Review: Psikyo Shooting Stars Alpha – First Strike

Durchwachsener Speck: Die Shmup-Sammlung bietet Höhen und Tiefen

© Martin Nagel

Psikyo… Meine ewige Nemesis. Anfang 2000 schafften es nur wenige Portierungen von Arcade-Shmups nach Europa, und ich habe Sachen wie Gunbird und Strikers für den Kern des Shmup-Genres gehalten. Aufgrund deren geringer Qualität hat mich das Genre kaum interessiert, und ich habe mich lieber mit Metal Slug und Contra beschäftigt.

Erst später entdeckte ich, dass mit Cave und Raizing ganz andere Qualitätsstandards möglich sind. Trotzdem werden Psikyo-Shooter bis heute immer wieder neu aufgelegt. Warum, ist mir ein Rätsel. Die neueste Ausgabe erscheint nur für Switch, und hört auf den Namen Psikyo Shooting Stars Alpha – Bravo wird noch kommen. Schauen wir uns die Spiele mal eines nach dem anderen an:

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Strikers 1945

Und so beginnt es: Die wohl cheesigste WW2-Serie neben Call of Duty. Der graugrüne Render-Matsch wirkt extrem trist, düster und traurig. Angeblich wurden hier echte Luftaufnahmen aus dem 2. Weltkrieg digitalisiert – hätte man lassen sollen. Dass WW2-Shooter etwas Farbe vertragen und trotzdem gritty sein können, zeigen die 1943-Serie und NMKs großartiges Thunder Dragon 2. Dazu kommen die immer wiederkehrenden Psikyo-Probleme wie eine zufällige Anordnung der ersten Stages, was dazu führt dass der Schwierigkeitsgrad dieser stark variiert und gezieltes Üben kaum möglich ist. Die Musik Hans Zimmert sehr unmotiviert und düdelig vor sich hin, und die Schussmuster sind schwach bis unfair. Einziges Highlight sind die Bosse. In der zweiten Runde verwandeln sich Panzer, Zeppelin und Schlachtschiff in abgefahrene Mechas.

Einzelwertung: 4/10

 

Nach dem Start erwartet dich das übliche Karussellmenü – © Martin Nagel

Strikers 1945 II

Mehr vom Gleichen. Die Stages wirken minimal fröhlicher, die Mecha-Designs abgefahrener. Immerhin unterscheiden sich die wählbaren Flieger jetzt deutlich stärker voneinander, was für eine angenehme Varianz sorgt. Mein Favorit ist der Flying Pancake mit seinen starken Zielsuchgeschossen. Dafür schaltet der Soundtrack noch einen Gang runter. Solchen Mist habe ich wirklich selten hören müssen. Wer ein Neo Geo MVS besitzt, der wird dieses Spiel sicherlich in 4:3 und mit deutlich schickeren Render-Explosionen als Strikers 1945 Plus kennen. Schade dass es diese Variante nicht mit auf die Compilation geschafft hat. Es wäre ein schöner Bonus gewesen.

Einzelwertung: 5/10

Die Strikers-Serie ertrinkt in schmutziggrauer Kriegs-Matsche – © Martin Nagel

Strikers 1945 III

Eigentlich müsste das Spiel Strikers 1999 heißen, und das tut es auch in einigen Versionen. Du steuerst moderne Jets in einem aktuellen Setting. Macht das die Farben frischer? Nunja, manchmal. Wüsten und Industriegebiete wirken immer noch arg trist, während über dem Meer ein fast Sega-blauer Himmel leuchtet. Die größte Überraschung ist aber, dass Psikyo den Umgang mit der Bullet endlich verstanden zu haben scheint. Der Dauerbeschuss wirkt durchdacht und strukturiert, Stages haben eine angenehme Länge und es ergibt sich ein toller Spielfluss. Zwar ist das alles nicht einmal ansatzweise auf Cave-Niveau, für  spannende Scorebattles kehre ich aber gern zurück.

