Review: Jamestown+

Ein Himmel für Bullethell Fans

© Martin Kro

Es gibt Shmups, die stellen für mich einfach etwas ganz Besonderes dar. Sei es Dodonpachi Dai-Fukkatsu mit seiner genialen Canceling-Mechanik, die mich immer wieder dazu bringt, noch eine Runde zu versuchen. Oder aber Espgaluda 2 mit seinem Omake Mode, welcher mir auch die Möglichkeit gibt, dem Kugelhagel dank Canceling-Mechanik zu entfliehen.

Vor einigen Jahren dann, browste ich durch den Playstation Store und fand Jamestown+ im Sale. Für kleines Geld direkt mitgenommen und einige Stunden gezockt. Doch leider gelang es mir damals nicht, das letzte Level zu beenden. Jetzt ist dieses Shmup endlich für die Switch erschienen und das war für mich Grund genug, dem finalen Level und dem Game selbst erneut auf den Zahn zu fühlen. Also folgt mir in den Kugelhagel und lest, warum ihr euch nach dieser Review sofort Jamestown+ kaufen solltet!

Zwischen den Stages gibt es immer wieder kleine Storyschnipsel.
© Martin Kro

Jamestown+ kommt mit einer außergewöhnlichen und einzigartigen Optik daher. Ein Mix aus Sci-Fi und Industrialismus wird einem hier an den Kopf geworfen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es das Geschehen zum Teil auf wahren Begebenheiten basiert. Um diese aufzudröseln habe ich mir einen echten Fachmann geholt. Denn mein lieber Martin kennt Jamestown+ auch schon seit einer ganzen Weile und hat sich ausgiebig mit den Hintergründen beschäftigt. Also gebe ich kurz an ihn ab und freue mich auf ein paar Storyeinblicke:

Martins Storyschnipsel: Nein, ich kenne die Hintergünde von Jamestown auch nicht – aber zu meiner Verteidigung,  das tut niemand. Roanoke, der Schauplatz des Spiels, war der Name der ersten englischen Kolonie auf amerikanischem Boden. 1590 verschwanden dort alle 118 Siedler spurlos. Bis heute ist ihr Schicksal ungeklärt, und natürlich Ziel von Verschwörungstheorien und popkulturellem Blabla. In einen nahen Baumstamm stand das Wort „CROATOAN“ eingeritzt, was auf den Indianerstamm der Hatteras hindeutet. Die Hauptfigur erinnert in Namen und Habitus an den Abenteurer Sir Walter Raleigh, Welcher tatsächlich in die Gründung der Kolonie involviert war, im Londoner Tower einsaß, im englisch-spanischen Krieg kämpfte und gut Freund mit Königin Elisabeth I. war. Schier ausgeflippt bin ich, als sich die weibliche Hauptrolle im Spiel als Virginia Dare vorstellte – das ist ja mal der unanständigste, verheißungsvollste, augenaufschlagigste Frauenname aller Zeiten. Aber die Dame gab es wirklich, und sie hieß ganz genau so. Jetzt weißt du, was ich abends so lange alleine vor dem Computer treibe.

Jetzt möchte ich euch wieder einen Einblick in das fantastische Gameplay geben. Warum ich gleich von „fantastisch“ spreche ist schnell erklärt. Denn zu Beginn wirkt Jamestown+ wie der perfekte Einstieg ins Shmup-Genre. Du bekommst vier verschiedene Schwierigkeitsgrade vorgesetzt. Angefangen bei Normal, über Difficult, bis hin zu Legendary und Divine. Hast du schonmal ein Shmup gezockt, sollten Normal und Difficult keine großen Herausforderungen für dich darstellen. Das Standard Gameplay bietet dir zunächst allerdings nur vier Stages zur Wahl. Denn jetzt kommt der Clou: Du bist gezwungen, dich durch die Schwierigkeitsgrade zu kämpfen, um weitere Stages freizuschalten. Hast du dann nämlich alle bisherigen Stages auf Legendary geschafft, schalten sich die restlichen Level frei und du kommst in den vollen Genuss des Games. Dabei hast du allerdings zwei Credits pro Stage zur Verfügung, was es zunächst sehr zugänglich gestaltet und keinen Gamer überfordern sollte.

