Review: Shooty Skies Overdrive – What the…?

© Mighty Games Group

Müssen Bullethell-Shooter eigentlich immer in 2D sein? Natürlich nicht! Immerhin hat unser Lieblingsgenre seine Wurzeln in der Innovation. Anfang der Neunziger holte es das Spielhallen-Shmup aus der Stagnation, nachdem seit R-Type eigentlich nichts Bahnbrechendes mehr passiert war. Nun erobern die pinken Kugeln also auch den VR-Raum.

Zugegeben, auch ich habe einige Zeit gebraucht um mich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Als sich der Wave-Shooter Blasters of the Universe frech als Bullethell bezeichnete, mochte ich das nicht recht wahrhaben und skandierte, dass das „Wahre Bullethell“ eben in 2D stattfindet und im Idealfall in einer Cave-Platine wohnt. Nun durfte ich aber Shooty Skies Overdrive spielen, und bin voll und ganz überzeugt.

Nein, das bin nicht ich – © Mighty Games Group

Shooty Skies, ohne Overdrive, ist eines von viele, vielen Free to Play-Shmups, die du dir für iOS und Android runterladen kannst. Das Spiel sieht fresh aus, tötet dich aber schnell und unfair durch unübersichtliche Kugelwolken und eine viel zu große Hitbox. Das soll wohl so sein, schließlich wollen F2P-Games nicht deinen Skill belohnen, sondern dich lediglich zum Geldausgeben und Werbung schauen motivieren.

Nun hat sich Entwickler Mighty Games Group aber an ein „großes“ Spiel gewagt, und das auch gleich in VR. Setting und Verrücktheit sind gleich geblieben. So schießt du dich etwa durch eine Tron-Welt, eine japanische Shopping-Mall oder ein bonbonbuntes Süßigkeiten-Land, welches an den Mario Kart-Verschnitt aus dem Film Wreck it Ralph erinnert.

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Dabei fliegt dir allerhand Zeug an den Kopf. Gameboys, Tetris-Blöcke, Atari-Joysticks, Bonbons, Eis am Stiel, Kettensägen… all das wabert im pixeligen Minecraft-Look auf dich zu. Dabei ist nicht dein Kopf verwundbar, wie du es vielleicht aus vorherigen Wave-Shootern kennst. Stattdessen kann nur deine in der rechten Hand gehaltene Knarre getroffen werden (ein Linkshändermodus fehlt leider).

Dieser kleiner Trick ermöglicht es dem Spiel, die Bullet-Anzahl im Vergleich zu anderen Wave-Shootern deutlich hochzuschrauben. Mit dem kleinen, feuernden Flugzeug in der Hand hast du eine deutlich schnellere, mobilere und kleinere Hitbox, und das nutzt das Spiel. Du musst den kleinen Flieger durch enge Lücken quetschen und wild über den Bildschirm wischen, wenn sich auf der anderen Seite eine Lücke auftut. Viele Bullets steuern den Handflieger direkt an, sodass du sie steuern kannst. Ich habe mich oft bei wilden Manövern erwischt. Oft habe ich die Knarre auch quer gehalten wie ein cooler Rapper, und über den Kugelteppich hinweggeschossen.

Die für Mixed Reality-Videos bekannte Youtuberin Naysy konnte als Titel-Girl gewonnen werden – © Mighty Games Group

Dabei feuert dein Eisen automatisch, wenn sich ein Ziel in der Schussbahn befindet. Das hat sich zunächst etwas befremdlich angefühlt („Hey ich schieße hier, ich will die Kontrolle haben!). Schnell wurde es aber zum enorm hilfreichen Feature, welches viel Arbeit abnimmt und den Triggerfinger echt entspannt.

Und was macht die linke Hand? Hier fliegen in schneller Folge Extras auf dich zu, die du für wenige Sekunden nutzen kannst. Hier gibt es eine zweite Knarre, den aus anderen Waveshootern bekannten Schild, eine Mini-Bombe und eine ausfahrbare Nahkampfattacke, die in jeder Stage anders aussieht. In der Tron-Welt kriegst du ein riesiges Jojo, in der Horror-Stage eine Kettensäge. Mein Highlight ist der Staubsauger, der für kurze Zeit alle Bullets in seinen gierigen Rachen saugt.

Naysy im Süßigkeitenland – © Mighty Games Group

Das Spiel bietet fünf Umgebungen, wobei die letzte für den finalen Bosskampf reserviert ist. Jede Umgebung bietet drei Wellen, an deren Ende jeweils zwischengespeichert wird und dir das Spiel ein Upgrade für deine Feuerkraft schenkt. Dabei hast du ganz Arcade-Style drei Leben, welche dir direkt an deiner Knarre angezeigt werden. Stirbst du am Checkpoint, so werden dir – ebenfalls Arcade-Style – die verlorenen Power-Ups geschenkt.

Die fünf Stages hast du an einem Nachmittag gesehen. Jedoch wirst du nur dann zum True Last Boss vorgelassen, wenn du eine Anzahl Mini-Missionen absolviert hast. Darüber schaltest du weitere Handkanonen frei. Diese haben wieder coole Designs wie Kätzchen im Doppeldecker, superdeformed Giger-Aliens, kleine Toaster oder Eiswagen, alle mit eigenen Soundeffekten. Und sie bringen einen Hauch Taktik mit ins Spiel. Dein kleiner Shooting-Freund bestimmt nämlich die Wahrscheinlichkeit, mit der du welches Extra bekommst. Stehst du mehr auf den Schild, bekommst aber andauernd den Staubsauger? Tausch mal dein Hand-Pokémon aus!

Totenschädel, die Lava kotzen – da jubelt der Metalhead – © Mighty Games Group

Shooty Skies Overdrive ist ein wirklich überwältigendes Erlebnis, jedes Mal wenn ich das Headset aufsetze. Die schiere Masse an Sinneseindrücken, die sich kreisend, wabernd, neonfarben auf mich zubewegt, erinnert mich frappierend an meine erste Runde Mushihimesama am Automaten. Dieses Gefühl von leuchtenden Pixeln, die mich quasi direkt anspringen, es wurde perfekt eingefangen und in VR transpoeriert.

Zu bemängeln gibt es nur Kleinigkeiten. So ist etwa das Tracking der Linkshand-Waffen nicht ideal. Auch sehen Bombe und Staubsauger etwas zu gleich aus, sodass du sie schnell verwechselst wenn du im Gefechtseifer nur einen Augenwinkel erübrigen kannst. Auch bringen die Mini-Missionen nicht so viel Abwechslung in das Spiel wie sie könnten. Töte 15 Plasma-TVs, blocke 300 Kugeln, überlebe 400 Sekunden, töte 30 Gegner mit dem Jojo – es läuft eigentlich immer darauf hinaus, den Level irgendwie durchzuspielen, wobei nur minimale Änderungen deines Spielstils verlangt werden. Auch fehlt es dem Score-System an Tiefe, wodurch etwas Langzeitmotivation verlorengeht. Für nen flotten Zehner finde ich das Gebotene aber mehr als okay. Dafür gibt es drei Schwierigkeitsgrade, von denen der höchste wirklich Bullethell bietet – mit Betonung auf Hell.

Shooty Skies Overdrive

Wertung: 8,5/10
Publisher: Mighty Games Group
Entwickler:
Mighty Games Group
Plattform: Oculus Rift/Quest, Steam-VR
Preis: 9,99 (Oculus Rift/Quest mit Crossbuy), 9,99 (Steam-PC, VR-Headset benötigt)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key vom Publisher Mighty Games Group zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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