Review: Horizon Chase Turbo – Back on da Track

Wunderschön-altmodische Arcade-Flitzerei in bester Top Gear-Tradition

© Martin Nagel

Arcade – wie hat sich dieser Begriff inzwischen verändert. Ursprünglich bezeichnete er harte, direkte und zugängliche, aber niemals anspruchslose Action direkt aus der Spielhalle oder ihrem unmittelbaren Umfeld. Inzwischen steht er für das Gegenteil von Simulation, oft auch mit einem abfälligen Beigeschmack – ein Grund mehr warum ich die selbstgefällige PC-Masterrace manchmal an die Wand klatschen könnte.

Besonders schlimm war mal ein Balkendiagramm in Testkästen der Zeitschrift Gamepro. Beim Test der PS2-Version von Virtua Fighter 4 stand es ganz auf Simulation, obwohl das Spiel auf einem Arcade-Automaten basiert. Im Rennspiel-Genre gibt es auch ein paar schöne Beispiele. Need for Speed und Forza Horizon werden heute landläufig als Arcade-Racer bezeichnet, obwohl beide niemals eine Spielhalle von innen gesehen haben.

„Wir sehen uns in Timbuktu“ – © Martin Nagel

Passing Breeze

Das brasilianische Studio Aquiris hat sich vorgenommen die richtigen Arcade-Racer zurückzubringen. Genau so wie sie in der Spielhalle, auf Mega Drive oder Amiga laufen könnten – ohne Rückspulfunktion und nur mit Außenkamera. Zuerst auf Android-Systemen wie dem gescheiterten Ouya erschienen, kommt das Teil jetzt für alle Konsolen und den PC

Fröhlichbunte, aber knackscharfe und immer flüssige Voxel-Grafik lässt dein Retroherz strahlen. Im Rahmen einer World Tour besuchst du Strecken auf allen Kontinenten. Ich fand es herrlich fremde Länder besuchen zu dürfen ohne ihnen Krieg und Tod bringen zu müssen. Brasilien, das Heimatland der Entwickler, ist besonders farbenfroh gestaltet. 110 Strecken in 48 Städten gibt es insgesamt zu befahren. Jede von ihnen ist ein handgeschliffener Rundkurs der gelernt und trainiert werden möchte. Rogue-Elemente gibt es hier ebenso wenig wie Lootboxen.

Sogar die Musik ist hier original. Als Komponist ist Barry Leitch an Bord, der früher ganz viel Chiptue gemacht hat und etwa die meisterhaften Soundtracks der Top Gear-Serie auf dem SNES komponierte. Die Musik passt dann auch wunderbar zum Spiel. Leicht, positiv, aber doch aufbrausend unterstützt sie die Rennatmosphäre und trägt dich breit grinsend in’s Ziel.

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Magical Sound Shower

Der Star in einem Arcade-Racer ist natürlich die Steuerung. Hier ist sie Spot-On, ob analog oder digital. Mit etwas Übung driftest du locker durch die Lücken zwischen deinen Kontrahenten. Der Fahrer hat dabei immer einen locker-cheesigen Spruch auf den Lippen, wie damals bei Top Gear. Das heißt aber nicht dass deine Gegner es dir leicht machen! Sie stehen eigentlich immer im Weg und verlangen dir dynamische Spurwechsel ab. Wenn du sicher fährst und Kollisionen vermeidest hast du aber immer gute Chancen auf den Sieg.

Kann es bei einem so geradlinigen, kompakten Spiel auch Feinheiten geben? Oh ja! Auf jeder Strecke gibt es etwa 15 bis 20 Pickups. Nur wenn du sie alle sammelst und den ersten Platz gewinnst hast du eine Strecke perfekt gemeistert. Im Grand Prix-Modus, in dem du mehrere Strecken hintereinander absolvierst, sind die Pickups optional. Jedoch geben sie dir einen kleinen Speedboost. Weiterhin gibt es eine (zum Glück recht freundliche) Benzin-Mechanik und aufsammelbare Nitro-Boosts.

Praktisch ist ein kleiner Countdown der dich nach jeder Pause wieder sicher in’s Spiel bringt. Manchmal setzt während des Rennens die Dunkelheit ein, dann schalten die Boliden automatisch ihr Licht an. Die Benzin-Pickups werden dir erst dann auf der Streckenkarte angezeigt wenn der Motor kurz vor dem Hungertod ist. Und natürlich kannst du einen Mario Kart-Blitzstart hinlegen. Es ist schön wenn an solcherlei Kleinigkeiten gedacht wird.

Splitscreen lebt! – © Playstation.com

Splash Wave!

Warum ist das Review so kurz? Einfach weil es über Horizon nicht viel zu sagen gibt. Schlichte Eleganz bedarf nicht vieler Worte. Aber bitte unterstütze dieses Spiel! Hier trieft Liebe aus jedem Pixel, und Steuerung sowie Spielgefühl sind schlicht brilliant. Das einzige was mir gefehlt hat war etwas mehr „rauf und runter“ bei den Strecken, und vielleicht etwas präsentationstechnischer Zuckerguss Marke OutRun 2. Fans geradliniger, arcadiger Racer kommen an dem Spiel aber unmöglich vorbei.

Eine PS4-Disc gibt es exklusiv im Heimatland Brasilien. Ansonsten bleibt dir der Download für alle Systeme. Zumindest für Switch ist aber auch in Palien eine Boxed-Version geplant. Die Entwickler stecken hierzu gerade in Verhandlungen.

„Beste Grüße, Siebenschläfer!“ – © Martin Nagel

Michael meint dazu: Es ist kein Geheimnis: Ich liebe Arcade-Racer! Insbesondere Ridge Racer, OutRun, Daytona und Sega Rally haben es mir angetan. Alles was ich an diesen Spielen mag wird in Hozizon erfolgreich vereint.

  • Flüssige Steuerung die leicht von der Hand geht – Check!
  • 60 FPS für ein angenehmes Fahrerlebnis – Check.
  • Lange Kampagne in der wir über viele bunte ausgefallene Strecken brettern dürfen – Check.

Nehmen wir jetzt noch ein gutes Belohnungssystem hinzu, bekommen wir eine sehr schöne Erfahrung. Grundlegend ist das Spiel für jeden sofort zugänglich und leicht zu erlernen. Das „Eine Runde noch“- Gefühl hat mich immer wieder gepackt. Lediglich die Coins können hier und da besser platziert sein, da ich hier oft ein leichtes Balancingproblem verspürt habe. Außerdem kann ich verstehen wenn dir der Grafikstil nicht zusagt. Der ist nun wirklich Geschmackssache. Ich find ihn jedenfalls klasse und fühle mich an die alten OutRun-Zeiten erinnert. In diesem Sinne klare Empfehlung von einem ausnahmsweise nicht enttäuschten Fan der alten Arcade-Racer-Schule.

Horizon Chase Turbo

Wertung: 9/10
Publisher: Aquiris Game Studio
Entwickler: Aquiris Game Studio
Plattform: PS4 (getestet), Switch, Xbox One, PC
Preis: 19,99 € (Download)

Das Review-Exemplar wurde selbst gekauft. Alle Screenshots bis auf das Multiplayer-Bild wurden selbst angefertigt.

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