Review: Bloodstained – Ein wahre Symphonie der Nacht

Iga zeigt wie Metroidvania aussehen muss!

© Martin Kro

Ich erinnere mich an eine Zeit, da tauchte in der Xbox 360-Bibliothek ein Game auf, von dem ich viel gehört hatte, es aber nie zocken konnte. Die Rede ist von Castlevania: Symphony of the Night. So gab ich damals ein paar mickrige Kröten aus und anstatt fürs Abi zu lernen, entschied ich mich einfach, das Teufelsschloss zu erkunden.

Es war mir reichlich egal, dass hier einige Sachen im Vergleich zur PS1 wegreduziert werden mussten, dennoch hatte ich meinen Spaß. Sogar so viel Spaß, dass ich die komplette Map erkundete und am Ende 200,6% auf der Karte zu sehen waren. Meine Liebe zum Metroidvania-Genre, bzw. zum Igavania-Genre, war geboren.

© Martin Kro (SWITCH)

Als Mr. Igarashi himself dann vor ein paar Jahren mit Bloodstained: Ritual oft he Night seinen eigenen geistigen Nachfolger zu eben jenem wegweisenden Castlevania Game enthüllte, war ich natürlich direkt begeistert. Ich begleitete die Kickstarter Kampagne und jede neue News nahm ich voller Vorfreude in mir auf. Dann war es endlich soweit. Am 18 Juni 2019 kam das Game endlich raus, doch leider musste ich noch warten. Als bekennender Switch Fan wollte ich natürlich entspannt auf der Couch im Handheld Modus in die Schlacht gegen Monster und Vampire ziehen. Eine Woche später dann, hielt ich das Game endlich in meinen Händen. Kann Iga erneut ein Highlight abliefern? Findet es mit mir heraus!

© Martin Kro (PS4)

Miriam ist eine der letzten Shardbinder, Menschen die von Alchemisten verflucht wurden und deren Körper immer mehr zu einem Kristall werden. Ihre letzte Rettung ist es, Gebel, ihren ehemaligen Freund, von der bösen Macht zu befreien und das Teufelsschloss für immer zu vernichten. Ein Kampf zwischen Gut und Böse entbrennt und es kann nur einen Sieger geben.

© Martin Kro (SWITCH)

Die Story von Bloodstained wird durch einzelne kleine Dialoge angenehm im Laufe des Spiels ausgebaut. Doch muss ich ganz ehrlich sagen, dass abgesehen von ein paar netter Twists die Story niemanden wirklich aus den Socken hauen wird, aber das ist auch nicht wirklich schlimm. Selbst der geistige Vorgänger hatte nicht mehr zu bieten. Die Intro-Sequenz auf dem Schiff stimmt einen mit seiner wundervollen Melodie bereits hervorragend auf das Bevorstehende ein. Du lernst die ersten Fähigkeiten und Gegner kennen. Erkennst, dass es manchmal ratsam ist, die Angriffsmuster genau zu studieren, um nicht blindlings ins Verderben zu laufen. Jeder Raumwechsel führt zu einem Respawn aller Gegner, was zum einem perfekt ist, um ein paar Level zu grinden, aber auch nerven kann, wenn du ausversehen nochmal zurückwillst. Genauso wie bei Symphony bietet dir auch Ritual of the Night immer wieder abwechslungsreiche Gegenden. Verlassen wir nach dem Kampf auf dem Schiff eben jenes, geht es danach in das von Monstern bevölkerte Dorf vor dem Schloss, wo sich die letzten Überlebenden versammelt haben. Danach kommen wir Castlevania-typisch mit einer alten Zugbrücke endlich in das verseuchte Schloss. Innerhalb das Schlosses finden wir neben einer Bücherei auch eine Wüste vor. Eine Zugfahrt bringt uns in ein abgelegenes Labor, in welchem wir allerlei grausige Versuche zu Gesicht bekommen. Später dann gibt es noch einige außergewöhnliche Areale, die ich aber niemandem spoilern möchte. Die Logik solltest du aber bitte tunlichst beim Start des Games an der Garderobe abgeben. Dennoch hatte ich mit jedem Areal meine Freude und war begeistert von der Kreativität des Teams rund um Iga-san.

© Martin Kro (SWITCH)

Ganz Oldschool-typisch darfst du nur in dafür vorgesehenen Save Rooms speichern. Daneben gibt es auf der Map noch Schnellreiseräume zu entdecken, welche für den späteren Verlauf immens wichtig sind, denn so sparst du dir wertvolle Lebenszeit, da einige Areale immer und immer wieder besucht werden müssen. Mit jeder neuen Fähigkeit eröffnen sich Igavania-typisch immer neue Routen und Möglichkeiten. Hierbei rate ich dir immer wieder mit den Leuten im Dorf zu reden, denn diese geben dir wertvolle Tips um weiterzukommen. Solltest du wie ich, nicht ganz so genau hinschauen, entgeht dir schonmal dieser eine wertvolle Tipp und du irrst stundenlang durch die Gegend, oder suchst im Internet nach einer Lösung. Für manche könnte dieses Feature ein wenig zu viel Oldschool-Feeling erzeugen, ich fand es in Anbetracht der Tatsache, dass Iga genau diesen Games huldigen wollte, sehr passend.

