Review: Ironfall Invasion (3DS) – Fenix aus der Tasche

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Ironfall: Invasion ist ein „Gears of War“-artiger 3D-Shooter und er läuft – auf dem 3DS! Unmöglich? Die Jungs von VD-dev haben es hingekriegt. Das kleine Team aus Branchenveteranen hat eine beeindruckende 3D-Engine geschaffen. Grafisch wird hier einiges geboten: schick glänzende Wandtexturen, herrliche transparente Rauschschwaden, schön geshadetes Wasser, wuchtige Explosionen und das alles mit stabiler Framerate – doch reicht das allein für einen Hit?

Du gibst Woper. Er sieht mit seinem Football-Panzer und der auf dem Rücken klebenden Waffe aus wie der typische Schrank aus Gears of War. Außerdem ist der Name selten dämlich. Manchmal schlüpfst du auch in die knackige Haut der taffen Samantha. Sie ist deutlich schwächer bewaffnet als Woper, hat aber die gleiche Aufgabe: das Verschrotten garstiger Roboter. Gemeinsamer Feind der beiden sind die Dyxiden (noch so ein dämlicher Name – wer schreibt diesen Mist?), eine bedrohliche außerirdische Roboterrasse, die sich die Erde zum Abendessen vorgenommen hat – mit der Menschheit als Vorspeise.

Zur Abwehr der Blechkameraden gibt es die üblichen Standards: Shotgun, Sniper Rifle, Granat- und Raketenwerfer und die Erbsenpistole, die keiner will. Letztlich wirst du aber die meiste Zeit das Sturmgewehr benutzen. Munition dafür findest du an jeder Ecke und es hat ordentlich Wumms. Die Schrotflinte hat kaum Reichweite und fühlt sich etwas schwächlich an, bietet also kaum Kompensation für ihre niedrige Feuerrate. Für die Explosivwaffen ist der Nachschub rar, sie müssen nach jedem Schuss langwierig nachgeladen werden und ihr Vernichtungsradius ist gefühlt etwas zu klein. Das Scharfschützengewehr ist nicht für jedes Terrain geeignet und die Erbsenpistole müssen wir gar nicht erst diskutieren.

Die Kampagne bemüht sich redlich um Abwechslung. Mal wird die Etage mit Giftgas geflutet (beeindruckender Verwischeffekt, der Wopers Übelkeit herrlich grün wiedergibt), mal muss die übliche Snipermission absolviert werden, mal kleine Logikpuzzles auf dem Touchscreen gespielt werden. Toll auch, wie sinnvoll sich Sam und Woper in manchen Missionen abwechseln. Sie erreicht Schalter, damit er weiter vordringen kann und andersrum. Das fühlt sich seltsamerweise nicht aufgesetzt an, sondern fügt sich organisch in den Spielablauf. Das aus Gears bekannte Nachlade-Minispiel ist auch mit an Bord. Endgegner, wie die aus dem Trailer bekannte Roboschlange, sind leider sehr selten, aber spielerisch wie optisch cool. An Feinden gibt es Flugdrohnen, eine über den Boden rollende Mine, dicke Brocken mit und ohne Energieschild, spinnenartige Geschütze und einen Nanitenschwarm. Meistens wird aber der humanoide Standard-Blechkamerad erschossen. Mehr Abwechslung hätte hier wirklich gutgetan.

Leider macht die Kampagne keinen richtigen Dampf. Du läufst durch blaugraue Fabrikgebäude und folgst den Missionsmarker zum nächsten Schalter oder zur nächsten Tür. Die englische Sprachausgabe ist steif wie ein Brett und die Zwischensequenzen sind spärlich und kurz. Meistens ist hier nur dein startender oder landender Einsatzhubschrauber zu sehen. Das Gefühl eines Halo, Gears oder Killzone, dass die Menschheit in einem weltumspannenden Konflikt mit dem Rücken zur Wand steht, wird zu keiner Zeit auch nur ansatzweise erreicht.