Einzelwertung: 7/10

How low can you go? Das schlechteste Shmup ever – © Martin Nagel

Sol Divide

Für mich das schlechteste Shmup aller Zeiten. Die zuckeligen Renderkulissen waren damals sicherlich der Burner, heute wirken sie wie ein Harryhausen-Film. Du steuerst ein RIESIGES Sprite, welches sich sehr hektisch und ungelenk bewegt. Neben schwachen Schüssen kannst du auch in den Nahkampf gehen, was sich extrem schwammig anfühlt und dir garantiert ein paar Treffer einbringt. Gegner sind spärlich, schlucken aber viel zu viel. Obwohl selten mehr als fünf Bullets unterwegs sind, wirst du immer irgendwie blöd getroffen. Das kurze Stückwerk an Stages wird andauernd durch belanglosestes Story-Gelaber unterbrochen. Selbst unser Spezi Sine Mora wirkt dagegen wie ein hochpolierter AAA-Titel. Hier kann und darf es nur eine Wertung geben: Die allererste Boobsie-Eins.

Einzelwertung: 1/10

Dragon Blaze ist DAS Highlight der Collection – © Martin Nagel

Dragon Blaze

Das klare Highlight der Collection. Du reitest einen Drachen in einem hochkreativen Fantasy-Setting mit gewaltigen Pilzwäldern und giftigen Seen. Die Qualität der Hintergründe hat fast Mushihimesama-Niveau. Auch spielerisch wird einiges geboten. Wie in der R-Type-Serie kann der Drache als Force Unit richtung Feind geschickt werden. Endbosse öffnen einmal in jedem Kampf ihr Herz. Schaffst du es, genau hier einen Dragon Force-Angriff zu setzen, ist der Kampf sofort beendet und du kannst einen fetten Technical Bonus abstauben. Natürlich feuert der Boss in diesem Moment besonders ausgelassen – Risk and Reward und so. Leider wird auch Dragon Blaze von den typischen Psikyo-Macken geplagt. Random Order, einen schwachen Soundtrack und einige echt unfaire Schussmuster gibt es auch hier. Trotzdem ist Dragon Blaze DER klare Kaufgrund für die Collection – auch weil die PS2-Portierung inzwischen ein Hundert Euro-Item ist und die Platine inzwischen vierstellig sein dürfte.

Einzelwertung: 8/10

Zero Gunner 2 bietet gute Y2K-Polygongrafik – © Martin Nagel

Zero Gunner 2

Die Dreamcast-Version habe ich damals geliebt, und das freshe Steuerungskonzept fasziniert mich noch immer. Fast wie im Twinstick-Shooter kannst du deinen Apache um 360 Grad drehen, wenn du B gedrckt hältst, dann erscheint ein Cursor, um den du dich wie ein Uhrzeiger schwenken kannst. Beim erneuten Spielen fällt aber auf, wie zerfasert das Spiel ist. Die ohnehin schon kurzen Stages werden andauernd von Filmschnipseln unterbrochen, was den Spielfluss enorm stört. Die Filme beginnen und enden mit einer unangenehm langen Schwarzblende, und zeigen meist irgendwelche Boss-Auftritte. Zudem wirken die Stages trotz der grafischen Abwechslung schnell belanglos, und Gegner werden von allen Seiten auf das Spielfeld geworfen, was mitunter zu unfairen Toden führt. Zero Gunner 2 ist leider schlecht gealtert und aus heutiger Sicht eher mittelmäßig.

Einzelwertung: 6/10

Selbst im Affen-Schwierigkeitsgrad sind einige Schussmuster unfair – © Martin Nagel

Insgesamt lohnt sich der Kauf, allein schon für Dragon Blaze. Dementsprechend ist meine Endnote die des am höchsten bewerteten Spiels. Auch rechne ich es NIS America hoch an, dass sie diese Collection nach Europa geholt haben. Auch finde ich es cool, dass die einstige Hongkong-Veröffentlichung mit jeweils vier Spielen auf drei Modulen hier etwas gestrafft und kundenfreundlicher gestaltet wurde. Eine saubere Emulation ohne nennenswerte Lags, Tate-Optionen wo sie nötig sind und einige Retro-Filter runden das Paket ab. dafür fehlen aber die Artwork-Galerien der Asia-Veröffentlichung. Nun übergebe ich den Arcadestick an meinen Wingman Logge:

Taten bis der Paramedic kommt – © Martin Nagel

Logge meint dazu:

Ach Martin, wie gut kenn ich dein Gefühl. Ich fing selber erst sehr spät mit dem Genre der Shmups an. Als kleiner Rotzlöffel habe ich mich viel lieber in klassische Snes-Kost ala Mario und Zelda gestürzt. Diese brachiale und oftmals bockschwere Action der Shmups hat mich nie angezogen. Doch all das änderte sich irgendwann im Jahr 2015, als ich meine Liebe für Bullethell-Shooter entdeckte. Natürlich wollte Logge dann mehr von diesem unterhaltsamen Spaß erleben und so kam mir in den gängigen Foren und Gruppen immer wieder ein Name vor die Nase: Psikyo. Also freute ich mich umso mehr auf diese Collection, die mir gleich 6 Games bescherte.