Der Stage-Select-Screen. Jedes Level zeigt dir an, auf welchen Schwierigkeitsgraden du es bereits gemeistert hast.
© Martin Kro

Mit jeder geschafften Stage sammelst du Gold, welches du im Shop(pe) für neue Schiffe, aber auch neue Modi ausgeben kannst. Hier gibt es dann auch den Gauntlet-Modus und der bietet dir die Möglichkeit die kompletten 5 Stages an einem Stück zu zocken. Der Clou dahinter: Du musst das alles mit nur zwei Credits schaffen. Aber auch hier musst du richtig entscheiden, denn auf Normal kannst du lediglich drei der fünf Stages zocken, auf Difficult vier. So bleibt dir nur die Option ein Gauntlet auf Legendary zu starten, um die komplette Challenge zu meistern. Schaffst du das kannst du dir den Super Gauntlet-Modus im Shop holen, hier kommen dann die zwei „Bonus“ Stages, welche auf den Monden des Mars spielen hinzu, sodass du nun ganze sieben Stages mit jetzt drei Credits schaffen musst. Was sich zunächst schwer und fast schon brutal anhört, stellt für mich die perfekte Balance dar. Denn mit jeder Minute werde ich besser im Umgang mit den Schiffen und den Waffen. Hier macht Jamestown+ für mich einfach alles richtig, denn es hält dich anfänglich super an der Hand und bringt dich dazu, deine Grenzen immer weiter zu überschreiten, denn um wirklich weiter zu kommen, musst du den Schwierigkeitsgrad immer weiter nach oben schrauben. Gerade die anfänglich Stage für Stage-Herangehensweise bietet sich dafür super an. Doch die Macher haben es sich nicht nehmen lassen, noch eine weitere Herausforderung zu bieten. Hast du nämlich alle Stages auf Divine beendet, dann kannst du dir im Shop noch einen finalen Schwierigkeitsgrad für 50.000 Gold kaufen. Judgement ist der wundervolle Name, und er verwandelt das ohnehin schon fordernde Shmup in eine wahre Kugelhölle! Stellte Divine eine sehr gute Herausforderung dar, ist Judgement einfach nur der Overkill. Statt einfarbigen Kugeln, feuern die meisten Gegner nun drei verschiedenfarbige Kugeln ab und auch der Vault funktioniert nicht mehr so, wie du es gewohnt bist. Der Vault, denkst du jetzt vielleicht. Diese Mechanik stellt das Canceling von Jamestown+ dar und ich liebe es.

Hast du Gegner besiegt, lassen diese Zahnräder oder Muttern zurück. Hast du davon genug eingesammelt, erscheint am oberen Bildschirmrand eine Anzeige, die dir mitteilt, dass der Vault verfügbar ist. Diese Mechanik wird zudem im Tutorial, welches du im Startscreen auswählen kannst, ordentlich erklärt. Hast du den Vault gezündet, entsteht eine Blase um dein Schiff, welche alle Kugeln auffängt und verschwinden lässt. Solang der Vault aktiv ist, machst du mehr Schaden und bekommst die doppelte Punktzahl für alle erledigten Gegner. Um diesen beizubehalten, musst du weiterhin Zahnräder und Muttern sammeln. Sobald der Vault beendet wird, was du wahlweise manuell machen kannst, bekommst du einen Punktebonus. Jeder Shmupper wird wissen, dass er nur so richtig hohe Scores erreichen kann. Es gibt nichts befriedigenderes als den Vault zu Beginn einer Stage zu zünden und ihn bis zum Boss aufrecht zu erhalten. Im Judgement-Modus cancelt der Vault dann allerdings nur noch eine bestimmte Farbe der gegnerischen Kugeln und nicht wie bisher einfach alle. Auch ist die Dauer der Blase dort etwas kürzer.

Dank Online-Leaderboards könnt ihr euer können auch auf der Switch mit anderen Vergleichen. Na wer gewinnt aktuell den Bullethell Schwanzvergleich?? 😀
© Martin Kro

Zudem hast du die Möglichkeit eine Subweapon an einem Schiff zu aktivieren. Je nach Schiff könnt ihr dann beispielsweise einen festen Laser an jede Stelle des Screens positionieren und weiterhin mit eurem Primärfeuer die Gegner zerstören. Mein Lieblingsschiff Namens Treason bietet beispielsweise als Sekundärangriff eine Raketenbarrage, die je nach Aufladung größere Gegner mit einem Schiff zerstören kann. Hab ich dann noch den Vault gezündet, fege ich förmlich durch die Gegnerscharen und mit diesem Schiff gelang mir auf der Switch auch das, was mir auf der PS4 verwehrt blieb. Ich konnte das Game sowohl auf Legendary als auch auf Divine beenden. Als nächstes steht das Super Gauntlet auf der Liste. Es lohnt sich auf jeden Fall alle Schiffe mal auszuprobieren, da es einige verschiedene Herangehensweisen gibt und ich bin immer wieder begeistert, wie gut die Jungs von Final Form Games hier das Balancing hinbekommen haben.

Audiovisuell ist Jamestown+ für mich immer noch ein Highlight. Ich liebe die coolen Tracks. Die Sounds sind wuchtig und das Artdesign habe ich ja bereits angesprochen. Im Judgement-Modus bekomme ich dann die gewohnte Überladung an Farben, wie es sich für ein wahres Bullethell gehört. Die Switch Fassung steht dabei den anderen Versionen in nichts nach und kommt ohne grafische Abstriche daher. Während meiner Runs habe ich zudem keinerlei Framerate-Einbrüche, noch sonstige Bugs oder Crashes erlebt.

