Review: Gynoug

Ich hab Gynoug – hach, wie lange wollte ich das schon sagen? …okay, ich sehe du bist nicht ganz so begeistert. Es ist halt einer dieser Gags, die nur dann richtig Spaß machen wenn man ihn selber reißt. Wie kommen wir nun wieder zusammen? Vielleicht, indem ich zuerst mal ein paar journalistische Fakten zusammentrage:

Gynoug wurde ursprünglich 1991 auf Mega Drive veröffentlicht, und ist eines der ganz wenigen Masaya-Games mit weltweitem Release. Zur damaligen Zeit waren Technik, Stil und Optik herausragend, und sollten einen Vorgeschmack auf den männlichen Wahnsinn in Cho Aniki bieten. Du (und nur du, es ist ein Einzelspieler-Abenteuer) steuerst Wor, einen Typ mit Flügeln. Somit macht der US-Titel „Wings of Wor“ gleich weit mehr Sinn als Gynoug, denn das Spiel erklärt uns nicht was ein Gynoug ist.

Vor diesem wunderschönen Hintergrund findet leider ein Bossrush statt – Bild © Martin Nagel

Wors Engelsgestalt und viele der Designs, Hintergründe und Bosse erinnern an das alttestamentarische Konzept von Himmel und Hölle. Manche Szenen aus dem Spiel sehen aus, als sei Hieronymus Boch unter die Pixel Artists gegangen. Tatsächlich spielt die Handlung aber auf dem fernen Planeten Iccus, wo ein Virus monströse Kreaturen hervorgebracht hat. Iccus, klingt fast wie Icarus… – nee, ist bestimmt Zufall.

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Wors horizontale Reise zeigt beeindruckende Höhlen- und Himmelspanoramen. Besonders stark fand ich es, wie sich in der ersten Stage die ganze Levelkonstruktion etwas seitlich verschoben hat. damals sicherlich ein ähnlich beeindruckender Effekt wie der wegbrechende Boden in Musha Aleste. Dabei bleibt das Spielgeschehen stets superflüssig, auch wenn sich ganze schwärme von Gegnern fast Bullethell-artig auf unseren Kampf-Engel stürzen.

In der ersten Stage geht es noch vergleichsweise normal zu – Bild © Martin Nagel

Im direkten Vergleich mit Gleylancer ist das Gebotene aber eine ganze Stufe schwächer. Hintergründe sind grobpixelig und detailarm, und werden über die ganze Länge einer Stage genutzt, wodurch etwas die Abwechslung fehlt. Auch spielerisch merkst du, dass Masaya hier das shmup-Handwerk erst lernen musste. Manche Bullets sind arg klein und schwer zu sehen, und manche Schussmuster sogar unfair. Auch hätte ich mir für den Engel eine etwas langsamere und somit präzisere Fluggeschwindigkeit gewünscht.

Into the Pink – Bild © Martin Nagel

Etwas arg kryptisch ist leider auch das Magiesystem geraten. Wor sammelt Papyrus-Fetzen mit Buchstaben drauf. Hat er drei davon zusammen, wird aus der Buchstabenkombination der erhaltene Zauber ermittelt. Wor kann mehrere Zauber auf Knopfdruck durchschalten, diese kosten unterschiedliche Mengen an Magiepunkten. Leider wird nicht erklärt, welcher tauber welche Wirkung hat. Hier hilft nur ausprobieren und merken.

Öööööhm ja. Jede Bildunterschrift muss hier scheitern – Bild © Martin Nagel

Dies sind jedoch nur leichte Kratzer im Lack. Es ist beeindruckend, wie gut Gynoug auch nach dreißig (!) Jahren noch funktioniert. Das Spielgefühl ist schnell, fluffig und befriedigend, sodass es Spaß macht, Zeug explodieren zu sehen. Die Bosse sind groß, heftig und kreativ, und die Kämpfe gegen sie kurz genug um nicht zu frustrieren. Den Bossrush am Ende hätte es hingegen nicht gebraucht. In Summe ist Gynoug aber weit besser und würdevoller gealtert als, sagen wir, Thunder Force 3 oder Super R-Type am SNES.

Gynoug liebt große Gesichter – Bild © Martin Nagel

Wie schon der kürzliche Release von Gleylancer für aktuelle Konsolen, so wurde auch Gynoug behutsam an moderne Spielgewohnheiten angepasst. Gleich ein Twinstick-Shooter ist es allerdings nicht geworden. Hierzu hat Gleylancer mit seinem typischen Waffensystem auch eine allzu steile Vorlage geliefert, welche in Gynoug fehlt. Stattdessen kannst du dir zu Beginn des Spiels verschiedene Cheats einstellen, wie Unverwundbarkeit, unendliche Leben, Credits oder Magie. Die Option, die Ausbaustufe deiner Waffe nach dem Tod zu behalten, scheint mir hier die einzige Sinnvolle Wahl zu sein, da die anderen Cheats das Spiel schlicht zu leicht machen. Dazu kommen noch Savestates und eine Rückspulfunktion mit einstellbarer Geschwindigkeit. Wer diese Funktionen nutzt, sieht in der PS4-Version innerhalb kurzer Zeit die Platintrophäe. PS5-Besitzer erhalten ein kostenloses Upgrade, und können so Doppelplatin abgreifen.

Gynoug

Wertung: 7,5/10
Publisher:
 Ratalaika Games
Entwickler: Masaya/LLC Shinyuden
Plattform: PS4, PS5 (getestet) SwitchXbox One, Wii, WiiU, Mega Drive
Preis: 
5,99 €

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Ratalaaika Games zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt und stammen von der Switch-Version.

Martin
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