In der Kampagne freigeschaltete Level kannst du auch im Herausforderungsmodus spielen. Hier versuchst du einen Level in möglichst kurzer Zeit, mit möglichst geringem Munitionsverbrauch, oder mit möglichst geringer Herzfrequenz zu absolvieren…Herzfrequenz? Sie wird auf dem unteren Screen dargestellt und ist gleichzeitig Wopers Lebensenergie und Ausdauer. Sie steigt bei feindlichen Treffern, aber auch, wenn Woper per Schultertaste schnell läuft. Gönn dem alten Mann in beiden Fällen eine Verschnaufpause, dann ist er schnell wieder fit für den Kampf. Eine interessante Mechanik, aber wehe du gerätst nach einem Sprint in ein Feuergefecht.

Bei der Steuerung gibt es drei Möglichkeiten. Wopers oder Samanthas Bewegungsrichtung wird immer mit dem linken Schiebepad kontrolliert. Benutzt du einen New 3DS, so kannst du Kamera und Blickrichtung mit dem rechten Analog-Gnubbel steuern. Hast du einen „Old“ 3DS mit Schiebepad Pro, so übernimmt das zusätzliche Schiebepad diese Aufgabe. Hast du beides nicht, dann musst du durch Bewegungen auf dem Touchscreen zielen, ähnlich wie bei Kid Icarus Uprising (vier von zehn gerupften Engelsflügeln, hauptsächlich aufgrund dieser Steuerung). Um es kurz zu machen: kannst du ein Schiebepad Pro benutzen, dann spiele damit. Kannst du kein Schiebepad Pro benutzen, dann spiele es nicht – Punkt! Beide Alternativen sind ein echter Krampf und für längere Sessions vollkommen ungeeignet. Von den massiven Nachteilen im Multiplayer mal ganz abgesehen.

Noch ein Wort zum durchaus interessanten Vertriebsmodell: eine stark abgespeckte Version des Spiels kann kostenlos heruntergeladen werden. Du kannst in die Kampagne reinschnuppern und darfst den Multiplayermodus auf einer speziellen Demokarte spielen. Der volle Mehrspielermodus bietet Deathmatch alleine oder in Zweierteams auf sechs Karten und das mit bis zu sechs Online-Kämpfern gleichzeitig. Leider ist online inzwischen nicht mehr allzu viel los, alternativ kannst du dir auch im lokalen Multiplayer die Kante geben. Hier sehe ich einiges Potenzial und du kannst einem unfairen Mitspieler so auch persönlich im Nahkampf eins auf die Mütze geben. Kampagne und Multiplayer können einzeln gekauft werden und kosten jeweils 9,99 Euro. Kaufst du beide, erhältst du als kleinen Bonus eine zusätzliche Waffe für den Multiplayer. Ich mag dieses System und finde es sehr fair. Du kaufst nur die Modi, die du auch tatsächlich spielen möchtest. Bitte nachmachen Triple-A-Games!

Machen wir uns nichts vor, Ironfall: Invasion existiert einzig und allein um zu beweisen, dass Deckungsshooter auf dem 3DS möglich sind. Den Beweis liefert das Spiel, jedoch kann es darüberhinaus keinerlei eigene Akzente setzen. Der zweigeteilte Name suggeriert jedenfalls, dass es irgendwann mal eine Fortsetzung geben könnte. Ironfall: Redemption, Retribution, Revenge, Reloaded. Auf jeden Fall irgendwas mit R. Sollte hier ein ähnlicher Qualitätssprung hingelegt werden wie bei Gears of War damals, dann sehe ich aber durchaus Potenzial in der Marke. So reicht es leider nur für fünf von zehn graublauen Schraubenmuttern.

Ironfall: Invasion

Wertung: 5/10
Publisher: VD-dev
Entwickler: VD-dev
Plattform: Nintendo 2DS/3DS
Preis (Download): Kampagne und Multiplayer kosten jeweils 9,99 Euro.

Die Review-Version wurde selbst gekauft. Alle Screenshots stammen vom Publisher.

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Ich bin Martin und habe schon alles gezockt was Knöpfe hat. Ich unterstütze Thomas mit Reviews und Berichten aus den tiefsten Nischen, die unser Daddelhobby zu bieten hat.
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