© Martin Kro (SWITCH)

Ein richtig gelungener Aspekt ist die Möglichkeit, dass du dir deine ganz eigene Miriam erschaffen kannst. Bei einem „Frisör“ kannst du gefundene Haarschnitte abgeben und Miriam dann verschönern. Auch die Farbe der Haare, Augen, der Haut und der Kleidung kannst du hier ändern. Besonders schön ist es dann, diese ganz eigene Miriam in Zwischensequenzen zu sehen. Die Identifikation mit ihr fällt dadurch noch einfacher. Auch im Dorf kannst du dank einem Alchemie Feature Waffen und sogar Essen craften. Das Essen hilft dir nicht nur zur Heilung, sondern bei erstmaligem Konsum bekommst du dauerhaft einen Buff. Es macht also Sinn jedes Rezept auszuprobieren. Und auch die NPCs im Dorf wollen verschiedenste Sachen von dir. So will die Nonne zum Beispiel, dass du ihr verschiedenstes Equipment gibst. Eine alte Dame im Keller hat Hunger und will, dass du ihr Essen kochst und eine andere verlangt, dass du im Namen von gefallenen Helden gewisse Monster tötest. Als alter Castlevania-Fan wirst du bei diesen gefallenen Helden einige witzige Anspielungen finden, also schau genau hin. Genau diese kleinen Feinheiten erweitern das bekannte Metroidvania Konzept um gelungene Aspekte.

© Martin Kro (SWITCH)

Ein weiteres Highlight, ist der grandiose Soundtrack. Immer wieder lauscht du Stücken, welche genauso auch perfekt zu Symphony of the Night gepasst hätten. Verwunderlich ist das nicht, denn für den Score zeichnet sich niemand anderes als Michiru Yamane verantwortlich, die auch schon bei Symphony die Tracks beisteuerte. Ganz ähnlich zu Symphony wirst du auch hier nach gut der Hälfte der Map zum Endboss gelangen, nur um diesen zu besiegen und dann festzustellen, dass dies erst das schlechte Ending war. Wurde bei Symphony einfach das komplette Schloss gedreht, ging man hier etwas anders vor und lässt dich als Spieler neue und unbekannte Areale erforschen. Das bietet natürlich ein deutlich abwechslungsreicheres Design als einfach die gleiche Map in gespiegelter Form zu erkunden. Wenn du es dann zum wahren Ende geschafft hast, gibt es neben einigen Geheimbossen noch die restliche Map zu entdecken. Wenn auch das geschafft ist, kannst du dein Glück in einem Bossrush oder einem Speedrun Modus versuchen. Auch New Game+ wurde integriert, bei welchem du mit deinem alten Equipment auf einem höheren Schwierigkeitsgrad erneut eine Reise wagen kannst. Zudem sind für die Zukunft noch einige neue kostenlose DLCs angekündigt. Das gibt beim der Umfangsbewertung definitiv einen fetten Daumen nach oben!

© Martin Kro (SWITCH)

Doch nun will ich euch meine Erfahrung mit der, von vielen gerügten, Switch-Fassung mitteilen. Ich sage es offen heraus, ich hatte einen riesigen Spaß mit dieser Fassung. Zunächst einmal läuft diese nur mit 30 FPS. Wer also ein eingeschworener FPS-Freak ist, wird damit wohl schon das erste Problem haben. Auch die Ladezeiten sind etwas länger als bei den anderen Fassungen. Zudem gibt es gerade im anfänglichen Schiffslevel einige grafische Downgrades. Auch die Zwischensequenzen mussten leider einiges an Federn lassen und das hat mich teilweise schon ein wenig traurig gestimmt. Je nach deiner Sensibilität soll es wohl auch nachgewiesenermaßen ein Input Lag geben. Da ich selber wohl anscheinend sowas nicht merke, kann ich dies nicht bestätigen.

Hat mich irgendetwas davon in meinen gut 20 Stunden, in welchen ich 100% der Map erreichte und sogar ein wenig NG+ gezockt habe gestört? Nein! Einige Räume musst du nach oben mit einem Sprung verlassen, hierbei habe ich einfach den Sprungknopf erst losgelassen, als ich dem neuen Raum angekommen war und schon hatte ich keine Probleme mehr. Ich glaube es kommt ein wenig auf den Spielertyp selbst an. Willst du die technisch beste Fassung solltest du definitiv zur PC-, XBOX One X- oder PS4 Pro-Fassung greifen. Hast du aber nur eine Switch daheim, oder zockst du am liebsten on the go, dann machst du in meinen Augen nichts verkehrt!

