Review: Sky Force Reloaded – Der fettige Shmup-Burger

Moderne Spielmechaniken zerstören ein eigentlich solides Game

© Infinite Dreams

Ich kann nicht aufhören das zu spielen. Dieses Spiel fesselt mich stundenlang an die PS4. Dabei fühle ich mich nicht gut und ich habe keinen Spaß. Es nagt sogar ein konstantes schlechtes Gewissen an mir.

Du kennst dieses Gefühl bestimmt. Es ist der bohrende Gedanke dass ich eigentlich Quality Time an meiner Konsole verbringen könnte und müsste. Wie das Gefühl wenn ich ganze Abende mit irgendeiner Free to Play-Kacke verbringe. Ich könnte Reviews schreiben, Zeit mit Freunden verbringen oder wenigstens besser zocken. Es ist gestohlene Zeit. Genau das macht sie besonders.

So gut sichtbar sind die Bullets selten – © Martin Nagel

Ich habe Geld bezahlt und es gibt keine Lootboxen. Und doch schmeißt das Spiel mit F2P-Mechaniken geradezu um sich. Es will mich bei der Stange halten, als wüsste es selbst ganz genau wie dünn und fragil die eigene Spaßblase eigentlich ist. Wöchentliche Herausforderungen? Gerne! Dann ist das Zocken am Sonntag was Besonderes. Doppelte Sterne für die nächsten 15 Minuten? Geil! Dann daddel ich doch noch etwas, obwohl ich eigentlich aufhören wollte.

So verfalle ich in Stunden um Stunden stumpfsinniges Vor-mich-hin-Spielens. „Greasing“ nennt der Amerikaner dieses Verhalten. Das gierige und maßlose Schlingen von fettigen Burgern, Süßkram und allerlei ungesunder Systemgastronomie. Der Geschmackssinn geht dabei verloren, es wird alles eine fettige, eklige, breiige Masse. Wie ein Film von Michael Bay, in dem ja auch immer die gleichen Szenen vorkommen. Sie müssen immer teurer und spektakulärer sein um noch einen Kitzel auszulösen.

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Die Stage-Mechanik verstärkt dieses Problem. Du zockst nicht alle Stages hintereinander wie es sich gehört – du schaltest sie einzeln frei. Dies erfordert dass du eine Stage wieder und wieder spielen musst um Freischaltziele zu erfüllen (Gefangene retten, alles zerstören, unverletzt bleiben). Hast du alle Freischaltziele erfüllt kannst du sie in einem höheren Schwierigkeitsgrad nochmal machen.

Das Problem an dieser Mechanik: Sie fordert nicht von mir dass ich gut bin. Wenn ich sterbe – was oft vorkommt, mein Hirn ist ja in Fettwürste gepackt – dann ist es nie meine Schuld. Ich kann immer sagen dass mein Waffenlevel nicht hoch genug war. Noch ein paar Sterne sammeln, dann kann ich das nächste Upgrade kaufen.

Ein Endboss platzt in tausend Sterne – © Martin Nagel

Gut spielen ist ein Exploit der das Leiden verkürzt, ähnlich wie der Kauf einer Lootbox. Die Freischaltungen kann ich auch exploiten. Etwa indem ich den Flieger mit der schwächeren Rüstung, aber dem höheren Glückswert nehme. Glück bedeutet mehr Karten und somit mehr Freischaltungen. Den Flieger muss ich aber erstmal bauen, mit Teilen die ich wiederum auf Karten finde. Du merkst schon in welche Richtung das führt, oder? Endloser Grind!

Dabei sind Schussmuster und Gegnerformationen eigentlich gar nicht mal so schlecht. Zwar auch meilenweit entfernt von gut, aber eben erträglich. Die Bullets sind gerade noch zu sehen. Eigentlich sind sie zu fitzelig, aber wenn du die Stirnfalte anspannst geht’s schon.

Zeitlich begrenzte Boni sorgen für Motivation – © Martin Nagel

Optik und Sound gehen auch gerade eben so klar. Die Grafik hat diesen milchigweißen Schleier von Billo-Engines wie Unity. Gnädig verdeckt er dass die Texturen gerade so PS2-Niveau erreichen. Dieser Schleier ist inzwischen ebenso allgegenwärtig, so austauschbar wie der Fettglanz der Unreal Engine in jedem Deckungsshooter nach Gears of War 1. Durch ihn sehen Nebel- und Raucheffekte unsagbar langweilig aus.

Der Soundtrack plätschert irgendwo zwischen unaufgeregtem Porno, Fahrstuhl und Kaufhaus. Gerettete Schiffbrüchige (etwa zehn pro Stage, wichtig für Freischaltungen) geben ein krass nerviges „Yeehaw“ von sich.

Eines der besseren Schussmuster – © Martin Nagel

Eigentlich hat sich im Vergleich zum Vorgänger Sky Force Anniversary einiges getan. Es gibt jetzt eine Kommandantin und eine Oberbösewichtin mit brauchbarem Charakterdesign und Voice Acting. Das dröge WW2-Setting ist einem drögen Modern Warfare-Setting gewichen. Bullets und Formationen sind dichter und du kannst mehr Hintergrundobjekte kaputtmachen. Leider sind auch die grindbaren Freischaltungen mehr geworden, was den Fortschritt irgendwie zunichte macht. Die Steuerung ist immer noch dezent schwammig und passt damit zum Spiel. Nach einer Weile gewöhnst du dich dran – passt auch zum Spiel.

Einer der besseren Gags – © Martin Nagel

Hieß es nicht mal dass F2P-Mechaniken richtige Videospiele bereichern können wenn sie sparsam, Sinnvoll und motivationssteigend eingesetzt werden? Hier geht der Schuss nach hinten los. Ein eigentlich solides kleines Shmup wird gestreckt und aufgeblasen bis die Substanz bröckelt. Der nächste Teil der Serie wird wahrscheinlich 60 Euro kosten.

Und trotzdem kann ich nicht aufhören das zu spielen.

Sky Force Reloaded

Wertung: 5/10
Publisher: Infinite Dreams
Entwickler: Infinite Dreams
Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, PC, Switch
Preis: 9,99 € (Download)

Das Review-Exemplar wurde selbst gekauft. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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