Review: Granblue Fantasy Versus – Teekesselchen

Drei Welten treffen aufeinander

„Beatem ups sind so Sachen wie Street Fighter“ – „Nee, sowas wie Streets of Rage“ – „Aber ich habe das immer schon gesagt“ – „Ist aber falsch“ – Nerven dich diese immer gleichen Diskussionen? Mit Granblue Fantasy Versus haben sie ein Ende. Das Spiel ist beides in einem.

Granblue Fantasy Versus ist der neueste Streich von Arc System Works, welche um 2000 herum das Beat… Verzeihung, Fighting Game – also das Street Fighter-Ding, grundlegend revolutionierten. Guilty Gear brachte eine völlig neue Beweglichkeit und Dynamik in das gerade anstaubende Genre, und wirkte ähnlich belebend auf die Fighting-Szene wie Ikaruga auf die Entwicklung unserer geliebten 2D-Ballereien. Nebenbei wurde ein neuer und bis heute gültiger Standard für 2D-Animationen gesetzt. In den folgenden zwei Jahrzehnten erkämpfte (pun intended) sich Arc System seinen Ruf als hervorragender Entwickler für Fighting Games. Neben Eigenentwicklungen wie Blazblue durfte man sich von JoJos Bizarre Adventure über Persona bis Dragon Ball auch an allerlei kampflastigen Anime-Lizenzen austoben.

Prinzesschen Reifrock teilt aus!

Das vorliegende Granblue Fantasy Versus ist eine dieser Lizenzentwicklungen. Das Franchise feierte seine Geburt 2014 als Rollenspiel auf IOS- und Android-Handys. Hierfür konnte kein Geringerer als der ehemalige Final Fantasy-Hofkomponist Nobuo Uematsu für den Soundtrack gewonnen werden. Hideo Minaba, ebenfalls durch Final Fantasy bekannt, ist als Artdirector an Bord. Später folgten mehrere Mangaserien und Light Novels, und schließlich eine Anime-Verfilmung. Mit Granblue Fantasy Re: Link ist ein 3D-Brawler bei Platinum Games in der Mache. Es tut sich also einiges in den azurblauen Himmeln.

Wie war das nun mit der Genrezuordnung? Das Spiel bietet zwei große Spielmodi. Einmal das bekannte VS-Fighting mit Arcade-Modus, Online-Duellen und Couchfights. Als zweites den Rollenspielmodus. Hier kloppst du dich in Brawler-Manier durch kurze Szenen mit Massen an Mini-Gegnern, sammelst Loot und Erfahrungspunkte, bastelst Waffen, erforscht Welt und Story.

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Die Kämpfe im Rollenspielmodus haben mich sehr an Treasures Saturn-Klassiker Guardian Heroes denken lassen, nur ohne die Bahnen. Menschliche Soldaten kommen als flinker Schwertkämpfer auf dich zu, als Lanzenträger mit erhöhter Reichweite, oder als Armbrustschütze mit noch mehr Reichweite. Weiterhin erhältlich: Dicke Brocken mit Turmschilden, sowie allerlei kleine und große Monsterviecher.

Da die Feinde im Brawler-Modus von allen Seiten kommen, musste die bekannte Fighting Game-Steuerung etwas angepasst werden. Du blockst nicht mehr durch „Gegenlenken“, sondern mittels Schultertaste. Specials und Superspecials können ebenfalls mit Schultertasten ausgelöst werden. Wer klassisch Viertelkreise benutzt, bekommt eine kürzere Cooldown-Zeit. So werden Anfänger abgeholt und Profis belohnt.

„Nur über meine thothe Leiche!“ – Gran und sein Viech beschützen Lyria.

Es befinden sich immer etwa 5-6 Feinde gleichzeitig auf dem Schirm, und Standard-Mobs sind nach zwei Treffern entsorgt. Das liefert einen angenehm flotten Spielfluss und ein befriedigendes Fortschrittsgefühl. Etwas mehr anstrengen musst du dich bei den Bossen. Hier kämpfst du gegen Charaktere aus dem VS-Modus, mit all ihren Moves und voller Energieleiste. Als kleinen Trost kannst du hier auch wieder normal blocken.

In der Geschichte folgen wir Gran (Aaaaah!) seinem Spieldrachen und einer zusammengewürfelten Crew aus Luftpiraten bei ihrer Reise quer über die schwebenden Inseln. Gran ist ein ehemaliger Ritter des Imperiums, der mit seiner Truppe die blauhaarige Mondprinzessin Lyria aus den Fängen des Imperiums befreien konnte. Nun wird die Gang gejagt, denn Lyria wurde unter Folter zur magischen Superwaffe umgeforscht. Gran & Blue – geht da was zwischen den beiden? Finde es heraus…

Freiheit!

