für einen Nostalgiefaktor, sondern die sind halt auch einfach verdammt gut. Auch der Kampf gegen Dracula wartet hier mit einer kleinen Überraschung auf. Musik ist ein wichtiger Faktor für mich in Videospielen, da über das grafische Element hinaus viel dadurch beeinflusst wird, wie wir uns als Spieler fühlen. Außer vielleicht bei Sonic 06. Das kann durch „His World“ auch nicht mehr gerettet werden. Aber das ist ja auch nicht das Thema! Grundsätzlich spornt die Musik hier einfach an. Vor allem die letzten Abschnitte fühlen sich dadurch wie ein guter Sprint zur Ziellinie an.

Der erste Endboss: Noch recht gemütlich, aber cool in Szene gesetzt – © Nintendo, Konami

Schwung im Gameplay

Wann ist ein Sprint am angenehmsten? Richtig! Wenn er ohne nervige Hürden problemlos ausgeführt werden kann. Lasst es mich so formulieren. Ein Videospiel das Präzision und gutes Handling verlangt muss eine Steuerung besitzen die Präzision und gutes Handling zulässt. Die NES-Castlevanias haben allesamt ihre guten Seiten. Ja auch Simon’s Quest hat durchaus gute Seiten, doch alle hatten merkbare Schwächen im Gameplay. Sind es deswegen schlechte Spiele? Teufel nein! Das sind mitunter die besten Platformer auf dem NES. Super Castlevania nimmt das aber noch eine Stufe weiter, denn es wurde nicht einfach aufgebessert. Die Steuerung ist hier Spot-On. Wir laufen und springen wie gewohnt in den Abschnitten von A nach B, schwingen unsere Peitsche und besiegen alles Mögliche an Gegnern. Dabei machen wir von sekundären Waffen gebrauch, die – im Gegensatz zu unserem heroischen Peitschenhieb – Herzen verbrauchen. Neu ist hierbei der Schwung über Abgründe mit Hilfe unserer gesegneten Waffe. Das besondere hierbei ist, dass wir jedes Element erstmal langsam gezeigt bekommen und im Laufe des Spieles immer und immer öfters benötigen. Achtet das nächste Mal drauf wenn ihr das Spiel einlegt. Das trifft auf nahezu alle Spielelemente zu. Sei es der Kampf, die Schwungmechanik oder das Platforming. Wir schreiten entsprechend langsam im Abenteuer voran und wachsen mit ihm. Bis wir zum finalen Abschnitt kommen können wir problemlos mit allem umgehen. Das ist nur möglich weil die Steuerung so gut funktioniert. Das langsame Gehtempo mag zwar dem einen oder anderen sauer aufstoßen – doch es funktioniert.

Nintendos Clubmagazin gab mal eine kuriose Begründung für die Hähnchenkeulen in der Wand: Die Arbeiter hätten beim Bau des Schlosses ihr Essen eingemauert – © Nintendo, Konami

Auch die Bosskämpfe erfordern Konzentration und genaue Beobachtung. Außer vielleicht beim Grim Reaper, denn da wünsche ich dem Entwickler eine Backpfeife. Der Rest funktioniert allerdings durch simples Erlernen der Fähigkeiten, sodass das Gamedesign nahezu nie schuld an unserem Versagen ist. So muss das verdammt nochmal sein! Natürlich gibt es auch nervige Elemente. So werde ich nie begeistert von fliegenden Gegnern sein. Doch insgesamt kann ich nirgendwo wirklich was bemängeln. Und all das ist auch der Grund warum ich Castlevania 4 jedes Jahr spiele, anstatt Symphony of the Night. Und versteht mich bloß nicht falsch, denn ich liebe Alucards Metroidvania. Doch ebenso besitzt Symphony of the Night auch wesentlich komplexere Mechaniken. Dadurch eignet es sich nicht wirklich für regelmäßiges Durchspielen. Zumal wir ab einem gewissen Punkt und mit den richtigen Gegenständen ohnehin unbesiegbar sind. Beides sind definitiv großartige Spiele, doch für mich hatte Super Castlevania IV die Nase immer vorne. Doch um die Nacht auch mal langsam zu beenden folgt nun meine abschließende Bewertung:

