Review: Shadow of the Colossus 2018 – Ecken und Kanten in HD

© Martin Nagel

Was haben Ico, Shadow of the Colossus und The Last Guardian gemeinsam? Davon abgesehen dass alle von Team Ico entwickelt wurden stehen sie alle für moderne Erzählkunst und eine einzigartige Präsentation, die für ein Videospiel äußerst ungewöhnlich erscheinen mag. Am prägnantesten jedoch hat sich Shadow of the Colossus in der modernen Videospielgeschichte etabliert.

Kaum ein anderes Spiel wird öfters für seine Geschichte, seine Welt und vor allem den inneren Konflikt, den es im Spieler auslösen soll, gelobt. 2005 auf den Markt gebracht, hat es nun inzwischen das 2. Remake bekommen. Ob sich das Spiel im Laufe der letzten 13 Jahre wirklich so gut halten konnte?

Die Geschichte ist schnell zusammengefasst. Wir steuern einen jungen Prinzen, der ins verbotene Land reist um seine Geliebte zurück ins Leben zu holen. Die Prophezeiung sagt dass es dort eine Möglichkeit gäbe sie zu retten. Dort angekommen wird uns die Aufgabe zuteil 16 Kolosse zu töten. Also schnappen wir uns Schwert, Bogen und unser treues Pferd und machen uns auf.

Prinzessin Schönchen: wegen ihr machen wir das alles – © Martin Nagel

Die Geschichte ist sehr minimal gehalten. Wir bekommen kaum Zwischensequenzen in denen uns ewig lange was erklärt wird oder setzen uns großartig Dialogen aus. Das gesamte Spielgeschehen besteht darin von Koloss zu Koloss zu reiten um diesen dann zu töten. Die eigentliche Handlung hingegen spielt sich im Kopf des Spielers ab. Warum jagen wir die Kolosse? Ist es wirklich gerecht Lebewesen für einen egoistischen Zweck zu töten? Sind wir hier noch der Held? Das alles sind Fragen, welche sich im Kopf abspielen sollten. Das funktioniert tatsächlich äußerst gut und sorgt für Unmut, der anders funktioniert und nicht das gewohnte Belohnungsgefühl auslöst.

Eine wahre Belohnung hingegen ist die Optik. Meine Güte kann 2018 klasse aussehen! Ja, es stimmt schon; die Welt hat keinen hohe Detailgrad. Aber die Lichteffekte, die Wälder und auch die Ruinen sind sehr schön anzusehen. Durch den neuen Grafikstandard wirkt die Welt und die Animationen der Kolosse wesentlich lebendiger.
Das Spiel war 2005 eine Wucht und das Remake lässt es in neuem Glanz erstrahlen. Auf der Playstation Pro hast du zusätzlich die Wahl zwischen dem Kinomodus oder dem Performance-Modus, durch den sogar 60 FPS möglich werden.

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An der Musik hingegen hat sich nicht viel getan. Sie fühlt sich vom Klang etwas intensiver an, aber auch hier untermalt sie die Atmosphäre. Während du durch die Welt reitest ist die Musik eher still. Sobald du im Kampf bist wird sie sehr schnell aufbrausend und gefährlich. Kurz und knapp so wie es sein soll. Aber warum auch etwas verändern was von Anfang an funktioniert hat.

Das ist auch das Stichwort beim Gameplay. Denn das hat sich ungefähr so viel verändert wie ein Stein, den du für 13 Jahre in einer Kiste wegsperrst mit der Erwartungshaltung einen Diamanten zu erhalten. Das müssen sich auch die Entwickler gedacht haben, denn die Steuerung ist nahezu identisch zu damals. Was sicherlich nicht schlimm wäre, wenn das Spiel sich nicht wie besagter Stein steuern würde. Sei es der Fakt dass dein Charakter die R2-Taste gedrückt halten soll um sich an Wänden festzuhalten, oder dass er sein Pferd auf eine sehr unkonventionelle Art steuert. Sicher, auf Grund des Gameplays funktioniert das nicht anders – aber wenn es doch wenigstens ordentlich funktionieren würde!

