Review: Sisters Royale – Bullets und Vorurteil

Alfa System ist wieder da und hat Alfa-Frauen im Gepäck

© Martin Nagel

Heiratswillige Schwestern, viele pinke Kugeln, Thrashtalk ohne Ende und prallgeschnürte Anime-Brüste, welche den Gesetzen von Physik und Gravitation frech ins Gesicht grinsen – Boobsie wurde für dieses Spiel erschaffen!

Kannst du dich noch an Shikigami no Shiro erinnern? Um das Jahr 2000 herum erschienen drei Teile. Der erste für Taitos G-Net-System, der zweite als Naomi-GD, und Teil drei wieder auf Taito-Hardware, der ersten Version des Type X. Vor allem Teil zwei wurde oft und gerne umgesetzt, und gilt bis heute als Höhepunkt der Reihe.

Bei Treffern fliegen die Münzen – © Martin Nagel

Jetzt, fast zwanzig Jahre später, ist die Reihe wieder da – zumindest fast. Entwickler Alfa System meldet sich zurück, mit einem Spiel dass fast als Teil vier durchgehen könnte. Fast deswegen, weil der schwermütige Neo Tokio-Geisterlook über Bord geworfen wurde um einem cuten Halloween-Setting mit ausschließlich weiblichem Cast Platz zu machen.

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Der erste Eindruck passt perfekt zum Eindruck eines vierten Teils. Das ist astreine Dreamcast-Grafik, die dir hier entgegenflimmert. Nun gut, wir sind inzwischen zweieinhalb Konsolengenerationen weiter, und haben das HD-Zeitalter gefühlt schon wieder verlassen. Polygonzähler werden mit diesem Spiel also nicht glücklich.

Die eindrucksvolle Feuerbombe – © Martin Nagel

Super Sonico

Was aber stimmt ist die spielerische Seite. Shikigami no Shiro-Typisch hat jedes der Mädchen zwei Standardattacken – einen recht normalen Schuss, und eine Geisterbeschwörung. Dazu kommt noch eine bildschirmfüllende Bombe. Bei den Schussvarianten ist alles dabei, was der SnS-Fan kennt und liebt. Es gibt den „zielsuchenden“ Geist, der sich automatisch an den nächsten Gegner heftet und bis zu dessen Tod an ihm rumknabbert. Es gibt den kurzen, aber mächtigen Dodonpachistrahl, ebenso wie ein Paar eure Figur umkreisende Energiekugeln. Ebenfalls erhältlich ist der sehr starke, aber enorm risikoreiche „Haftgeist“, für dessen Einsatz du dich in unmittelbare Nähe des Gegners begeben musst. Bist du in der Nähe einer Kugel, verstärkt das deinen Standardschuss. Es darf also wieder reichlich Psyvariar-like gescratcht werden. Mehr Punkte gibt es so außerdem.

Selma in Bedrängnis – © Martin Nagel

Und es gibt wieder Unmengen an Münzen. Killst du einen Gegner mit dem (beim Playstation 4-Pad) auf X liegenden Geisterschuss, werden sie automatisch eingesammelt. Wirst du getroffen, kullern die Münzen auf den Boden wie bei Sonic. Dann hast du einige Sekunden um dir so viele wie möglich wiederzuholen. Automatisches Einsammeln ist hier natürlich nicht. Wie in der Raiden-Serie kannst du außerdem in den Levels versteckte Feen finden. Sammelst du sie ein, so sehen die Schwestern für einige Sekunden bunte Farben und bekommen einen Punktemultiplikator.

Climax! – © Martin Nagel

Heute habe ich leider keine Rose für dich

Warum tun wir das alles? Yashin, Herrscher des Dämonenreiches, sieht knackig aus und hat zehntausend Pfund im Jahr. Das macht ihn zum beliebtesten Junggesellen in der Grafschaft, und somit auch zum Ziel der Heiratspläne von fünf magischen Schwestern. Hast du dich für eine entschieden, so musst du gegen ihre vier Schwestern antreten, welche dir die fette Beute am Traualtar nicht gönnen. Yashin selbst, sichtlich genervt von so viel weiblicher Aufmerksamkeit, gibt schließlich den Endgegner.

