Review: Shin Megami Tensei III Nocturne – Fresh Goodness!

Wer Atlus und RPG in einem Satz nennt der denkt im Jahr 2021 wahrscheinlich an eine Reihe: Persona. Doch wie nicht alle wissen, entstand die Persona Reihe als Spin-Off eines ganz anderen Franchises: SHIN MEGAMI TENSEI oder unter Fans auch kurz als MegaTen abgekürzt. Mir ging es bis vor kurzem auch so. Abgesehen von ein paar Youtuber Videos zu der Reihe, hatte ich bis vor wenigen Tagen noch keinerlei Erfahrung mit einem MegaTen Game. Umso mehr freute ich mich aber bereits seit der Ankündigung auf das nun hier vorliegende Spiel: Shin Megami Tensei III: Nocturne. Also ohne weitere Umschweife ab in die Review, ok?

18 Jahre alt und immer noch gut

Nach einer ominösen Cutscene finden wir uns in den Schuhen unseres Helden wieder. Angekommen an der U-Bahn Station heißt unser Ziel das örtliche Krankenhaus, in welchem wir unsere Lehrerin besuchen wollen. Doch wie so oft, geht hier nichts nach Plan und urplötzlich geht die Welt unter. Im Halbschlaf sehen wir eine alte Frau und ein kleines Kind über uns stehen und bekommen einen merkwürdigen Parasiten verabreicht. Aus uns ist ein Demi-Fiend (halb Mensch, halb Dämon) geworden und wir befinden uns im apokalyptischen, durch eine Vortex, verzogenen Tokyo wieder. Im Kampf gegen Dämonen, Engel, Gott und allem was dazwischen liegt, suchen wir nach einem Ausweg, einer Erklärung und einem Ziel.

Wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, ist die Story von Nocturne alles andere als Standard Fantasy / RPG Kram. Wer Spiele wie Bloodborne für seine Atmosphäre und kryptische Story geliebt hat, wird hier schnell feststellen, dass bereits lange vor diesem Meilenstein schon andere Games diesen Weg gegangen sind. Durch Unterhaltungen mit Seelen bekommt man an jeder Ecke kleine Infohappen spendiert und stückelt sich so die Geschichte teilweise selber zusammen. Nichts desto trotz enthält Nocturne immer wieder coole Cutscenes und teilweise ausführliche Dialoge mit NPCs, die etwas mehr Licht ins Dunkel bringen können.

Doch gehen wir einmal weg von der Story und hin zum Gameplay. Hier bietet Nocturne eine Vielzahl von verschiedenen Elementen und ich versuche euch diese so knapp und verständlich wie möglich zu vermitteln. Fangen wir bei den Kämpfen an, in jedem Areal warten Random Encounter auf euch. Durch ein kleines Radar in der unteren rechten Ecke seht ihr, wie aggressiv die Monster um euch sind. Angefangen bei weiß, über gelb bis hin zu rot. Doch mir ist es immer wieder passiert, dass ich von einem Encounter direkt in den nächsten geworfen wurde. Das sorgt für eine immense Anspannung, da jeder Encounter euren Tod bedeuten könnte. Warum fragt ihr euch vielleicht? Ganz einfach, das Zauberwort heißt Press-Turn-Combat-System. Wie in den meisten RPGs, bekommen wir es mit einem rundenbasierten Kampfsystem zu tun. Das heißt erst ist eure Party dran, dann der Gegner und vice versa. Doch der Knackpunkt ist eben jenes Press-Turn System. Das heißt, nutzt ihr die Schwäche des Gegners aus (z.B. durch die richtige Magie) dann wird euch nicht ein ganzer Zug berechnet, sondern nur ein halber. Dies wird durch kleine Monsterköpfe im oberen rechten Bereich dargestellt. Diese fangen, nach erfolgreichen Ausnutzen, an zu vibrieren und so könnt ihr extrem viel Schaden in einer Runde austeilen. Doch das gleiche gilt auch für die Gegner! Auch das Gegenteil kann passieren, schlägt euer Kämpfer etwa daneben, dann kann es dazu führen, dass ihr zwei Aktionen verliert oder wenn der Gegner eurem Angriff sogar widersteht, dann verliert ihr sogar alle eure Züge. Auch dieses System findet beim Gegner Anwendung. Dadurch wird jeder Encounter zu einem spannenden  Gefecht und schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad werdet ihr öfter den Game Over Screen sehen, als euch lieb ist.

