Review: Overdriven Reloaded – Der hässliche Schwan

Bis auf die Grafik stimmt hier alles!

© The One Man Army

Dieses Shooting Game kommt aus dem Nichts und sieht nach nichts aus. Woodstock lebt! Doch kann Indie-Spirit alleine noch überzeugen, fast zehn Jahre nach der Gründung von Kickstarter? Schauen wir uns die Sache mal vorsichtig an!

Richtig doll Indie!

The One Man Army Game Studio – kurz TOMA – klingt nach einem todesmutigen Nerd der von seiner Dachwohnung aus gegen die ganze Welt programmiert. In Wirklichkeit sind es zwei: Maïlys Brouste und Thomas Casamento aus Südfrankreich. Die beiden haben lange für Ubisoft gearbeitet und waren etwa an ZombiU und der Michael Jackson Experience beteiligt. Dort erhielt Thomas auch den Spitznamen Einmannarmee, als er ganz allein einen Prototypen entwickelte und vorstellte. Schließlich wurde es für die beiden Zeit in die Welt hinauszuziehen und Shmups zu machen. Das ist fast schon  eine eigene Heldengeschichte wert – die allerdings wohl eher in einen Brawler passen würde.

Tatsächlich erhielt ich im Vorfeld des Reviews eine sehr professionell aufbereitete Presse-Email voll mit Bildern und eingebetteten Videos. Da weiß jemand was er tut, und das nicht erst seit gestern.

Bildergebnis für overdriven reloaded special edition
© The One Man Army

Judgement Silvergun?

Mein erster Eindruck: „Das sieht ja aus wie ein Flash-Game!“ Grafisch beschränkt sich das Spiel wirklich auf das Allernötigste. Die Technik ist etwa auf dem Niveau von Trizeal für Dreamcast, dass allerdings schon ganze drei Konsolengenerationen früher erschien – ich sag’s nur, damit du weißt was dich erwartet.

Gut, du bist noch hier. Ich mag deine Einstellung! Wenn dir wie mir die Grafik egal ist, dann erwartet dich ein herrlich ausgewogenes, ja geradezu eklektisches Shmup-Menü in zehn Gängen. Wohlplatzierte Bullethells, Suicide Bullets an den richtigen Stellen und manchmal bewegliche Wände. Das alles passt wunderbar zusammen und kein Element wirkt übermächtig. Diese Qualität zieht sich durch alle zehn Stages, ohne einen einzigen Hänger. Länge, Qualität und Abwechslung erinnern mich tatsächlich an das ewig große Radiant Silvergun, aber auch weniger bekannte Perlen wie Chikyuu Kaihou Gun ZAS auf dem monochromen Gameboy (boah, warum habe ich das nicht gekauft als es noch ’nen Hunni gekostet hat?).

Die Präsentation erinnert mich allerdings eher an Tetris. Die Kamera bewegt sich stur von unten nach oben, und die kesse Funkerin Terri hat vielleicht drei verschiedene Standbilder. Viel Story gibt es auch nicht. Der Kampf gegen das fiese Kruutiansche Imperium liest sich fast wie eine Parodie auf eh schon leere Shmup-Backstories. Naja, wer einen Shooter mit viel Story haben will muss meist anderwo Abstriche machen,

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„Hilfsenergie auf die Schilde!“

Neu ist indes ein recht durchdachtes Schildfeature. Du hast hundert Trefferpunkte. Wenn du mit dem Spreadshot rumholzt stehen sie dir alle zur Verfügung. Nutzt du den starken, aber energieintensiven Dodonpachistrahl, dann sind es nur zwanzig. Kehrst du zum Flächenfeuer zurück sind es wieder hundert – oder achtzig, wenn du im Spreadmodus getroffen wurdest. Ein Treffer im Lasermodus bedeutet meist den Tod, sonst verträgst du etwas mehr – Risk and Reward. Dabei ist das Spiel immer fair und findet stets den Sweet Spot zwischen Überforderung und „Das kann ich gerade so schaffen“. Nur etwas mehr Bomben wären schön gewesen – die sind leider arg knapp.

Bildergebnis für overdriven reloaded special edition
© The One Man Army

Cowboys of Moo Mesa

Radiant Silvergun hatte seine Hündchen, hier sammelst du Kühe. Warum Kühe? Wahrscheinlich aus Kuh-lnessgründen (AUA!). Aus dem zweiten Puzzle-Klassiker von Treasure wurde sich auch bedient. Statt zwei Farben wie in Ikaruga gibt es ganze vier. Manchmal stehen Ketten aus farbigen Blöcken im Weg. Färbe sie mit dem Laser passend ein, dann verschwinden sie. Dieses Konzept hat sogar einen eigenen Modus bekommen. Wenn du im Puzzle Mode nicht schnell genug die Blöcke abbaust drückt dich das Scrolling unbarmherzig gegen den unteren Bildschirmrand. Achja: es dürfen bis zu vier Spieler gleichzeitig ran. Da könnt ihr euch die Farben gut aufteilen.

Ähnliches Foto
© The One Man Army

Bis hierhin und nicht weiter!

Neben Puzzle-, Arcade- und Storymodus kannst du einige Minispiele zocken. Im Missionsmodus musst du etwa einen Level oder Bosskampf unter Zeitdruck erledigen, Asteroiden zerbröseln oder die süße Brillenschlange Terri vor Schaden schützen. Es gibt auch einen Modus ohne Trefferpunkte. Hier kannst du dann auch unbeschwert Lasern, da deine Energie eh nicht weiter fallen kann. Feuer frei!

Richtig cool ist der Modus „Die Linie“ in dem du einen unendlichen Strom Zakus davon abhalten musst eine rote Grenzlinie am unteren Bildschirmrand zu übertreten. Das bedeutet harter Infight, permanente Nutzung des Lasers, schwere Entscheidungen im Sekundentakt, Schweiß auf der Stirn. Hier erwarte ich beinharte Kämpfe um die Weltrangliste!

Bildergebnis für overdriven reloaded special edition
© The One Man Army

Tönlein brilliant

Das ist ja bis jetzt alles ganz nett. Was das Spiel aber wirklich gut macht ist der vibrierende Soundtrack. Elektroklänge und sparsame Gitarrenriffs weben einen Soundteppich, der dich fast hypnotisch ins Geschehen zieht. Ganz feine Shmucke also, die mir ähnlich eklektisch vorkam wie Gameplay und Leveldesign. Und bevor du das Wort googeln musst: eklektisch bedeutet aus dem Vorhandenen neu zusammengesetzt. Hier wird also das Beste aus dreißig Jahren Shooting Game zu einem runden Ganzen vereint, in Soundtrack wie Gameplay.

Indie is alive and kicking! Overdriven vereint fast alles was Ballerspiele groß gemacht hat in einer neuen Mischung. Und es kostet gerade mal acht Euro. Selten hat es mehr Spaß gemacht den Trippel Ey-Publishern den Mittelfinger zu zeigen. Go marching, One Man Army! Und bitte bringt eine Soundtrack-CD!

Overdriven Reloaded: Special Edition

Wertung: 8/10
Publisher: TOMA Game Studio
Entwickler: TOMA Game Studio
Plattform: Xbox, PC
Preis (Download): 7,99 €

Ein kostenloser Download-Key wurde von TOMA Game Studio zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots stammen vom Publisher.

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