Review: Kunai – Fingerhakeln

Zweite, weniger witzige Titelidee: Hookvania

© TurtleBlaze, The Arcade Crew

Greifhaken! Freude schöner Götterfunken! Kaum ein Spielelement macht mehr Spaß als lässig über Schluchten zu schwingen, den Fahrtwind und die Kinetik zu spüren, frei zu sein. Da kann ein Spiel, welches sich komplett dieser Mechanik verschreibt doch nicht schlecht sein, oder? …oder?

Welcher Greifhaken ist dein liebster? Meine erste Berührung mit dem Feature war 1994 mit Super Metroid. Castlevania IV habe ich erst später während meiner ersten Retrophase kennengelernt. Einen besonderen Platz in meinem Herzen hat zudem Konamis Ninja Cop auf dem Gameboy Advance. Und wer könnte den Klassiker Bionic Commando vergessen! Vor allem das 3D-Reboot auf PS3 und Xbox 360 habe ich geliebt – wohl als einer der wenigen.

Tabby in Action – © TurtleBlaze, The Arcade Crew

Am Haken

Kunai möchte nun an diese Klassiker anschließen. Das Spiel beginnt als Shinobi-esker Platformer mit Schwert und Sprung, doch schnell findest du im Spiel die namensgebenden Kunai-Klingen – richtig, du bekommst zwei! Mit den Schultertasten kannst du nun eine nach links und eine nach rechts verschießen. So kannst du dich über Plattformen schwingen und Kamine hochziehen. Eine richtig coole Idee, die den Spielablauf enorm beschleunigt und weit effektiver ist als wenn du nur einen Haken hättest.

Nun gibt es an dieser Mechanik aber gleich ganze zwei Haken – Wow, der war jetzt aber kreativ, oder? Bummdiss, Karneval! Das erste ist mehr ein Gefühl als ein Problem. Das Schwingen fühlt sich einfach nicht kinetisch, nicht „echt“ an. Selbst wenn ich in weitem Bogen Schwung hole, ab einer bestimmten Geschwindigkeit haut das Spiel die Bremse rein. So richtig ausgelassen auf der Schaukel toben ist also nicht. Ich habe das Gefühl, mich am Haken nur in sehr begrentzem Maße austoben zu können, und so richtig krasse Sprünge gehen einfach nicht – schade!

So sinnvoll wird der Haken selten eingesetzt – © TurtleBlaze, The Arcade Crew

Zweites und weit schwerwiegenderes Problem: Das Spiel macht zu wenig draus. Seltenst habe ich das Gefühl, als wenn ein Level wirklich zum Schwingen designt wurde. Vieles wäre auch mit Doppelhopsern oder Wandsprüngen möglich, oder mit ganz normalem Springen. Spät im Spiel erweitert sich die Move-Palette um Knarren, tödliche Hopser und Abwehrmanöver, so macht dann zumindest die Feindentsorgung Spaß. Allerdings wissen die Gegner auch nicht immer dass du Kunais hast, und schießen stur nach links oder rechts. Strohdumm und sehr schnell erledigt sind sie außerdem. Level, Feinde, du selbst, all das will nicht recht zusammenpassen. Besser wird es in den Mega Man-artigen Bosskämpfen. Hier kannst du den Patterns oft nur dann effektiv ausweichen, wenn du dich wie eine Spinne an die Wand hängst – bitte mehr davon!

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30 Seconds of Fun

Sicherlich wird dir bei den Bildern hier schon der Grafikstil von Kunai aufgefallen sein. Die verwendete Farbpalette erinnert an die Spiele auf Nintendos allerersten Gameboy, sowie deren Look, wenn sie über den Super Gameboy auf den großen Screen gebracht werden. Der Zauberadapter konnte nämlich das Graustufenbild leicht aufftischen, sodass es nicht mehr ganz so monochrom aussah. Das Bild in Kunai ist hell und klar, mit starken Kontrasten auf Eierschalenweiß und leichten Einschlüssen von Orange, blau und rot.

