Review: Senran Kagura Peach Ball – Multiball!

© Martin Nagel

Zu Anfang dieses Reviews möchte ich eine Lanze brechen. Eine Lanze für Videospiele als Kulturgut. Ja, wir dürfen inzwischen Hakenkreuze haben. Aber trotzdem klafft noch ein gewaltiger Canyon der Bedeutung zwischen Game, Buch und Film. Eines dürfen Videospiele heutzutage nämlich noch nicht – auch mal richtig sexy sein.

Eine typisch japanische Arcade – © Martin Nagel

Bigotterie

Games wie Senran Kagura werden selbst heutzutage nämlich noch massv angefeindet. Von Leuten die vorher dutzende virtuelle Menschen in der letzten Call of Duty-Partie umgebracht haben, und selbst von Branchen-Insidern. Warum ist das so? Meine Erklärung ist, dass virtueller Sex einfach noch zu neu ist. Klar gibt es Leisure Suit Larry, aber Adventures haben seit jeher eine Sonderstellung als „Erwachsenenunterhaltung“. Und sicherlich gab es vereinzelte Entgleisungen Marke Custers Revenge. Viel mehr gab es da aber nicht. Erst in den letzten Jahren versuchten David Cage und die Bioware-Rollenspiele, halbwegs geschmackvolle Sexszenen auch im Mainstream zu etablieren – und scheiterten grandios.

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Ich glaube, dass der Virtuelle Sex heute da steht, wo die Gewaltverherrlichung vor zwanzig Jahren stand. 3D war neu, spritzendes Blut war neu, die Egoperspektive war neu. Die Gewalt wurde diskutiert, etabliert, wir gewöhnten uns schließlich an sie. Diesen Weg müssen die Sexspiele noch gehen. Schließlich sind die Sauereien der Senran Kagura-Reihe auch im Anime- und Mangabereich eher harmlos. Gegen die Videospiele laufen die Sittenwächter aber Sturm, und es hagelt regelmäßig 18er-Freigaben. Dieses Review dient also zur Aufklärung. Nennt mich Martin Sommer.

Furry-Attack! – © Martin Nagel

Werdet endlich erwachsen!

Zunächst ein verschämter Blick auf die Story. Die Mädels entspannen in der örtlichen Arcade, da trifft sie der Fluch des bösen Magiers… – ich habe ehrlich gesagt vergessen wie der Typ heißt. Ich merke mir bei solchen Games nur die Namen der Mädels, wenn überhaupt. Jedenfalls, der Typ da verwandelt die Senran Kagura-Crew in niedliche Furries. Komplett mit allerlei animalischen Gelüsten, die zu den üblichen, leicht verfänglichen Situationen führen, für die die Serie bekannt und beliebt ist.

Der Ball des Schicksals – © Martin Nagel

Um die Mädchen zurückzuverwandeln brauchen wir den titelgebenden Peach Ball. Damit seine Magie wirken kann, müssen Mädel und Ball in Schwingungen versetzt werden. Das geht am besten auf einer Flippermaschine.

Klingt gewollt, hirnrissig und gewollt-hirnrissig. Und das ist es auch. Die Senran Kagura-Serie badet lustvoll in ihren selbstgeschaffenen Klischees, und nimmt sich dabei zu keiner Zeit selbst ernst. Wenn du auf diesen Humor stehst, dann wirst du wieder mal glänzend bedient. Wenn nicht, dann wirst du wohl nur verständnislos den Kopf schütteln.

Wir müssen leider auch mal das Spielfeld zeigen – © Martin Nagel

Die Bälle tanzen lassen

Was ist das Wichtigste an normalen Flippergames? Natürlich Ballphysik und Tischdesign. Hier gilt diese Regel natürlich nicht. Von einem Senran Kagura-Teil wollen wir Schlüpfrigkeiten, Anzüglichkeiten, niedliche Bilder und Tonnenweise Fanservice. Trotzdem tue ich mal einen Blick unter die Haube – weil das ja doch irgendwie wichtig ist.

Das Tischdesign ist top. Sie sind vollgepackt mit Gimmicks, und gleichzeitig sind die Lanes lang genug dass der Ball auch mal laufen kann und du eine Millisekunde entspannen kannst. Diese Aufgeräumtheit ist es, die Flippertische wie Medieval Madness oder Attack fom Mars heute zu gesuchten und teuren Sammlerstücken macht.

auf dem Weg zu einem Bonus-Event – © Martin Nagel

Über dem Tisch thront und räkelt sich das Furry-Mädchen, und manchmal greift sie auch direkt in das Spiel ein. Da musst du die Pfoten angreifen oder Bauchi kitzeln. Auch gibt es die aus Pokémon Pinball und anderen Videospielflippern bekannten Sonderebenen und Minispiele. Dort musst du verhindern dass der Ball die Plattform verlässt, oder unter Zeitdruck Ziele abräumen. Stilecht heißen die Dinger „Sexy Challenges“.

Mit der Ballphysik (Pun sowas von intended) bin ich allerdings nicht ganz zufrieden. Es fehlt mir einfach die nötige Präzision. „Ernste“ Flippersimulationen wie Pinball FX3 oder die Williams Pinball Classics kriegen das einfach besser hin. Mit etwas Übung macht der Ball zwar was er soll, aber es fehlt immer das letzte Bisschen Kontrolle.

We Te Ef??? auch andere W-Fragen fallen mir ein – © Martin Nagel

Diese fehlende Kontrolle ist es dann leider auch, die den Pfirsichball eine höhere Wertung kostet. Letztendlich muss ich es dann doch als Flipperspiel bewerten, bei dem die Erotik „eigentlich“ nur Beiwerk ist. Durch die schwache Ballphysik fühlt es sich aber so an, als wäre der Fanservice der Hauptteil und die Flippersequenzen nur kleine Unterbrechungen mit Minispielcharakter. Es wirkt fast als wolle der Peach Ball selbst nicht in die Riege der „großen“ Flippersimulationen aufgenommen werden. Sehr schade, denn etwas mehr Selbstbewusstsein würde gerade einem Sexspielchen richtig gut stehen. Wenn du aber nur wegen der Schweinereien hier bist, wirst du das Spiel eh schon gekauft haben.

Senran Kagura Peach Ball

Wertung: 6,5/10
Publisher: Marvelous Games
Entwickler: Honey Parade Games Inc.
Plattform: Switch (getestet), PC
Preis: € 39,99 (Switch eShop), $39.99 (physische Version, erhältlich im XSEED-Onlinestore), PC (in Vorbereitung)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Publisher Marvelous Games zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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