Review: Rogue Stormers – Tollhaus der Möglichkeiten

Rußiges Roguelike-Run&Gun aus heimischer Produktion

© Martin Nagel

Neulich war ich auf der Magnology, einer kleinen aber feinen Convention rund um Anime, Cosplay und Japan-Kultur in Hamburg. Dort finden sich auch immer viele Indie-Entwickler aus dem Hamburger Raum ein. Auch Black Forest Games, die Schöpfer des großartigen Giana Sisters-Reboots Twisted Dreams. Das Team hatte einen beeindruckenden 2D-Platformer mit Roguelike-Elementen und 4 Spieler-Couchkoop am Start.

Neugierig fragte ich was für ein Spiel das denn sei, wann es erscheinen würde und ob auch ein Konsolen-Release geplant wäre. Die Jungs teilten mir mit dass das Game schon seit Monaten auf PS4 und Xbox One draußen sei und es sogar Disc-Releases gäbe. Ich habe geguckt wie ein Auto.

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Der Early Access-Fluch und …Hosen?

Während der Early Access-Phase auf Steam bekam das Spiel reichlich Media Coverage – zum Release, der auch auf PS4 und Xbox One erfolgte, hörte die Coverei jedoch auf. So entging auch mir das Game, da ich hauptsächlich Konsolen-News lese und kaum auf PC-Seiten unterwegs bin.

Handfesten Ärger gab es aus einer anderen Ecke. Der ursprüngliche Titel des Spiels sollte „Dieselstörmers“ (mit kernigem Motörhead-Ö) lauten. Allerdings hält der Hosenfabrikant Diesel tatsächlich die Namensrechte an dem Wort „Diesel“, auch für die Nutzung in Videospielen. Ob wirklich mal ein entsprechendes Hosen-Game geplant war? Mit dem grottigen The Mission auf der ersten Playstation wurde immerhin schonmal ein Werbespot des Sportschuh-Herstellers Nike versoftet. Diesel klagte, Black Forest Games verlor, das Spiel musste umbenannt werden. Die Geschichte wurde sogar von Modeblogs thematisiert. Von der Gaming-Presse jedoch nicht ganz so sehr. Wieder habe ich nicht schlecht gestaunt – und mich entschlossen meine Hosen in Zukunft woanders zu kaufen.

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Schwarze Pumpe

In der eigentlich mittelalterlichen Stadt Ravensdale regiert das Goop. Seit die ölige Substanz entdeckt wurde sprießen Bohrtürme und der Manchester-Kapitalismus brummt auf Hochtouren. Das Zeug ist aber auch so praktisch! Es dient als Treibstoff, Hautcreme oder Brotaufstrich – lecker! Kleinere Nebenwirkungen wie die Zombie-Seuche werden da geflissentlich ignoriert.

Zum Aufräumen bist du ja da. Immerhin darfst bis zu drei Hausmeisterkollegen auf die Jagt mitnehmen, und das lokal wie online. Zur Fortbewegung kannst du dich zwischen Steuerkreuz und linkem Stick entscheiden. Gezielt wird jedoch immer mit dem rechten Ministick. Arcade-Board oder in’s Cab bauen ist also nicht. Schuss, Spezialwaffe und Boost-Sprung wurden praktisch auf die Schultertasten gelegt. Gerade mit dem Steuerkreuz leidet dein Stormer unter einem leicht schwammigen Anlaufen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit sind die Kontrollen aber knackig und präzise.

Das „Rogue“ im Namen sagt es schon: hier werden Roguelike Level vom Zufallsgenerator immer wieder neu gemixt. Das gibt zwar erstmal einen Haufen Möglichkeiten, die Dynamik und der Auswendiglern-Effekt von handgemachtem Leveldesign fehlt aber schmerzlich. Irgendwann kennst du zwar auch hier deine Pappenheimer und weißt wie du einzelne Levelbauteile angehen musst – die vordergründig gewonnene Abwechslung ist dann jedoch lange vorüber. Das ist etwas schade, war Rogue Stormers doch als festes Levelkonstrukt geplant als es noch Hosenstörmers hieß.