Als nächstes möchte ich auf eure Party eingehen. Zu Beginn seit ihr lediglich allein unterwegs. Doch recht schnell begegnet ihr eurem ersten Gegner. Hier habt ihr nun die Option mit dem Gegner zu sprechen. Diese Funktion habe ich erst sehr spät entdeckt, da ich durch das Game nicht darauf aufmerksam gemacht wurde. Das ist dann wohl als early 2000 Game Design zu bezeichnen und das meine ich keinesfalls negativ. Ist es bei den modernen Games inzwischen Gang und Gebe, dass einem das Spiel erstmal 2 Stunden lang Tutorials um die Ohren wirft, da geht Nocturne eben altbekannte Wege und das fühlt sich 2021 noch genauso gut an, wie damals. Daher freute ich mich umso mehr, als ich den „Talk“ Button durch das Betätigen des rechten Steuerkreuzes fand. Nun konnte ich mit den Monstern reden. Anders als beispielsweise in Persona 5 kann ich das auch schon direkt zu Beginn eines Kampfes machen und versuchen, die Gegner auf meine Seite zu bekommen. Was einige vielleicht nicht wissen ist, dass SMT lange vor Pokémon damit angefangen hat, dass man seine eigenen „Monster“ rekrutieren konnte und so fühlt sich Nocturne abseits der Story auch in dem Party Management, wie ein düsteres Pokémon an. Oder soll ich vielleicht lieber sagen, das Pokémon die kindliche SMT Version ist? Maybe 😊

Habe ich dann eine Party aus abartigen Monstern erstellt geht es in bester RPG Manier mit dem aufleveln weiter. Was schnell auffällt ist, dass sich zwar der Hauptcharakter relativ schnell leveln lässt, was auch bitter nötig ist, die Monster aber nach ein paar Leveln immer mehr XP brauchen und so vom Demi-Fiend immer mehr abgehängt werden. Da ist guter Rat teuer, oder? Nicht ganz, denn in jeder Stadt und in manchen Dungeons könnt ihr auf eine Schattenkathedrale stoßen. Hier könnt ihr, ganz wie im Velvet Room in der Persona Reihe, eure Monster fusionieren und ich kann nur eins sagen: MACHT DAS! Ohne diese Fusionen wird das Game nur unnötig schwierig. Als Pokémon Fan war das für mich zunächst sehr merkwürdig, levele ich dort doch meine liebgewonnenen Monster immer mit mir auf und tausche diese nur sehr ungern aus. Doch in Nocturne bin ich fast schon dazu gezwungen mit allen, mir zur Verfügung stehenden Mitteln, kampffähig zu bleiben. Bei den Fusionen könnt ihr zudem Attacken kombinieren. Habt ihr zum Beispiel ein Monster das eine Eis-Attacke beherrscht und ein anderes das eine Feuer-Attacke kennt, dann kann das fusionierte Monster durch den Druck auf den X-Knopf (Switch) jede Attacke von beiden Monstern übernehmen. Dabei müsst ihr bedenken, dass es immer nur eine vorgegebene Zahl an „Erst-„Attacken durch die Fusion erhält. Daher solltet ihr euch genau überlegen, was ihr mitnehmen wollt.