 

Weite und Einsamkeit – © Martin Nagel

Nochmal ganz kurz wie das ganze aufgebaut ist. Du bekommst gesagt wo ein Koloss ist, reitest da hin und bekämpfst den Koloss. Der Kampf gegen den Giganten ist im Prinzip das Level an sich, aber zugleich auch der Endgegner. Das ist ein Ansatz der mir sehr gut gefallen hat. Zunächst versuchst du die Schwachpunkte des Kolosses ausfindig zu machen, um ihn dann im späteren Kampfverlauf besiegen zu können. Diese Rechnung geht auf dem Papier wundervoll auf – jedoch macht die Steuerung da wirklich einen guten Strich durch die Rechnung. Wenn ich zum fünften Mal von einem Koloss falle, weil das Spiel sich entschieden hat dass ich meine Hände nicht genug verkrampft habe, dann nervt es einfach. Davon abgesehen sind die Lösungsansätze hier und da etwas fragwürdig und nicht immer ganz ersichtlich. Ein Spiel sollte niemals auf Grund der schlechten Steuerung fordernd sein. Das man daran nicht gearbeitet hat ist sehr schade, da das Spiel eine wirklich fesselnde Welt aufbaut und sehr viele gute Ansätze verfolgt die auch heutzutage noch wunderbar funktionieren.

Alles in allem ist Shadow of the Colossus dasselbe Spiel welches es vor 13 Jahren schon war. Ein modernes Märchen, das mit sehr guter Präsentation, sehr schöner Optik und einem wundervollen Soundtrack punkten kann.  Das man an der Steuerung nicht gearbeitet hat ist leider sehr schade, denn hier wäre sehr viel mehr drin gewesen. Das Grundgerüst funktioniert ja. Trotzdem sicher einen Blick wert für Neueinsteiger, aber auch alte Fans dürften dem ganzen mit ruhigem Gewissen eine Chance geben.

Voll am Arsch! – © Martin Nagel

Martin meint dazu: Shadow of the Klops ist auch heute noch ein Meisterwerk und meine erste Adresse in der Argumentationskette warum Videospiele Kunst sind. Das Remake schafft es die epische Wucht des Klassikers sogar noch zu verstärken. Schade dass das nicht auch mit Steuerung und Kamera klappt. Sicher, ich verstehe was die Programmierer damals damit erreichen wollten. Das Spiel sollte einen fordernden Schwierigkeitsgrad bekommen, für den die Kolosse allein nicht sorgen konnten. Sorry, aber für mich ist das ein Designfehler. Schwierigkeitsgrad sollte immer aus dem Leveldesign erwachsen, niemals aus einer absichtlich verschlechterten Steuerung – jawohl, Outzone, ich schaue dich gerade ganz scharf an! Warum wird dieser Wahnsinn also bis heute beibehalten? Jedes bessere Remake überarbeitet Steuerung und Kamera! Manchmal kommen sogar noch neue Kameraoptionen hinzu, siehe Zelda Majoras Mask 3D. Und: Die Videospielwelt hat sich in den letzten 13 Jahren drastisch verändert. Wir leben in Zeiten des Walking Simulators. Es gibt diese Clicker-Games die sich selbst spielen und nur alle paar Tage die Kontrolle eines menschlichen Spielers brauchen. Der Schwierigkeitsgrad ist de Facto abgeschafft. Warum also nicht die Scharten von damals auswetzen und das Game auch spielerisch zu dem Genuss machen, dass es audiovisuell schon ist? Das Spiel würde dadurch so unglaublich gewinnen! Die alte Kack-Kamera kann ja trotzdem angeboten werden, als Retromodus für die Puristen. Notfalls noch mit einer Goldtrophäe als Belohnung verziert. So wie es jetzt ist wirkt das Spiel noch mehr aus der Zeit gefallen als es damals schon war. Verstärkt das seinen Effekt als Kunstwerk? Anyway, ich hoffe dass sich für das unausweichliche UltraHD-Remake auf der PS5 endlich mal jemand die Kamera vornimmt.

Shadow of the Colossus

Wertung: Ein mit Gold umwickelter Stein
Publisher: Sony Computer Entertainment
Entwickler: Team Ico, Bluepoint Games (Remake)
Plattform: PS4
Preis: 39,99 € (Retail und Download)

Das Review-Exemplar wurde selbst gekauft. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

 

Michael

Michael

Aloha! Bin zynisch, selbsternannter Spezialist für japanische Rollenspiele und nie wirklich zu 100 % zufrieden mit dem Gamedesign. Außerdem bin ich hier weil mich keine andere Zeitschrift haben wollte.
Michael

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