ABER: Es gibt definitiv einige Probleme, die ich nicht schönreden möchte. In den späteren Arealen gibt es immer wieder Einbrüche der Framerate und zudem gibt es Infos über einige Crashes und Bugs, welche mir aber nicht vorgekommen sind. Das Team arbeitet derzeit fleißig daran, die Switch-Fassung weiter zu verbessern und ich denke, dass sich diese Probleme bald in Luft auflösen. Ich wünsche mir auch von Herzen, dass das Team noch an der Qualität der Zwischensequenzen auf der Switch schraubt. Zudem habe ich es mir nicht nehmen lassen, auch die PS4-Fassung zu testen. Gerade das erste Level bietet definitiv eine hübschere Kulisse. Allerdings fiel mir dennoch auf, dass auch die Standard-PS4 nicht perfekt ist. Die Zeiten beim Speichern sind hier beispielsweise viel länger. Auch die Framerate ist bei weitem nicht konstant auf 60fps und bessere Inputs konnte ich auch nicht wahrnehmen. Also wie gesagt, ich glaube jeder muss sich selbst fragen, wie er das Game zocken will. Wichtig ist nur, dass ihr es zockt, denn es ist verdammt geil geworden! Für Trophy Hunter gibt es natürlich in der PS4 auch ein paar mehr Anreize, als in der Switch Fassung.

© Martin Kro (PS4)

Fazit: Bloodstained: Ritual of the Night ist genau das, was sich wohl wirklich jeder Igavania-Fan gewünscht hat. Ein Liebesbrief an Symphony of the Night, mit genügend eigenen Ideen und tollen Einfällen, sodass sowohl Neulinge, als auch alteingesessene Igavania-Fans ihren Spaß haben werden. Die Switch Fassung muss mit ein paar Abstrichen kämpfen, allerdings verliert das Game selbst dadurch wenig bis gar nichts an seinem Reiz. Also Leute zockt das Game, egal auf welche Weise, und erkundet das Schloss bis in die letzte Ecke. Ich freu mich jetzt schon auf Bloodstained 2!

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Summary: Iga-san created on the greatest Metroidvania in recent history. The new castle lets you explore some amazing areas. The bosses are fun and those hidden ones are simply amazing. If you call yourself a Metroidvania fan you need to play that game. The switch version is a little bit weaker but still fun. I completed it with 100% of the map without experiencing any major glitches or bugs. If you have a PS4, XBOX or PC those are the ways to go but please PLAY THAT GAME!

Martin meint dazu: Ich bin sogar stolzer Besitzer eines Original-Symphony of the Night. Es steht seit über zwölf Jahren bei mir, und hat taschengeldfreundliche zehn Euro gekostet. Damals hieß Gamestop noch EB Games, und niemand hat sich für Retro interessiert. Ich liebe das Spiel bis heute. Die Musik und Atmosphäre, das Erkunden des Schlosses, das leichte Grinding und die Itemsammelwut. Allerdings habe ich das Endgame immer als anstrengend empfunden. Dieses „Abarbeiten“ wirklich jeder Wand, um auch ja den magischen Raumzähler auf 100 % und darüber zu pushen. Genau hier hat Bloodstained nun ganz gewaltig nachgebessert. Im späten Spielverlauf gibt es eine tolle Hilfe, die dir geheime Türen und bröckelige Wände zeigt. Überhaupt ist Usability das große Stichwort. Ich musste nur an einer Stelle nachgucken, und bin ansonsten superflüssig durch das Spiel gekommen. Und was bin ich froh dass Iga den Backstep wieder eingebaut hat! Auf Knopfdruck hüpft Miriam einen Meter zurück und entgeht so vielen Attacken. Einige Gegner haben aber auch eine Reichweite, die gaaaanz leicht über die Backstep-Distanz hinausgeht – Iga du Fuchs! Mit Miriam ist ihm zudem ein irre sympathischer Hauptcharakter gelungen, den ich schon nach wenigen Dialogsätzen ins Herz geschlossen habe. Und das Erkunden ist wieder eine Wonne! Wie oft sage ich mir „Den einen Raum noch, dann gehe ich zurück zum Speicherpunkt“ – nur um unversehens in einem Bosskampf zu landen. Später erzählt mir Kollege Diego von IGI Switch, dass Bossräume mit speziellen Türen gekennzeichnet sind – ich und meine Aufmerksamkeitsspanne mal wieder! Einziger Kritikpunkt ist für mich die Optik. Das über 20 Jahre alte SOTN sieht besser aus! Iga hat es damals geschafft, den alten PS1-Pixeln einen erhabenen, würdevollen Glanz zu verleihen. Bloodstained sieht hingegen nach 0815-Unreal Engine-Einheitsbrei aus. Trotzdem: Meisterwerk, Zehnzehn, GotY bis jetzt.

Bloodstained – Ritual of the Night

Wertung: 10/10 
Publisher: 505 Games
Entwickler: ArtPLAY Inc.
Plattform: Switch (Getestet), PS4 (Getestet), XBOX One, PC
Preis: 39,99€ 

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key vom Publisher 505 Games zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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Zocker seit dem 6. Lebensjahr. Cave-Enthusiast und Danmaku-Liebhaber. Möglichst bunt und voller Kugeln muss es sein, dann fühl ich mich direkt daheim. Darüberhinaus Sammler, dessen Regale bald platzen!
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