Review: Giana Sisters: Twisted Dreams – Fresh Girls!

Halloween-Special Teil Zwei: Dash 'n Twirl

© Blackforest Games, Martin Nagel

Kennst du das originale Giana Sisters vom C64? Was war das damals für eine Sensation! Ein kleiner Entwickler zeigt Lizenz-Diktator Nintendo frech wie Robin Hood den Mittelfinger und kopiert mal eben deren größten Erfolgstitel. Und dann kommen die Jungs auch noch aus Deutschland! 

Aber macht das alles das Spiel besser? In meinen Augen nicht, in denen vom Rest der Welt aber schon. Während Mario Bros. 1 hervorragend gealtert ist und auch heute noch durch saubere Spielbarkeit, perfektes Leveldesign und viel Feintuning punktet, so kann ich Giana Sisters heute nur noch unter Schmerzen spielen. Das Leveldesign ist so generisch und ausgewaschen wie in jedem Maskottchen-Plattformer aus den Neunzigern und Feintuning ist praktisch nicht vorhanden. Einzig die Musik von Chris Hülsbeck ist richtig gut, auch wenn sie gefühlt alle zehn Sekunden loopt.

Nostalgie macht keine guten Spiele, und doch wurde in vergangenen Jahren immer wieder versucht mit halbherzigen Reboots die Welle zu reiten. 2012 sollte sich das ändern. Aus der Asche des bankrotten deutschen Studios Spellbound Entertainment formierte sich Black Forest Games, welche über Kickstarter die Twisted Dreams finanzierten.

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Warum sind die Dreams twisted, und was macht das Spiel so gut?

Der böse Gurglewocky (dieses große dicke Drachenvieh das rein physikalisch eigentlich unmöglich fliegen kann) hat Maria in die Traumwelt entführt und Giana flitzt natürlich gleich hinterher. Aus spielmechanischen Gründen hat sie zwei Persönlichkeiten entwickelt: Cutie und Punkie. Auf Wikipedia steht was von Zwiespalt zwischen Wut und Selbstbewusstsein als Symbol für die pubertäre Entwicklung, aber ach komm!

Giana kann also jederzeit zwischen zwei Persönlichkeiten wechseln. Auf Switch passiert das mit ZR. Dabei wechseln auch Grafik und Musik. Punkie landet in einer märchenhaft-romantischen Umgebung, während es Cutie in eine grausige Zerrwelt mit allerlei Spukgestalten verschlägt – jedes der Mädchen erlebt seine ganz persönliche Hölle.

Punkie wird mit idyllischen Hintergründen gequält – © Blackforest Games, Martin Nagel

Auf die Spielmechanik wirkt sich dieser Kniff auch aus. Punkie kann dashen, Cutie kann twirlen. Beide Techniken sind jederzeit einsetzbar, aber du wechselst automatisch die Welt wenn du dich gerade „im falschen Mädchen“ befindest. Das solltest du immer im Hinterkopf behalten, denn beim Wechsel ändert auch der Wasserstand und bewegliche Plattformen und Hindernisse wechseln ihre Richtung,

Was bedeuten nun Dash und Twirl? Der Dash ist ein schneller Vorstoß in die Richtung die das Steuerkreuz vorgibst. Du kannst damit Gegner treffen, bestimmte Wände einreißen und dich bei weiten Sprüngen auf die Plattform retten. Der Twirl hat einen selten dämlichen Namen, hilft dir aber enorm wenn du langsam und präzise auf winzigen Plattformen unter dir landen willst.

Jetzt nicht die Richtung wechseln! – © Blackforest Games, Martin Nagel

Schwierigkeitsgrad: nach oben offen!

Beide Techniken gehen einmal pro Sprung. Um sie wieder aufzuladen musst du entweder den Boden berühren oder vom Kopf eines Gegners abspringen. Wenn jetzt extrem fiese und knappe Labyrinthe aus fliegenden Gegnern vor deinem geistigen Auge aufsteigen liegst du richtig. Die Designer nutzen die Möglichkeiten dieses Sets an Fähigkeiten voll aus und haben einige knallharte, aber immer schaffbare und hochkreative Levelkontruktionen für dich gebaut.

