Review: Clicker Heroes – Das dümmste Spiel der Welt

Click, Click, Click...

© Playsaurus

„Clicker“-Games gibt es auf Smartphones schon eine ganze Weile. Bei ihnen geht es darum auf den Bildschirm zu tippen und durch irgendwie gearteten spielerischen Content dafür belohnt zu werden. Mit Clicker Heroes hat es das erste Spiel dieser Art nun auch auf die Konsolen geschafft.

„Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann!“, lautet ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry, dem Autor des Kleinen Prinzen. Diese Weisheit hat sich der Indie-Entwickler Playsaurus zu Herzen genommen und ein maximal vereinfachtes Rollenspiel geschaffen. Keine Oberwelt, keine Dungeons, keine Story – nur die Heldenparty, ihre Schadenspunkte und viele viele Monster.

Links im Bild siehst du das aktuell zu besiegende Monster, rechts wird die Party organisiert. Der erste tapfere Recke ist auch schon zur Stelle: Cid, der hilfsbereite Abenteurer. Mit der Quadrat-Taste auf dem Controller der PlayStation wird das Tippen auf dem Touchscreen des Smartphones emuliert. Der Held schwingt sein Schwert, das Monster erleidet Schaden. Keine Angst, zurückschlagen können die Viecher nicht. Hast du deinen Gegner totgeknüppelt, so erhältst du Goldmünzen. Damit kannst du Cid im Level aufsteigen lassen, damit er mehr Schaden pro Klick anrichtet. Warum keine Erfahrungspunkte? Gold ist wohl die verlockendere Beute.

Zehn Gegner musst du besiegen, um die aktuelle Stufe zu schaffen. Dann kannst du mit den Schultertasten den Raum wechseln und die nächste Stufe angehen. Alle fünf Stufen erwartet dich ein Endgegner. Dieser setzt dir ein Zeitlimit von 30 Sekunden, innerhalb derer er gelegt werden möchte. Schaffst du es nicht, so beginnt der Kampf von vorne. Du musst deine Helden also immer soweit aufleveln, dass sie stark genug sind, um den aktuellen Boss innerhalb des Zeitlimits zu besiegen. Es gibt 3.600 Stufen insgesamt.

© Playsaurus, Screenshot Martin Nagel

Selbstbefriedigung

Wird dir die Klickerei schon zu viel? Ist anstrengend, nicht? Auch dafür gibt es eine Lösung. Hast du Cid etwas aufgelevelt, so werden weitere Helden zum Kaufen und Aufleveln freigeschaltet. Cid verfügt ausschließlich über Klickschaden, aber diese Helden haben noch eine weitere Schadensart: SPS. Ich weiß nicht was SPS heißt und es wird im Spiel auch nicht erklärt – dabei wird sonst alles erklärt und zwar wirklich vorbildlich. Durch Druck auf R3 kannst du ein Hilfefenster aufrufen und auf jedem beliebigen Helden, jeder Fähigkeit (dazu später mehr) und jedem Schadenswert platzieren. Gut geschriebene Erklärungstexte helfen dir dann weiter.

Was bedeutet SPS nun? Ich vermute Schaden pro Sekunde. Helden mit SPS-Wert greifen nämlich automatisch an und vernichten Monster. Die SPS aller gekauften Helden werden dabei zusammengezählt. Fortan ist es deine Aufgabe, deine Recken so effektiv wie möglich aufzuleveln, um den maximalen Schadenswert aus dem kleinsten finanziellen Einsatz herauszukitzeln.

Ganz recht, Clicker Heroes spielt sich weitgehend alleine. Damit hat es das Spiel geschafft die größte Fehlerquelle im Design von Videospielen auszuschalten: den Spieler. Mein erster Impuls war es, Clicker Heroes eine Weile alleine laufen zu lassen um Gold erwirtschaften zu lassen. Ich habe inzwischen DVDs geschaut oder am Röhrenfernseher bessere Spiele gezockt. Schnell merkte ich aber, dass das Spiel auch dann Kohle scheffelt, wenn die Konsole ausgeschaltet ist. Ein Algorithmus berechnet dein Einkommen anhand der höchsten gemeisterten Stufe und der verstrichenen Zeit. Seitdem werfe ich das Spiel nur alle paar Tage mal kurz an, schaue nach dem Gold und pflege meine Helden – ähnlich wie beim Tamagotchi damals.

