Review: Call of Cthulhu

Betrete den Wahnsinn!

© Martin Kro

ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn! Wenn du dich jetzt fragst, ob ich auf der Tastatur eingeschlafen bin, dann überlege genau, ob du weiterliest! Denn diese kryptisch anmutende Wortabfolge ist nicht nur ein Kuddelmuddel aus Buchstaben, nein vielmehr ist es für Lovecraft-Jünger vielleicht eines der wichtigsten Zitate aus seinem Werk Call of Cthulhu (im deutschen Ruf des Cthulhu). Natürlich fange ich meine Review nicht ohne Grund mit diesen Worten an. Denn das 2018 erschienene Call of Cthulhu wurde jüngst auch auf der Nintendo Switch veröffentlich und wie sich das Game, samt Switch Version schlägt, dass will ich euch Hobby-Okkultisten gerne verraten.

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Edward Pierce ist ein gescheiterter Privatermittler. Gleich zu Beginn bekommt er einen Anruf, der ihm deutlich macht, dass er gefälligst bessere Arbeit leisten und endlich mal ein paar Aufträge an Land ziehen soll. Da trifft es sich ganz gut, dass just in dem Moment als er den Hörer auflegt, der verzweifelte Vater von Sarah Hawkins das Büro von unserem Detektiv betritt. In seinen Händen hält er ein Gemälde und er teilt Pierce mit, dass seine Tochter wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. Also macht sich Pierce auf den Weg nach Darkwater, um Sarah Hawkins zu finden und die Geheimnisse der Insel zu lüften.

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Die Geschichte von Call of Cthulhu war für mich eines der Highlights des Games. Die Jungs von Cyanide Studios haben sich wirklich alle Mühe gegeben den Mythos rund um Cthulhu glaubhaft zu inszenieren und sind dabei zum Teil auch ganz eigene Wege gegangen. So beginnt das Spiel bereits mit einem Hammer. Du wachst in den Schuhen von Edward Pierce auf, aber nicht wie ihr vielleicht denken würdet in seinem Büro, sondern stattdessen in einer alten Höhle. Hier werden dir die Mechaniken des Spiels erklärt und sobald du am Ende der Höhle angelangt bist, bricht sprichwörtlich die Hölle aus. Doch plötzlich wachst du auf deiner Couch im Büro auf. Puh, nur ein Alptraum. Oder war es vielleicht mehr? Diese kleinen Momente schaffen es das Grauen, welches Lovecraft durch seine Werke erschaffen hat, angenehm in Spielform zu transportieren. Mit voranschreitender Spieldauer steigert sich der Horror immer weiter und am Schluss weiß ich selbst bald nicht mehr, was Realität und was Halluzinationen sind.

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Da Call of Cthulhu auf dem gleichnamigen Pen-and-Paper Rollenspiel aus dem Hause Chaosium basiert, ist es nicht verwunderlich, dass du immer wieder Rollenspiel-Mechaniken finden wirst. So darfst du während dem anfänglichen Telefongespräch auch gleich deine Attribute neu verteilen, da anscheinend deine Akte verloren gegangen ist. Hier hast du neben Stärke, Psychologie und Investigation auch besondere Punkte, wie Medizin und Okkultismus. Diese beiden kannst du nur einmalig zu Beginn anpassen und musst danach durch zu findende Artefakte bzw. Bücher die Werte steigern. Dadurch wurde bei mir der Entdeckergeist geweckt. Kriege ich zwar so im Laufe der Story immer wieder Charakterpunkte, um eben Psychologie, Investigation oder Stärke zu erhöhen, muss ich für die anderen beiden Werte wirklich die Level erkunden. Hierbei hilft mir oftmals ein kleines Fragezeichen Symbol, was immer dann auftaucht, wenn es in einem Areal etwas besonders Verstecktes zu finden gilt. Dann suche ich schon mal ein paar Minuten, aber umso besser fühlt es sich an, wenn ich das Artefakt, die Notiz oder das Buch dann doch endlich finde. Manche Sachen sind sogar elementar wichtig für einige Rätsel. So kann ich beispielsweise gleich zu Beginn ein Brecheisen finden, um ein Rätsel komplett zu umgehen. Hätte ich das nicht gefunden, hätte ich ein kniffeliges Kartenrätsel lösen müssen. Es ist klasse, dass mir das Game so viele Freiheiten lässt, um die Aufgaben zu bewältigen.