Der Stage Select-Screen. Jedes Level zeigt dir an, auf welchen Schwierigkeitsgraden du es bereits gemeistert hast.
© Martin Kro

Fazit: Jamestown+ ist und bleibt eines meiner liebsten Shmups. Dank coolen Schiffen, einem außergewöhnlichen und cleveren Difficulty-System und Scoring-Wegen, die nie zu komplex werden, stürze ich mich immer wieder gerne in den Kampf. Wer ein Shmup sucht, das für Einsteiger, als auch für Veteranen perfekt ist, der sollte sofort Jamestown+ auf Steam, PS4 oder Switch kaufen und mir auf ewig dankbar sein!

Mit jedem weiteren Schwierigkeitsgrad verändern sich die Boss Patterns.
© Martin Kro

Martin meint dazu: Auch ich bin großer Fan. Ich mag das coole, kreative und mal echt andere Setting, und spielerisch wird einiges geboten. Das Vault-Sytem ist so herrlich einfach und unkompliziert, und offenbart doch einiges an Tiefe. Du kannst einmal feindliche Bullets canceln, und dann eine lange Combo reiten wenn du willst. Ein weiteres Canceln unterbricht die Combo, was für mich die perfekte Balance aus Risk&Reward darstellt. Willst du viele Punkte, musst du etwas Sicherheit opfern und musst verdammt gut spielen! Und wie mein Wingman oben schon erwähnt hat gibt es viele viele Schiffe zum ausprobieren, optimieren, scoren. Mein Liebling ist das konfigurierbare Laser-Schiff mit der platzierbaren Dodonpachistrahl-Drohne, aber auch allerhand Lenkraketen, Bomben und Spreadschüsse sind erhältlich. Und wenn du Freunde hast kannst du sogar zu viert gleichzeitig ran, sei es im Hauptspiel oder in den kleinen, freispielbaren Skill-Tests. Hier ist die Switch-Version ideal.

Klingt nach dem perfekten Shmup, oder? Wenn, ja, wenn da nicht diese verflixte letzte Stage wäre! Ich weiß nicht was sich die Designer dort gedacht haben. Dort wird sehr mit beweglichen Hindernissen gearbeitet, die sich viel zu schnell bewegen und nur winzige, sich schnell schließende Räume zum Manövrieren lassen. Leider sind diese überhaupt nicht auf Movement und Geschwindigkeit deines Schiffes abgestimmt. Besonders schlimm wird es natürlich, wenn du dir zum Scoren ein schnelles Schiff gegriffen hast, aber auch mit den langsamen hatte ich arge Probleme. Es wirkt als wäre da keinerlei Balancing betrieben worden. Denk an die berüchtigte Raumschiff-Stage von Blazing Star, dann weißt du wie ich fühle. Eine Stage, mein Gott! Das mag jetzt nicht schlimm klingen, aber in der Basis-Kampagne ist immerhin ein ganzes Fünftel des Spiels betroffen. Mir verhindert dieser Design-Irrtum leider, dass ich das Spiel komplett genießen kann.

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Summary: Jamestown+ is one of my most loved Shmups ever. I love bullet canceling as a mechanic and all of my fav shmups have this in one way or another. It started with Dodonpachi Dai-Fukkatsu and Espgaluda 2 has this feature in its Omake Mode as well. Jamestown+ grants you the vault, where you create a bubble around your ship that nullifies every bullet on screen (except for Judgement mode but more on that later). You get access to the vault through killing enemies and collecting their leftover scrap. When the bar on the top left is full you get the prompt that tells you your vault is ready. During Vault you get double the points for every enemy killed. For scoring you just have to kill everything and collect all the scrap there is. When the vault is over you get extra points for the duration etc.. In the gameplay department you have four difficulties to choose from and you need to beat the game on the second difficulty (difficult) to get past stage 3 and you have to beat the game on the third difficulty (legendary) to access the final stage. After you have beaten the game on legandary and divine (the fourth difficulty) you can buy a fifth and final difficulty (judgement) on the shop. There you can also buy new ships and a challenge mode as well as a gauntlet mode. The gauntlet mode changes the stage per stage gameplay to a gauntlet, where you have to beat the entire game on two credits. When you beat gauntlet you can buy the super gauntlet mode, which adds two more stages and now you have to beat the entire game on three credits. This slow way of easing you into the game is simply amazing and is one of the reasons I love Jamestown+ so much. Judgement difficulty changes the game from a hard but fair shmup to an insane bullethell experience. Now your vault will only cancel one of three enemy bullet colours leaving you in a lot more trouble. But also this game mode is the final challenge for every shmup fan. So if you never played Jamestown+ go to steam, psn or switch eshop and buy this amazing game right now! Do it! It’s simply a masterpiece!

Jamestown+

Wertung: 10/10 (Logge), 8,5/10 (Martin)
Publisher: Final Form Games
Entwickler: Final Form Games

Plattform: Switch (getestet), PS4, PC
Preis: 14,99 € (PC), 15,99 € (Switch)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Final Form Games zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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