Die Welt ist wildromantisch und Segablau, und die Storyprämisse erinnert stark an den Rollenspielhit Skies of Arcadia. Dennoch wollte sich bei mir nicht die gleiche Schockverliebtheit einstellen wie damals an der Dreamcast. Zu poliert, zu zurechtgemacht, zu gefallsüchtig, zu modern, in einem Wort durchdesignt wirkt diese Welt. Skies of Arcadia bezieht seine Faszination nicht zuletzt aus genau der richtigen Dosis Ecken und Kanten.

In den Gesprächen (Textboxen mit recht guter Sprachausgabe, japanisch und englisch) kanst du jederzeit ein Wikipedia-artiges Lexikon aufrufen und dir „Fachbegriffe“ wie Orte und Charaktere erklären lassen. Trotzdem verlief der Einstieg bei mir etwas holperig. Die Truppe möchte unbedingt die Ritterkommandantin Katalina besuchen, mit der sie wohl befreundet ist. Katalina kämpft nun aber loyal für die Gegenseite, was unseren Blitzbirnen aber noch keiner gesagt hat. Später wird die Story aber noch spannend.

Im Rollenspielmodus wird dir „on the fly“ die Steuerung erklärt.

Besiegte Gegner lassen reichlich Loot zurück, welches automatisch eingesammelt wird. Im übersichtlichen Menü kannst du Waffen bauen, aufwerten und mit Elementarschaden versehen. Gleiche Teile lassen sich verschmelzen um den Gesamtlevel zu erhöhen. Du kannst sogar Loadouts festlegen oder deine Lieblingswaffe mit einem Schlösschen davor sichern, dass du sie aus versehen verkaufst. Du beginnst zwar mit Gran, schaltest später aber auch weitere Charaktere frei.

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Nun zur wirklich entscheidenden Frage bei einem Prügelspiel: Wie spielt es sich denn nun? glücklicherweise fast wie immer. Das bekannte Quilty Gear-System wurde etwas entschlackt und für das Rollenspiel-Publikum auf Zugänglichkeit getrimmt. Dem ist leiderleider mein geliebter Air Dash zum Opfer gefallen. Das macht insoweit Sinn, alsdass Kämpfe mit Standardgegnern in der regel am Boden stattfinden. Du kannst aber immer noch mit Doppelklick sprinten, dich midair recovern und deine Kombo von weak nach strong durch-chainen.

Im übersichtlichen Menü kannst du deine Waffen stärken – gegen Bares, versteht sich.

Verglichen mit dem superschnellen Guilty Gear wirkt das Movement der Charaktere hier etwas schwerfälliger und gemächlicher. Gran und Kollegen laufen an und laufen nach. Das klingt nach Kritikpunkt, gefällt mir aber ganz gut. Es gibt den Charakteren Gewicht und Kinetik, und sorgt für ein angenehm anderes Spielgefühl. Speziell im Rollenspielmodus wäre es wohl langweilig, einen zu flotten Charakter zu spielen.

Natürlich gibt es auch die weirden Charaktere. Lowain baut kleine Roboter-Püppchen von sich selbst, und schickt sie in den Kampf.

Dem Vs-Modus kommt dies auch zugute. Dass jeder Chara nur drei oder vier Specials und einen Superspecial hat, welche zudem meist über Viertelkreise ausgeführt werden, finde ich nicht verkehrt. Langfristig mag Profis zwar Spieltiefe fehlen, aber ich finde es gerade angenehm mich nicht durch Berge von Combos und Cancel-Mechaniken arbeiten zu müssen.

Insgesamt bin ich wirklich angetan von Granblue Fantasy Versus. Das Spiel funktioniert als Fighter, als Brawler und als RPG. Hardcore-Combo-Auswendiglerner werden sicherlich nicht satt, dafür alle anderen. Es sieht schön aus, klingt schön und spielt sich schön. Wem das nicht reicht, der wird eh auf Guilty Gear -Strive- warten.

Granblue Fantasy Versus

Wertung: 9/10
Publisher: Cygames, Marvelous Europe Limited
Entwickler:
 Arc System Works
Plattform: PS4, Steam-PC
Preis: 59,99 €, 79.99 mit Character Pass, 99,99 mit digitalem Artbook und Soundtrack (PS4) 59,99 € oder 79,99 mit Caracter Pass (Steam)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key vom Publisher Marvelous Europe Limited zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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