Review: Obey Me – Nassfutter

Was ekliges für den weg?

© Martin Nagel

Obey Me – da macht allein der Name schon neugierig. Hat sich etwa tatsächlich mal jemand getraut, den psychologisch wie physikalisch korrekten BDSM-Simulator zu entwickeln, den ich mir schon so lange wünsche? – Nein, hier geht es um die Beziehung zwischen einem Mädchen und ihrem Hund.

Vanessa ist eine niedere Angestellte des Höllenfürsten Ammon. Dieser sieht aus wie Donald Trump, mit dem Kreuz von He-Man. Manchmal leuchten seine Augen rot, und seine Stimme wird noch tiefer – meistens dann, wenn er sauer ist. Als sein Errand Girl wird Vanessa mal hierhin, mal dorthin geschickt um Leute zu töten oder magische Artefakte abzuholen. Es zeichnet sich jedoch bald ab, dass dort wohl ein großer Plan im Hintergrund läuft…

Hell Trumper? – © Martin Nagel

Vanessa steht recht weit unten in der dämonischen Hackordnung. Überhaupt muss sie sich andauernd anhören, dass sie als Halbdämon sowieso nix zu melden hat. Entsprechend ist das blondgefärbte Emo-Girl dauer-angepisst und versteckt sich gern unter seinem neoncoolen Hoodie – Mädchen, du bist so badass! Begleitet wird sie von ihrem treuen Höllenhund Monty.

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Ghostbusters in Hell

Die Pressemitteilung bezeichnet Obey Me als „Holypunk Brawler“. Entsprechend schallen uns wuchtige Choräle entgegen, wenn wir das Spiel starten. Das ist schonmal geil! Auch später im Spiel sind Musik und Sounddesign herausragend gut. Spielerisch sieht es erstmal aus wie Diablo – allerdings versucht dieses Spiel, ein paar Dinge anders zu machen.

Wir spielen in einer Diablo-artigen Draufsicht. Jedoch ist die Levelarchitektur weit enger gefasst, und das Spiel bemuht sich um kleine Labyrithe mit allerlei Todesfallen. Tretminen lassen Seen aus Säure spritzen wenn du ihnen zu nahe kommst. Von Flippertischen geborgte Bumper schleudern dich quer über den Bildschirm wenn du sie berührst.  Fleischfressende Pflanzen lassen ihre gierigen Zungen quer über den Bildschirm wachsen um dich in ihr speicheltriefendes Maul zu ziehen – oder in eine Mine, oder in einen Bumper. Ich musste hier sehr an den JRPG-Geheimtipp Penny Punching Princess denken. Solche Ideen im Leveldesign mag ich.

Eine typische Pinball-Situation – © Martin Nagel

Gut, dass V, wie Monty sie gern nennt, über die Schultertaste einen kurzen Dash beherrscht. Damit slidet sie auch in Gegner rein, hält Combos, entkommt schweren Schlägen. Anfangs piekst sie ihre dämonische Gegnerschaft noch mit kurzen Doppeldolchen, später findet sie weitere Waffen. Jede Waffengattung hat ihren eigenen Skilltree, und alles geht halt nicht auf einmal – so mischt sich auch etwas Aufleveltaktik mit hinein. Vanessa findet nicht nur ein Paar flammender Handschuhe, sondern auch einen fleischigen, vor Eiter triefenden Kriegshammer, den sie kaum anfassen mag.

Ekel in Wort und Bild – © Martin Nagel

Kalter Ekel im eigenen Saft

Damit wären wir beim nächsten USP von Obey Me – das Spiel ist eklig. Richtig, richtig eklig. Die künstlerische Gestaltung von Levels und Monstern strotzt nur so vor Pusteln, Eiterbeulen, Tumoren und allerlei Gekröse. Und habe ich schon von Montys Entwicklungsfähigkeiten erzählt? Setz dich lieber… Als Hund frisst Monty alles Eklige, was ihm über den Weg kommt. Im Ladebildschirm siehst du ihn in eine Mülltonne kriechen. So ergeht es ihm auch mit Endgegnern. Haben die beiden den ersten Boss gelegt – ein riesiges Zombie-Schleimkuchen-Dingsbums – so kann er es sich nicht verkneifen, in den Rachen des Viehs hineinzuklettern und es von innen heraus zu fressen. Natürlich tut ihm das nicht gut, und ehe du dich versiehst, hast du einen sprechenden Zombiehund.

…und mit spielerischen Auswirkungen – © Martin Nagel

ZWEI unsympathische Charaktere in einem Double Team, kann das wirklich gutgehen? Leider nein. Hier wurde die Chance verpasst, Vanessa etwas Verletzlichkeit mit auf den Weg zu geben und so deinen Beschützerinstinkt zu wecken. Dementsprechend hat mich die Geschichte recht schnell kalt gelassen.  Stattdessen giften sich beide an, oder verfallen in einen Coolness-Wettstreit, bei dem es auch sprachlich derb zur Sache geht. Wenn ich daran denke, dass sich ein Meisterwerk des Dreckigen wie Max Payne anno 2001 noch nicht einmal getraut hat, das F-Wort in den digitalen Mund zu nehmen… („Gun down every motherlovin‘ Bastard“ hieß es dort noch in der Eröffnungsszene).

Dafür harmonieren die beiden spielerisch ganz gut. Monty kann Bälle aus Feuer oder Säure ausspeien, die Vanessa reflektiert und auf Feinde lenkt. Dazu können Feinde in einen kritischen Zustand geprügelt werden, oder mit allerhand Zustandsveränderungen belegt werden. Monty wird auf Wunsch von einer zweiten Couchpotato übernommen.

Ein Labyrinth aus Feuer, wie damals bei Mario Bros. – © Martin Nagel

Technisch ist nicht viel los. Trotz der Draufsicht wird bestenfalls mittlere PS3-Qualität geboten. Dazu wird Asset-Recycling im Akkord betrieben. Zwar bietet jede Welt ihr eigenes Ambiente, jedoch sind die Unterschiede eher farblicher Natur. Die ewig gleichen Mülltonnen und Machendrahtzäune ziehen sich durch das gesamte Spiel. Trotzdem ist Obey Me von einem nervigen Dauerruckeln geplagt, speziell wenn sich die Kamera um mehr als eine Achse bewegt. Du weißt ich bin alles andere als ein Techniktyp, aber das ist schon arm. Immerhin bemühen sich die Entwickler mit regelmäßigen Updates um etwas mehr Performance.

Wenn du dich darauf einlässt ist Obey Me eines dieser Spiele, die dich immer mal wieder überraschen werden. Allerdings nicht so sehr, alsdass es als Hidden Gem durchgehen könnte. Es sind eher milde Überraschungen der Sorte „Na bitte, geht doch“. Das ist dann auch mein Fazit.

Obey Me

Wertung: 6/10
Publisher: Blowfish Studios
Entwickler:
Error 404 Game Studios
Plattform: PS4, Steam-PC, Xbox One, Switch (noch nicht erschienen)
Preis: 17,99 € (PS4), 16,79 € (Steam-PC), 17,99 (Xbox One), TBA (Switch)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key vom Publisher Blowfish Studios zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt und stammen von der PS4-Version.

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