Vergnügungspark/10

Erinnert ihr euch an euren ersten Besuch im Phantasialand, Europa-Park oder was auch immer? („Hansapark!“ – Martin) Zu Beginn habt ihr euch erstmal den kleinen Achterbahnen versucht, bis ihr euch weiter zu den großen Kalibern vorgewagt habt. Das beschreibt den Verlauf von Castlevania IV am besten, denn das Spiel ist eine reine Achtbahnfahrt. Wir fangen langsam an und steigern das Tempo bis hin zum Finale. Der Anspruch wächst immer weiter, doch wir haben durchgehend Spaß. Selten schaffen es Spiele mich über die Jahre so zu begeistern. Gameplay, Musik, Atmosphäre. Alles ist Spot-On. Der Schwierigkeitsgrad zieht nie zu heftig an und wir lernen im Laufe des Spieles. So lernen wir auch im Leben immer neue Dinge und meistern diese im weiteren Verlauf immer schneller und besser. Ob das etwas zu tiefgründig ist? Wer weiß. Doch Castlevania IV ist rechtmäßiger Titelverteidiger meines jährlichen Halloween-Spiels. Das dürft ihr nun selbstredend als eindeutige Empfehlung an jeden Fan guter Action-Platformer ansehen. Den Grim Reaper find ich allerdings trotzdem doof, sowie alles das debil in der Luft rumfliegt. What were they thinking?!

Gut abgehangen: Der Mode 7-Effekt wird in dieser Szene sinnvoll eingesetzt – © Nintendo, Konami

Martin meint dazu: Jetzt bloooooß nichts Falsches sagen… Castlevania ist ja bekanntermaßen eine Glaubensfrage. Michael hat oben schon das Reizthema Castlevania 4 vs. Symphony of the Night angefasst, und ich mache jetzt noch ein paar Fässer mehr auf. Wer es damals schon zocken konnte steht meistens auf Rondo of Blood. Wer es teuer bei Ebay oder Konsolenkost gekauft hat verteidigt vehement sein Vampire’s Kiss. Ich spiele die alle gerne. Ja ich mag sogar die N64-Teile. Und zwar nicht so halbherzig Guilty Pleasure-mäßig, sondern richtig! Mein absoluter Liebling ist aber der als Castlevania Chronicles für die PS1 neu aufgelegte X68000-Teil. Leveldesign, Anspruch, Überraschungen, Schlauchigkeit – hier stimmt für mich einfach alles. „Welcher Castlevania-Typ bist du? Mach den großen Psychotest!“ – das wäre mal ein cooler Beitrag in der inzwischen leider eingestellten Bravo Screenfun.

Doch zurück zu C4. Ja es ist ein Klassiker und ja ich liebe es auch ganz doll. Es hat seinen Platz unter den 21 auf dem Mini-SNES auch mehr als verdient. Ein paar Kleinigkeiten stören mich dennoch – und du weißt ja ich liebe es auf Kleinigkeiten rumzureiten. Ich finde es sehr schade dass die alte Waffe nicht dropt wenn ich eine neue aufhebe. Dieses Feature wurde erst mit Rondo eingeführt und somit ist es kein echter Kritikpunkt, aber ich vermisse es einfach. Wie oft hab ich mich geärgert wenn ich zu schnell in ein Item reingeprescht bin und meine geliebte Wurfaxt zwangsweise und unwiederbringlich gegen das doofe Messer getauscht wurde. Auch finde ich den Schwierigkeitsgrad nicht ganz so ausgewogen wie Michael. Mir ist das Spiel bis zur 5. Stage eigentlich zu einfach, um dann etwas zu sprunghaft anzusteigen. Ab da kommen einige echt fiese und je nach Sichtweise sogar unfaire Sprungpassagen in’s Spiel – natürlich mit dem Castlevania-typischen Rückschlag wenn du in der Luft getroffen wirst, was dann zum ebenfalls Castevania-typischen Insta-Death führt. Ja ich weiß das ist normal für die Serie. Ich könnte aber besser damit umgehen wenn der Schwierigkeitsgrad sanfter ansteigen würde. Durch den anfänglichen Schongang bin ich „zu entspannt“ wenn diese Stellen kommen. Sind alles Kleinigkeiten, aber ich liebe halt Kleinigkeiten. Fast so sehr wie Castlevania.

Super Castlevnia IV

Wertung: Vergnügungspark/10
Publisher: Konami
Entwickler: Konami
Plattform: SNES, SNES Mini, Virtual Console (Wii, WiiU, New 3DS – Old 3DS nicht)
Preis: 7,99 € (digital), ca. 30 € (loses, gebrauchtes Modul)

die Review-Exemplare wurden selbst gekauft. Alle Screenshots stammen von Nintendo. Sorry für die Auflösung!

Michael

Michael

Aloha! Bin zynisch, selbsternannter Spezialist für japanische Rollenspiele und nie wirklich zu 100 % zufrieden mit dem Gamedesign. Außerdem bin ich hier weil mich keine andere Zeitschrift haben wollte.
Michael

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