Review: Kandagawa Jet Girls – wie Urlaub

Jetski-Super Soaker-Kart

© Martin Nagel

Die Senran Kagura-Macher bauen ein Rennspiel mit Jetskis. Erster Gedanke: Hupen! Zweiter Gedanke: Geil, neues Wave Race? Dritter Gedanke: HUPEN!!! – Nun, so recht stimmt das alles nicht, Trotzdem solltest du die Kandagawa Jet Girls nicht gleich nach links wischen.

Wir sind im Tokio einer nahen Zukunft. Auf der örtlichen Mädchenschule sind Jetski-Rennen der angesagteste Trend. Dabei treten immer zwei Mädels als Team an. Eines steuert den Jetski, das zweite ballert mit einem Super Soaker auf die Konkurrenz. Als großer Fan aller drei Wave Race-Teile – auch des Game Boy-Teils, den die Leute meistens vergessen – habe ich mich natürlich gefragt wie hier die Wasser- und Wellenphysik aussieht. Schließlich ist in diesem Bereich seit fast zwanzig Jahren nichts aufregendes mehr passiert. Lediglich die Aqua Moto-Serie dümpelt derzeit im Subgenre recht unmotiviert vor sich hin.

Textblasen, Spezialeffekte, Zuschauer am Rand – es ist immer was los – © Martin Nagel

Mehr Mario Kart als Wave Race

Auch Kandagawa Jet Girls bietet im Bereich Wasserphysik sehr wenig. Die Oberflächen sind spiegelglatt und fühlen sich mehr wie eine Eisfläche als nach Wasser an. Du kannst lediglich nach einem Sprung über eine der zahlreichen Sprungschanzen mit dem Bug eintauchen und eine kurze Strecke unter Wasser gleiten, was dir einen kleinen Geschwindigkeitsschub bringt. Dafür kannst du an Mario Kart erinnernde Power Drifts vollführen.

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Überhaupt erinnern Fahrphysik und viele Mechaniken sehr an Mario Kart. Du kannst mit L2 einen Drift einleiten, und mit einem weiteren Druck auf L2 beenden. Dies gibt dir einen kurzen Tempo-Boost. Dieses System ist nicht so seitenflexibel wie das bekannte Snaken, aber weit zugänglicher.

Auch die Kampfoptionen lassen mich an Mario Kart denken. Auf der Strecke liegen Zufalls-Extras, die die Super Soaker-Bordschützin mit Wasserbomben, Wasser-Raketen oder Wasser-Schrotflinten ausstatten. Hast du mal nichts aufsammeln können, steht dir ein schwacher Standardschuss mit Cooldown-Timer zur Verfühung – immerhin!

Gears of Wasserpistole? Der Gunner-Mode – © Martin Nagel

Nach vorne zielst du ganz normal mit dem Bug deines Jetskis. Wenn du nach hinten schießen möchtest, dreht sich die Kamera nach hinten und schaltet in eine spezielle Zielansicht. Das ist leider auch das einzige größere Problem des Spiels. Zwar übernimmt der Autopilot wenn du nach hinten schießt, aber wenn du die Schützenposition wieder verlässt bist du schlagartig auf dich gestellt. Du musst von jetzt auf gleich die Kontrolle übernehmen, weißt aber nicht wo gerade oben und unten ist weil sich der Jetski inzwischen weiterbewegt hat.

Dafür gefällt mir aber das Leveldesign. Die Kurse sind breit genug für das Fahrerfeld, aber nicht zu breit. Es gibt weit geschwungene Kurven mit üppigen Auslaufzonen, aber auch ein paar fiese Kurven. Sprungschanzen und Turbo-Felder sind angenehm verteilt. Und: Das Ganze sieht fantastisch aus, besonders für ein Anime-Spiel. Die satten Farben sind schön anzuschauen, und im Hintergrund passiert immer irgendetwas.

Mina ist der typische reservierte Charakter, der erst einmal auftauen muss – © Martin Nagel

Hände oberhalb der Bettdecke!

Wer sich jetzt aufgrund der Herkunft des Spiels schon Vaseline und Taschentücher bereitgelegt hat, der wird ebenfalls enttäuscht sein. Kandagawa Jet Girls ist bei weitem nicht so sexy wie die Senran Kagura-Reihe. Bis auf eine auffällige Brustwackel-Physik deutet absolut nichts auf die Verandschaft der beiden Franchises hin. Die Mädels sind nicht einmal besonders sexy angezogen und meist in hochgeschlossenen Badeanzügen unterwegs. Dies KANN von misstrauischen Naturen sicherlich als Wink mit dem Zaunpfahl gesehen werden, sich im PSN-Store nach dem überteuerten Senran Kagura-Charakter Pack umzuschauen – aber wir wollen den Mädels doch nichts unterstellen, oder?

Diese ungewohnte Züchtigkeit war es aber, die ich am Spiel sehr genossen habe. Da sich die Dialoge nicht immer zwanghaft um Schlüpfrigkeiten drehen müssen, wirken sie herrlich ungezwungen. Es geht um wunderbar belangloses Alltags-Blabla. Zwei Mädchen haben am Verkaufsstand in Akihabara den selben süßen Delfin-Anhänger gefunden, und fahren nun ein Jetski-Rennen um das Recht ihn kaufen zu können. All das ist herrlich entspannend, gerade zu Corona-Zeiten. Ein kleiner, sinnfreier, segablauer Urlaub vom Alltag.

Kandagawa Jet Girls

Wertung: 7,5/10
Publisher: Marvelous Inc.
Entwickler:
HONEY PARADE GAMES Inc.
Plattform: PS4
Preis: 49,99 € (PS4 Download), 59,99 € (Digita Deluxe Edition mit digitalem Soundtrack)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Marvelous Inc. zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst erstellt.

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