Wenn du Feinde schlachtest, platzen sie in einer Wolke aus Blut und Körperteilen. Durch zusätzliches Bildschirmwackeln ist dieser Effekt sehr direkt und „In your Face“. Da sich der Effekt kaum ändert und es auch kaum Gegnervarianten gibt, nutzt er sich jedoch schnell ab. Witzig ist es, aber da wäre definitiv mehr drin gewesen.

Der genreübliche Überfall auf das Labor – © TurtleBlaze, The Arcade Crew

Ist es ein Tablet? Ist es ein Kindle?

Kommen wir nun zur zentralen künstlerischen Entscheidung des Spiels. Die „Menschen“ im Spiel sind Roboter mit einem Bildschirmkopf. Du spielst Tabby, einen jungen Tablet-Computer auf dem Pfad der Rache. Auf deiner Reise triffst du meistens auf Röhrenmonitore. Blaue sind gut und können durch Up auf dem Steuerkreuz angesprochen werden, haben aber recht wenig zu sagen. Rote sind wesentlich häufiger, natürlich böse und verlangen nach dem Schwert.

Hier kommt irgendwie Story – © TurtleBlaze, The Arcade Crew

Wenn Tabby irgendetwas tut, springen, schwingen, Items finden, Treffer kassieren, dann quittiert er dies mit einem entsprechenden Emoji in seinem Bildschirmgesicht. Ich habe Respekt vor dieser Idee, um es freundlich auszudrücken. Persönlich gefällt es mir nicht, aber Fans wird es sicherlich finden. Objektiv betrachtet hilft dieses Feature dem Spiel jedoch keinen Schritt weiter. Ob du nun rote Röhren sind die du killst, oder jeder beliebig andere Klischee-Gegner, es macht keinen Unterschied. Genausogut könnte man dir Gumbas, Helghast oder das Daytona-Auto vorsetzen. Persönlichkeit wird hier keine transportiert, die Screenbuddies sind einfach böse und müssen vernichtet werden. Hier fehlt es an echtem Worldbuilding und einer starken Geschichte, um die Notwendigkeit dieses Features solide zu unterfüttern.

Später kannst du Bullets mit dem Schwert canceln – © TurtleBlaze, The Arcade Crew

Zudem scheint das Spiel nicht recht zu wissen, wie es dich zum weiterzocken motivieren soll. Da es sehr wenige echte Pickups gibt, „streckt“ Kunai deine Sammelleidenschaft mit allerlei dämlichen Hüten für Tabby. Ob er mit Sombrero oder Bullenhörnern witziger aussieht musst du beurteilen. Wer da lacht, hört wahrscheinlich auch Ballermann-Hits, aber wer bin ich deinen Musikgeschmack zu kritisieren? Abgesehen vom ästhetischen Wert sorgt dieses Feature bei mir allerdings für einen Bruch in der Motivation. „Puh, den Bosskampf habe ich knapp geschafft… – Hey geil ’ne Kiste! Da ist bestimmt ein Herzteil drin… Meh, nur ein Schlapphut.“ – you know what i mean?

Insgesamt ist Kunai eine gerüttelte Mischung aus guten, aber auch misslungenen Designideen. Wenn du mit dem Grafikstil leben kannst und ihn vielleicht sogar witzig findest, bekommst du ein solides Schnetzelvania für inbetween – nicht mehr und nicht weniger. Ich sehe Potential, aber auch noch deutlich Luft nach oben. Über einen rundrum verbesserten und durchdesignten Nachfolger würde ich mich aber freuen.

Kunai

Wertung: 6,5/10
Publisher: The Arcade Crew
Entwickler:
TurtleBlaze
Plattform: Switch, Steam
Preis: 16,99 (Switch), 16,99 € (Steam)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key vom Publisher The Arcade Crew zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots stammen vom Publisher.

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