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Warum ist alles so klein?

Nach dem Spielstart musst du deinen Helden erstmal suchen. Auch die 3D-Hintergründe von Ravensdale, der Kanalisation und dem Stahlwerk wirken sehr kleinteilig. Zudem scheint eine Art milchigweißer Nebel über der Landschaft zu liegen. Details erkennst du nur wenn du einen großen Fernseher hast und ganz genau hinsiehst.

Auch das Charakterdesign ist eigentlich cool und eigenständig, könnte auf den ersten Blick aber sehr generisch wirken da es sich am arg verbrauchten World of Warcraft-Look orientiert. Auf den zweiten Blick offenbart es aber coole Ideen und reicht von Werwölfen über Bardamen zu kybernetischen Opernsängern. Mit Camille ist sogar ein weiblicher Blob am Start.

Wenn Horden von Getier aus den Monstergeneratoren flutet ist das alles unwichtig. Dann zählen nur noch deine Reflexe, etwas Strategie und die richtigen Perks. Perks kannst du in den Levels finden und sie werden Rougelike zufällig verteilt – jedoch darfst du dir am Anfang ein Lieblingsperk aussuchen. Je mehr du außerdem auflevelst desdo mehr kannst du deine Start-Perks beeinflussen – ein schönes System dass dich die Zufälligkeit der Perkverteilung mehr und mehr ausgleichen lässt und hartnäckige Spieler belohnt. Lebensenergie grinden ist aber nicht. Rogue Stormers bleibt bei all der Auflevelei streng Skillbasiert.

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Storming Party

Aber warum ist die Schrift so klein? Ich kann kaum lesen was die Perks so können. Auf Nachfrage erklären mir die Entwickler dass das so sein muss weil sonst der 4 Spieler-Couchkoop nicht funzt. Okay, das erklärt die kleinen Figürchen – die winzigen Texte aber nicht. Und merkt die Konsole nicht wie viele Spieler vor ihr sitzen? Ließe sich die Textgröße dann nicht dynamisch anpassen? Naja, ich werde mich wohl doch damit abfinden müssen dass ich bald eine Brille brauche.

Noch eine von diesen coolen Ideen entdeckst du wenn einer deiner Partner stirbt. Du kannst ihn dann nicht einfach auf Knopfdruck wiederbeleben wie in Gears of War. Stattdessen musst du dir das Recht auf Wiederbelebung erkämpfen indem du erst eine bestimmte Menge Lebensenergie-Pickups für deinen Kumpel sammelst. Das dauert einige Zeit und kann echt nervenaufreibend sein. So ist aber sichergestellt dass der Koopmodus nicht zu übermächtig wird. Ein Spaziergang ist der Kampf um das Goop weder allein noch im Team.

In Rogue Stormers stecken viel hochwertiges Design und gute Ideen. Jedoch muss es sich mit den Genreklassikern rund um Contra und Metal Slug vergleichen lassen, und hier verliert es zwangsläufig. Dies liegt hauptsächlich an den Roguelike-Elementen und dem dadurch deutlich schwächeren Leveldesign – handgemacht ist halt immer noch besser. Aber in welchem Run&Gun kannst du schon zu viert gleichzeitig rumfetzen? Für das sympathische Gesamtpaket vergebe ich 7 von 10 leckeren Goop-Slushies – lass dir schmecken!

Rogue Stormers

Wertung: 7/10
Publisher: Soedesco
Entwickler: Black Forest Games
Plattform: PS4, Xbox One, PC
Preis: ca. 20 € (physisch), 19,99 (Download)

Das Review-Exemplar wurde von Blackforest Games zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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Ich bin Martin und habe schon alles gezockt was Knöpfe hat. Ich unterstütze Thomas mit Reviews und Berichten aus den tiefsten Nischen, die unser Daddelhobby zu bieten hat.
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