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Ähnlich sieht es bei den Dialogen aus. Ganz abhängig davon, was ich für Werte habe, können Dialoge und ganze Aufgaben unterschiedlich ablaufen. Da ich das Game bereits letztes Jahr auf der PS4 angespielt habe, wusste ich beispielsweise zu Beginn was ich machen musste. Doch es ging einen ganz anderen Weg. So musst du nach deiner Ankunft in Darkwater die Lagerhalle der Hawkins betreten. Bei meinem ersten Versuch habe ich mich also von der Seite angeschlichen und bin dann dort in eine andere Halle eingedrungen. Dort konnte ich dank meinen Charakterwerten ganz einfach ein Gitter öffnen und durch die Kanalisation in die Lagerhalle eindringen. Diesmal hatte ich aber zu wenig Stärke, sodass ich beim Versuch das Gitter zu öffnen den Mechanismus beschädigte und nicht mehr weiterkonnte. Also musste ich einen anderen Weg finden. Diese Momente gibt es immer wieder und so macht ein mehrmaliges Durchspielen durchaus Sinn. Doch nochmal zu den Dialogen, je nachdem was ich weiß, kann ich beispielsweise neue Antworten freischalten oder aber durch meine Überredungskunst versuchen feindlich gesinnte NPCs auf meine Seite zu ziehen. Leider merk ich hier sehr schnell, dass sehr viele Wege nach Rom führen und die Antworten nicht immer wirklich wichtig sind, um das Spiel fortzuführen. Hier wäre noch etwas mehr drin gewesen.

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Wo wir schon dabei sind, muss ich gleich noch einen negativen Punkt aufzeigen. So sind die Animationen der NPCs während den Gesprächen einfach nur schrecklich. Oftmals sieht es aus, als würden die Figuren irgendwelche unpassenden Bewegungen mit ihren Händen machen. Ab und zu habe ich sogar das Gefühl, dass die Figuren in einem Animations-Loop gefangen sind. Dadurch wirst du leider immer wieder unangenehm aus der sonst sehr dichten Atmosphäre gerissen. Besonders ärgerlich, da du besonders zu Beginn sehr viel Zeit in Dialogen verbringst. Klasse hingegen sind die toll animierten Zwischensequenzen, die gerade zum Ende hin immer bombastischer werden und mir nicht nur einmal Gänsehaut beschert haben. Wenn du übrigens wie ich, kein Fan von Schleichpassagen bist, dann darfst du dich in Kapitel 5 auf eine ganz besondere freuen, denn hier gilt es aus der Psychiatrie zu entkommen und ich muss sagen, dass mir dieses Kapitel von allen am wenigsten gefallen hat. Zwar ist es ganz clever gemacht und auch die feindliche KI ist nicht sonderlich clever, dennoch hat es für mich das Tempo des Games unnötig ausgebremst. So schleiche ich mich von einem Raum in den nächsten, werde ich dann mal entdeckt reicht es eigentlich den Raum zu verlassen, oder in einen der unzähligen Schränke zu verschwinden. Wenn ich das aber zu lange mache, bekommt Edward schnell einen Anfall und ich sollte schnellstmöglich aus dem Schrank treten. Davon abgesehen fiel es mir hier leider etwas schwer herauszufinden, was ich genau machen muss. Das Spiel selbst sagt nämlich nur, dass ich eine Ablenkung schaffen muss, damit ich ausbrechen kann. Wie, das bleibt mir überlassen. Ich habe dann zwei Ablenkungen gleichzeitig gemacht und war dann sehr froh, als dieses Kapitel vorbei war. Gott sei dank war dies das einzige Kapitel, welches mich dazu genötigt hat.

© Martin Kro

Sehr cool hingegen sind die kurzen Fluchtpassagen, in denen ich wie ein Verrückter einen Ausweg suchen und ich in Sekundenbruchteilen einen Weg dorthin finden muss. Genau in diesen Momenten schlug mein Herz bis zum Anschlag und ich wollte einfach nur weg. Dazu kommen im späteren Verlauf zwei kurze „Bossfights“, die spannend und clever zu gleich sind. Gerade der zweite hat mich wirklich viele Nerven gekostet und das auf angenehm positive Art und Weise. Gegen Ende bekomme ich dann sogar noch kurz einen Colt in die Hand und muss mich gegen ein paar Gegner erwehren, dass lockert das Spiel ein wenig auf und lässt mich das erste Mal nicht ganz hilflos zurück. Umso schlimmer ist es dann, wenn ich die letzte Kugel verschossen habe und plötzlich doch wieder aufpassen muss, dass mich die Gegner nicht sehen. Und wo wir schon beim Ende sind. Call of Cthulhu wartet mit gleich vier verschiedenen Enden auf. Je nachdem wie du dich bei manchen Sachen entschieden hast kannst du in einem Durchlauf sogar mehrere freischalten. Für mich waren alle sehr interessant, doch das Hauptende war für mich das beste der ganzen. Immerhin heißt das Game nicht ohne Grund Call of Cthulhu!!