Natürlich gibt es ein Happy End im Hochzeitskleid – © Martin Nagel

Die ausufernden Dialoge können weggeklicht und im Optionsmenü sogar ganz abgeschaltet werden. Zumindest einmal solltest du sie dir aber geben. Das Geschreibsel ist höchst amüsant, und geht etwas weiter als du es von Moe-Sprech vielleicht gewohnt bist. Die Schwestern hassen sich zwar, sich aber augenscheinlich zusammen aufgewachsen. So werden allerlei alte Kindergeschichten ausgegraben, vom verlorenen Luftballon bis zum Bettnässen.

Die Schwestern haben viel schmutzige wäche zu waschen – © Martin Nagel

Jede der fünf Schwestern symbolisiert ein Element oder eine Naturkraft. Das spiegelt sich auch im Design ihrer jeweiligen Stage wieder. In Selmas Eiswelt gibt es zahlreiche zugefrorene Seen. Läufst du über das Eis, so wird es rutschig für die kleinen Füße. Die Mädels fliegen nicht, sie laufen wie in Guwange oder Elemental Master. Dementsprechend sind sie auch empfindlich für Bodenunebenheiten. In Nurs Wald-Stage sind Windmühlen aufgestellt, welche dich wegblasen können – mit Pech mitten in eine Kugelwolke hinein. Leider werden diese Umweltgefahren viel zu selten und halbherzig genutzt alsdass sie das Spiel dauerhaft prägen. Hier hätte ich gern mehr und origninellere Einsätze gesehen.

In einer Stage musst du im Dunkeln kämpfen, es sei denn du schießt auf die Lampen – © Martin Nagel

Easy Mode!

Spielst du auf Easy, so wirst du als Shmup-Profi butterweich durchkommen. Mit ist nach zwei oder drei Versuchen bereits der 1LC gelungen. Das ist durchaus gewollt. Naoki Suda, Alfa System-Urgestein und Designer des Spiels, verrät im Interview mit der Zeitschrift M-Games dass er mit Sisters Royale die alte Zugänglichkeit des Genres wiederherstellen und es wieder mehr dem Massenmarkt öffnen möchte. Dabei helfen auch allerlei freispielbare Ex-Options wie verkleinerbare Kugeln und eine einstellbare Zeitlupe, wenn dir eine Bullet zu nahe kommt. Auf den höheren Stufen wird dir aber eine anständige Herausforderung geboten.

In den Ex Options kannst du dir das Spiel leichter oder schwerer machen. Tate gibt es selbstverständlich auch – © Martin Nagel

Und die Patterns sind wieder vom Feinsten!  Kugelwolken entfalten sich vor dir, fächern  sich in zweite und dritte Muster just dann wenn du sie verstanden hast. Große Sichelförmige Schüsse kehren wie ein Bumerang zum Gegner zurück, wenn du dich gerade in Sicherheit geglaubt hast. Auf der schweren Stufe stehen zusätzliche Schatztruhen mit Goldmünzen herum, die unendlich Taler ausspucken wenn du auf sie feuerst – nur finde erstmal die Zeit und den Platz! Und hier haben die Bosse auch zusätzliche Laser, die genau auf die Lücken im Kugelteppich zielen – fies!

Thank you for making the game! Und bitte wartet nicht wieder zwölf Jahre – © Martin Nagel

Zur Neun fehlt mir dann doch der letzte Kick. Etwas mehr Schwung im Spielablauf, eine bessere Nutzung des Untergrundes, und ein knackigerer Soundtrack. der ist nämlich die meiste Zeit über etwas lahm und wenig treibend. Für 13 Euro bekommst du aber eine weit überdurchschnittliche Bullethell-Erfahrung und reichlich Mädels. Im asiatischen Raum bekommst du Sisters Royale auch als PS4-Disk. Im Februar bringt Strictly Limited Games eine – natürlich streng limitierte – europäische Retail-Fassung auch für Switch.

Sisters Royale

Wertung: 8,5/10
Publisher: Chorus Worldwide
Entwickler:
Alfa System
Plattform: PS4, Switch, Steam
Preis: 13,99 € (PS4), 12,99 (Switch)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key vom Publisher Chorus Worldwide zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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