Psikyo-Explosionen sind immer gleich – © Martin Nagel

Die vertikalen Psikyo-Games haben für mich immer genau ein großes Manko: Die gegnerischen Bullets sind so verdammt klein, dass ich immer wieder unnötige Bildschirmtode erlebe und sich so schnell Frust aufbaut. Witzigerweise machen mir Massen von Bullets in pink, grün oder sonstigen Neonfarben nichts aus, aber diese kleinen gelben Schüsse bei den Strikers Games bringen mich immer wieder um den Verstand. Hinzukommt die fehlende Hitbox und das Problem, dass ich oft nicht genau weiß, wo mein Schiff nun verwundbar ist. Dennoch gibt es auch für mich ein großes Highlight in der vertikalen Sparte dieser Collection. Dragon Blaze schafft es mit seiner bunten Präsentation gekonnt, mich immer wieder an den Bildschirm zu fesseln. Ganz Psikyo-typisch liegt das auch an dem aufladbaren Spezialschuss, den ich durch das Gedrückthalten der Schusstaste aktiviere. Dank cooler Scoring-Mechanik und einem unglaublich tollen Score stellt auch für mich dieses Game das Highlight der Collection dar und auch ich kann nur sagen, dass sich der Preis schon allein dafür gerechtfertigt ist.

Bei Zero Gunner 2 wird in alle Richtungen geballert – © Martin Nagel

Die zwei Horizontalshooter haben mir allerdings auch gefallen. Zero Gunner 2 wirkt tatsächlich schön modern und flott. Die Grafik ist zwar dabei nicht ganz so zeitlos wie bei den anderen Games, allerdings weiß der Polygon-Look zu überzeugen. Das Gameplay mit dem drehbaren Schiff ist dabei deutlich einsteigerfreundlicher und weist nicht die bekannte Psikyo-Hürde auf. Sol Divide ist abschließend ein sehr schwieriges Game. Ich selbst finde das Game richtig klasse, weil es einfach mal anders ist. Weg von den klassichen Militär und typischen Sci-Fi-Shooter, hin zu einer eher Fantasybehaftenden Optik. Die verschiedenen Kämpfer spielen sich dabei alle unterschiedlich und laden dazu ein, ausprobiert zu werden. Die Gegner sind ideenreich und ich fand den Score auch anders, aber auf eine positive Art und Weise. Dennoch weiß ich, dass ich damit ziemlich allein da stehe und fehlerfrei ist Sol Divide auf gar keinen Fall. Aber ich kann jedem nur empfehlen diesen Titel einmal selbst zu probieren.

Select your Battleship – © Martin Nagel

Was bleibt also unterm Strich? Dragon Blaze und Zero Gunner 2, sowie Strikers 1945 III/1999 sind absolute Klassiker und sollten eigentlich in keiner Shmup Sammlung fehlen. Die ersten beiden Strikers 1945 Teile sind eine nette Dreingabe in dieser Collection und Sol Divide ist für viele das hässliche Entlein der Sammlung. Dank Tate-Feature lassen sich die vier vertikal Shooter wunderbar auf der Switch im Handheld-Modus zocken. Wer sich die Limited Edition zulegt, bekommt zudem eine tolle VÖ spendiert, die nicht mit Goodies geizt. Für Shooter Fans und all diejenigen, die für kleines Geld eine coole Collection ihr Eigen nennen wollen, ist Psikyo Shooting Stars Alpha genau die richtige Wahl.

 

Psikyo Shooting Stars Alpha

Wertung: 8/10 (Martin) 8/10 (Logge)
Publisher: NIS America
Entwickler:
City Connection
Plattform: Switch
Preis: 39,99 € (Switch Download), 59,99 € (physische Limited Edition mit Artbook und Soundtrack)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key vom Publisher NIS America zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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