 

Kommen wir noch zur Switch Fassung. Gerade im Handheld-Modus fällt einem sehr schnell auf, dass gerade NPCs eher verwaschen und matschig aussehen. Je näher ich diesen komme, umso besser wird es aber. Docked merke ich davon weit weniger und die Grafik kann sich wirklich sehen lassen. Hierzu muss ich sagen, dass die Grafik schon bei den anderen Versionen kein Meilenstein war. Wie schon beschrieben waren auch da die Animationen eher hölzern und manchmal sehr merkwürdig. Die Areale sehen wie in den anderen Versionen sehr ordentlich aus, aber auch hier fällt auf, das einige Polygone verschwinden mussten. Dennoch nichts, was ich wirklich vermissen würde. So habe ich fast das gesamte Spiel im Handheld Modus gezockt und mich hat die Grafik, vielleicht auch weil ich wusste, dass mich hier kein Meilenstein erwarten wird, nicht wirklich gestört. Die Momente in denen ich docked gespielt habe, waren dann aber durchaus positiv und haben mir gezeigt, wie toll die Inszenierung sein kann. Sobald eine Zwischensequenz beginnt, merke ich immer wieder wie klasse das Spiel aussehen kann, doch wenn diese zu Ende sind, werde ich wieder in die etwas schlechtere Grafik der Switch-Version gezogen. Das ist zu Beginn noch ein wenig befremdlich, aber mich hat es mit jedem Mal weniger gestört. Ansonsten habe ich in der gesamten Spieldauer keinen einzigen Absturz erlebt und auch sonst konnte ich keine Bugs finden. Wirklich saubere Arbeit von Saber Interactive!

© Martin Kro

Fazit: Call of Cthulhu ist wirklich ein Spiel für Fans von Lovecraft und seinem Cthulhu Mythos. Wenn du dich darauf einlassen kannst, wirst du viel Spaß damit haben. Allen anderen wird die schwache Grafik etwas den Spielspaß vermiesen. Doch allein für das grandiose Ende lohnt es sich den Trip zu wagen. Mit gut 8 Stunden, ist es zudem ein Spiel was du gerade jetzt im Herbst toll an einem Wochenende durchspielen kannst. Atmosphärisch bekommst du hier eine tolle Achterbahnfahrt vorgesetzt, die mit vielen interessanten NPCs aufwarten kann. Die Story selbst zieht dich schnell in den Bann und lässt dich am Schluss selbst an deiner geistigen Verfassung zweifeln. Als Tipp kann ich jedem nur wärmstens empfehlen das Game mit Kopfhörern zu zocken! In dem Sinne: Es ist nicht tot was ewig liegt und in fremder Zeit wird selbst der Tod besiegt!!

© Martin Kro

Summary: Call of Cthulhu is a game for Lovecraft fans and all those that jump in joy when they hear the words R’yleh, Cthulhu and fthagn! Based on the popular pen and paper RPG, it puts you in the shoes of Edward Pierce on the search for the missing Sarah Hawkins. Once you arrive in Darkwater you will experience some truely cosmic horrors. The guys from Cyanide Studios really knew how to capture the essence of Lovecrafts work and especially at the end I was completely pulled into the game. If you aren’t a huge Lovecraft fan and you want your games to look as good as it can you might be distracted by the graphical presentation. Character animations are stiff and the levels can look a little blend. But what it lacks in the graphics it makes up for with the great story, interesting puzzles and some truely horrorfying moments. With 8 hours of playtime it’s the perfect fit for those cold and dark days up ahead. So if you want to test your mind, how about giving Call of Cthulhu a try. Apart from some graphical downgrades the switch version is perfect and if you love to play some cosmic horror on your couch while being covered with a thick blanket that’s the perfect way to do so, especially with headphones! Please play it with headphones! So let’s end the review like it should be done: That is not dead which can eternal lie, and with strange aeons even death may die!

Call of Cthulhu

Wertung: 8/10 
Publisher: Focus Home Interactive
Entwickler: Cyanide Studios

Plattform: Switch (Getestet), PS4, Xbox One, PC
Preis: 39,99 €

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Focus Home Interactive zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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Zocker seit dem 6. Lebensjahr. Cave-Enthusiast und Danmaku-Liebhaber. Möglichst bunt und voller Kugeln muss es sein, dann fühl ich mich direkt daheim. Darüberhinaus Sammler, dessen Regale bald platzen!
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