© Playsaurus, Screenshot Martin Nagel

Die große Leere

Ein Spiel, das sich selbst spielt – wo bleiben da Herausforderung und Entertainment für den Spieler? Seine/deine/unsere Aufgabe ist das kluge Ausgeben des eingenommenen Goldes. Helden wollen gekauft und aufgelevelt, Spezialfähigkeiten freigeschaltet und ausgerüstet werden. Jeder Held hat ein paar Specials die etwa seine SPS um 25 Prozentpunkte erhöhen. Einige Helden buffen aber auch die gesamte Truppe. Hier musst du klug entscheiden, wann du die Aufwertung kaufst. Hast du vorher reichlich gelevelt, so bringt sie dir mehr, du musst aber auch länger drauf warten.

Es gibt auch eine Handvoll aktive Skills. Etwa den Klicksturm, der 30 Sekunden lang automatisch angreift – also das andere Angreifen, das mit Klickschaden. Andere Skills erhöhen deine kritische Trefferrate oder verschaffen dir temporär mehr Gold. Sie alle haben einen Cooldown, können also nicht ewig eingesetzt werden. Spare sie dir für das Niederringen des nächsten Bosses auf.

Manchmal fliegt auch ein Vögelchen durch’s Bild. Du kannst es mit der etwas unhandlichen Tastenkombi L3 + irgendeine Aktionstaste vom Himmel holen und kriegst dafür Gold, einen kostenlosen Klicksturm oder die Premiumwährung des Spiels. Mit der Premiumwährung kannst du dir etwa zufällige goldene Helden mit etwas mehr Schaden kaufen oder deine gesamten SPS verdoppeln. Das alles klingt cool, bietet aber keinen spielerischen Mehrwert. Letztlich sparst du nur Zeit.

© Playsaurus, Screenshot Martin Nagel

Nach und nach entdeckst du weitere Spielmechaniken zum Zeit sparen. Dunkle Rituale, Artefakte, Heldenseelen…du kannst auch mit der ganzen Welt Prestige gehen und mit höherem Anfangsschaden von vorne anfangen. Doch eigentlich ist das alles nur Tünche. Du machst in diesem Spiel immer das Gleiche und das ist sehr, sehr wenig. Der Ablauf ist immer gleich, auch wenn sich die Zahlen für Gold und Schaden in schwindelerregende Höhen schrauben.

Oberwelt, Dungeons, Story… inzwischen vermisse ich sie schon. Das einzige Entertainment neben dem nie enden wollenden Kampf sind die putzig gestalteten Monster und einige humorvolle Namen und Texte. Cindy die Sandburgprinzessin, Ivan der schreckliche Trinker, das vegane Steak… ich musste schon manchmal schmunzeln, aber auch das trägt das Spiel nicht. Es bleibt ein repetitiver Schlauch bis zur magischen Stufe 3.600. Vier von zehn klingenden Goldtalern für die kurzzeitige Faszination, das kreative Spieldesign und die konsequente Umsetzung.

Das Spiel kann kostenlos heruntergeladen werden und ist eine Anspielsession wert – aber WEHE ich erwische dich beim Ausgeben von Echtgeld!

Clicker Heroes

Wertung: 4/10
Publisher: Playsaurus
Entwickler: Playsaurus
Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, iOS, Android, Browser
Preis: kostenlos

Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

Martin
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Martin

Ich bin Martin und habe schon alles gezockt was Knöpfe hat. Ich unterstütze Thomas mit Reviews und Berichten aus den tiefsten Nischen, die unser Daddelhobby zu bieten hat.
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