Wem das nicht reicht, der kann kannst du die Schwierigkeitsgrade Hardcore (ein Leben pro Level) und Über-Hardcore (ein Leben für das gesamte Spiel) freispielen. Viel Spaß – aber sag nicht ich hätte dich nicht gewarnt.

Locke die Geister in den Laser um sie zu vernichten. Der Köder: dein Körper! – © Blackforest Games, Martin Nagel

Mucke vom Chris

Die Musik kam wieder von Chris Hülsbeck. Ich bin sonst nicht sein allergrößter Fan, aber hier hat er wirklich ein Meisterstück geschaffen. In Stages mit Piratenschiffen hörst du seine eigene und sehr gelungene Interpretation des Fluch der Karibik-Themas. Es gibt von jedem Stück eine Cutie- und eine Punkie-Variante. Dankenswerterweise kannst du einstellen welchen Track du hören möchtest, oder ob die Musik beim Weltenswitch mitwechseln soll. Letzteres ist eine witzige Idee, aber auf die Dauer doch etwas anstrengend für die Ohren. Ich habe daher recht schnell dauerhaft auf den Cutie-Stil geschaltet. Hier sind die Tracks sehr melodisch, leicht beschwingt und sogar irgendwie episch – Chapeau Herr Hülsbeck!

Die vorliegende Version ist „Owltimate“, also Ultimate mit ’ner Eule drin. Damit ist der Federmeister gemeint, eine kleine unscheinbare Eule die dir als TLB fast Cave-artige Schussmuster um die Ohren ballert. Ikaruga wäre vielleicht der bessere Vergleich, da du vielen Angriffen auch durch Farbwechsel ausweichen kannst. Zusätzlich enthält diese Version fünf zusätzliche Level mit Weihnachts- und Halloweenthema, die teilweise allergings auch schon im 2015 veröffentlichten Directors Cut drin waren. Reichlich freispielbare Bildergalerien sind selbstverständlich.

In den Federmeister-Levels erwartet dich beinharte Pingpong-Action Marke Donkey Kong Country – © Blackforest Games, Martin Nagel

Meckern auf hohem Niveau

Du weißt ich meckere gerne, und auch so süße Mädchen bleiben vor etwas Kritik nicht verschont. Hier stört mich dass das Leveldesign sehr „editorig“ wirkt, also dass du die einzelnen Segmente aus denen eine Welt besteht sehr deutlich siehst. Das fällt besonders auf wenn du auch das ebenfalls von Black Forest Games stammende Bubsy: The Woolies Strike Back gezockt hast, welches erkennbar mit der selben Engine gebaut wurde. Auch stört mich dass Vordergrund und Hintergrund manchmal nicht recht zusammenpassen wollen. Hier habe ich aber das Gefühl dass vom ursprünglichen Release zur Owltimate Edition schon etwas nachgebessert wurde.

Auch könnte die Grafik an einigen Stellen noch farbiger und kontrastreicher sein. Oft fällt es mir schwer zerstörbare Blöcke von normaler Levelarchitektur zu unterscheiden. Das ist für Geheimräume okay, wird aber manchmal auch für den Standardweg genutzt – inklusive Zeitdruck durch tödliche Wände. Auch wünsche ich mir mehr Flexibilität bei der Steuerung. Das sonst üppige Optionsmenü erlaubt keinerlei Knopfkonfiguration. Schließlich fehlt mir noch das letzte Bisschen Präzision in der Steuerung, auch und speziell im Zusammenhang mit dem hohen Schwierigkeitsgrad. Deswegen reicht’s bei mir auch nicht für eine Neun oder Zehn. Trotzdem empfehle ich: zocken, genießen, verzweifeln.

Giana Sisters: Twisted Dreams – Owltimate Edition

Wertung: 8/10
Publisher: THQ Nordic über Handygames
Entwickler: Black Forest Games
Plattform: Switch (getestet), Xbox 360, Xbox One, PS3, PS4, WiiU, Windows-PC
Preis: 29,99 €

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Publisher Handygames zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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Martin

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