Habt ihr dann ein super Truppe aufgestellt, solltet ihr euch den Demi-Fiend genauer anschauen. Erinnert ihr euch an den ekelhaften Parasiten vom Anfang? Durch diesen können wir sogenannte „Magatamas“ in uns aufnehmen, welche uns unterschiedliche Stärken / Schwächen und Stat-Boni geben. Je nach Magatama kann der Demi-Fiend bei einem Level-Up auch neue Attacken lernen. Das Kombinieren der einzelnen Magatamas ist wirklich unerlässlich, damit ihr einigermaßen problemlos durch das Game kommt. An dieser Stelle möchte ich meine Info von vorher aufgreifen. Wie ich euch bereits erzählt habe, kann jeder Encounter der sichere Tod für euch bedeuten und das liegt einzig und allein daran, dass ihr sofort verliert wenn euer Demi-Fiend stirbt. Dabei ist es egal, ob ihr noch 3 Monster auf dem Feld habt oder nicht. Demi-Fiend tot = Game Over. Besonders dank fieser Instand-Death Moves, welche ihr auch selber lernen könnt, ist dadurch jeder Angriff wirklich gefährlich. Ständiges Speichern ist daher unerlässlich, doch hier zeigt sich leider die Schattenseite des Early-2000 Game Designs. Denn speichern könnt ihr nur an vorgegebenen Speicher-Orten, welche zeitgleich auch als Schnellreise Funktion genutzt werden. Nach ca. 6 Spielstunden trefft ihr dann auch auf euren ersten „Fiend“, also einem Superdämon, der im Internet für eine Vielzahl von Unmut gesorgt hat. Ohne zu viel zu spoilern, denn dieses Game lebt von seiner Unvorhersehbarkeit, kann ich euch nur sagen, dass sich hier wirklich die Spreu vom Weizen trennen wird. Selbst mit ordentlichem Grinding und dem richtigen Magatama, war der Fight auf Normal eine ordentliche Herausforderung. Doch umso besser fühlte ich mich, als er endlich besiegt war. Und genau das ist es, was Nocturne, wie auch andere Vertreter dieser bockschweren Games-Kategorie (ala Soulsborne), so befriedigend machen. Hat man dann endlich die Herausforderung geschafft, fühlt man sich wie der King, nur um wenig später vor der nächsten Wand zu stehen.

Abschließend möchte ich noch ein wenig auf das neue HD-Remaster eingehen. Neben aufgebohrter Grafik und schnellen Ladezeiten (auch auf der Switch) macht das Remaster einen ordentlichen Job. Leider kommt es bei vielen Effekte doch immer wieder zu ordentlichem Slowdown. Dies passiert meist in Cutscenes, wie beispielsweise im ersten Fiend Fight. Da ich diesen einige Male machen musste, kann ich bestätigen, dass dieser Slowdown sowohl im Handheld, als auch im TV Modus der Switch auftritt. Nicht weiter schlimm, aber sehr unschön. Der Day-One Patch, welcher zum Zeitpunkt der Review noch nicht online war, könnte hier ggf. für Besserung sorgen, da dieses Problem bereits in der japanischen Fassung vorhanden war. Der Soundtrack ist ohnehin ein Ohrenschmaus und gilt nicht zu Unrecht, zu einem der besten in der gesamten Reihe. Sogar ohne Game funktioniert dieser und lässt sich entspannt zum schreiben (wie ich es gerade jetzt tue) anhören. Und auch wenn das Game keine Schnellspeichern Funktion spendiert bekommen hat, könnt ihr doch einen einzigen „Suspend“-Speicherstand erzeugen, welcher automatisch dort erzeugt wird, wo ihr das Spiel beendet. Nachdem ihr dann das Game neugestartet habt, seht ihr eine „Continue“ Funktion, welche euch einmalig (!) zurück an den letzten Punkt im Game bringt. Zusätzlich könnt ihr auf der Plattform eurer Wahl auch einige DLCs erwerben, wie beispielsweise Dante aus DMC oder zwei neue Levels, welcher aber zum Zeitpunkt der Review noch nicht bereitstanden. Auch einen extra leichten Schwierigkeitsgrad könnt ihr kostenlos runterladen, was bei Nocturne aber immer noch eine große Herausforderung sein dürfte.

Fazit: Shin Megami Tensei III: Nocturne ist auch heute noch ein wahres Brett von einem Game. Dank neuer HD-Optik, sowie brachial-hartem Gameplay sollten sowohl Fans, als auch Neulinge diesem Remaster eine Chance geben. Mit einer Spieldauer von ca. 70-90 Stunden bekommt ihr hier wirklich viel (knallhartes) Game für euer Geld und wer auf düstere RPGs steht, wird hier vielleicht sogar einen neuen Liebling finden!

Shin Megami Tensei III Nocturne wurde erstmals 2003 für die Playstation 3 veröffentlicht. Das hier getestete HD-Remaster enthält erstmals (hervorragende) englische Sprachausgabe. So mancher ebenfalls aus der Persona-Reihe bekannte Sprecher ist hier zu hören.

Shin Megami Tensei III Nocturne

Wertung: 9/10
Publisher: Atlus
Entwickler:
Atlus
Plattform: PS4, Switch
Preis: 49,99, 69,99(
PS4 Download, Steam Download, auch als Deluxe-Edition mit digitalen Extras wie einem Easy Mode, Retailfassung), 49,99 (Switch Download, Retailfassung)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Atlus zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt und stammen von der Switch-Version.

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