Review: Blazing Chrome – Contratector!

Dreckiges Run 'n gun im Contra-Stil

© Martin Nagel

Du vermisst die Achtziger? Als Stirnbänder noch flatterten, Synties heulten und künstliche Intelligenzen noch strunzdumm, aber ultimativ böse waren? Deine Augen glänzen beim Anblick des Falken-Emblems und dein rechter Zeigefinger hat lange keine Schussrichtung mehr gelockt? Du willst mal wieder richtig CONTRA geben? Blazing Crome ist dein Spiel!

Contra. Ich selbst habe der Serie einiges zu verdanken. Lange war es still um die Söldner, bis in diesem Jahr eine halbherzige Collection erschien. Mit Contra: Rogue Corps wurde auf der diesjährigen E3 dann sogar ein neuer Teil angekündigt. Doch sein wir mal ehrlich: Niemand will einen weiteren 3D-Teil, und niemand will diese Fortnite-Grafik.

Attention to Detail auch auf der Übersichtskarte – © Martin Nagel

Gut dass Indie-Entwickler JoyMasher da in die Bresche springt. Die Brasilianer haben sich mit Oniken und Odallus bereits sehr erfolgreich an der Castlevania-Formel versucht. Nun ist also Contra dran.

Das Intro ist bereits richtig badass. In einer Terminator-Zukunft haben die Maschinen die Macht an sich gerissen, der menschliche Widerstand steht kurz vor der Vernichtung. Als letztes Aufbäumen dient ein verzweifeltes Himmelfahrtskommando. Du spielst entweder als Mavra, eine stark zerzauste menschliche Widerstandskämpferin mit Föhnfrisur, oder Doyle, einen „konvertierten Toaster mit schlechtem Stil“ – jup, hier jede Menge Achtziger-Flair in der Luft.

„In yo‘ Face, Blechbüchse!“ Die Oneliner kommen von ganz alleine – © Martin Nagel

Rußige Pixel

Besser kann ich den Grafikstil nicht beschreiben. Die Optik ist sehr pixelig, und darüber liegt eine Art raues, ungeschliffenes Finish. Wie ein öliger Auspuff, wie grobkörniges VHS-Bild, wie schales Bier auf nüchternen Magen. Der Effekt ist definitiv gelungen, und hinter der Fassade siehst du viele liebevolle Details. Ob sich ein geschlagener Riesenrobo noch ein letztes Mal unter Schmerzen aufrichtet, die Patronenhülsen nur so aus deiner Waffe prasseln, oder Feinde mit einem befriedigenden Schmatzen in tausend Teile bersten – es fühlt sich einfach richtig an.

Auch die Musik schlägt in diese Kerbe. Sie jault und quietscht und rifft, und bringt genau die richtige Dosis Cheesigkeit mit. Im Abspann wird sogar gesungen!

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Ein paar Änderungen – oder sollte ich sagen Anpassungen – der Contra-Formel gibt es schon. Dir stehen permanent vier Waffenslots zur Verfügung, die mit L2 und R2 durchgeschaltet werden. Neben dem Standard-Sturmgewehr gibt es Kontaktgranaten, einen doofen Laser und den sehr spaßigen Wavebeam. Die letzten drei musst du aufsammeln, und du behältst sie so lange du am Leben bleibst.

Ferner beherrschen deine Söldner eine Ausweichrolle und einen Metal Slug-artigen Nahkampfhieb. Die Attacke ist sehr mächtig und hat auch ordentlich Reichweite, und einige Bosskämpfe sind sogar darauf ausgelegt. Allerdings wird sie nicht automatisch ausgelöst wenn sich eine Gegner in Reichweite befindet. Du musst schon selbst „nachfassen“, also kurz den Daumen vom Feuerknopf nehmen und dann wieder durchdrücken. Anfangs irritiert diese Steuerungsvariante etwas, sie geht aber schnell in Fleisch und Blut über.

Nein, das ist nicht Red Falcon. Doyle nimmt’s gelassen – © Martin Nagel

Natürlich ist die übliche Contra-Verrücktheit auch hier mit an Bord – ob du nun von den Kufen eines Hubschrauber herabfeuerst, Sandwürmer unter deinen Füßen hervorbrechen oder du einen fahrenden Zug enterst. Der finale Bossrush wird durch Mindfucks aufgebrezelt. Die Maschinen saugen dich in ihre Welt und spielen eine Runde Polybius mit dir. Mehrmals schwingst du dich aufs Hoverbike, und einmal erlebst du eine Mode 7-artige Flugsequenz. Und ein paarmal darfst du auch in eine Mech-Rüstung steigen und richtig aufräumen. Die Steuerung ist dann etwas schwerfälliger und du verträgst ein paar Treffer mehr – und natürlich hast du dicke Feuerkraft, und die passenden Feindeshorden an denen du sie auslassen kannst.

Polybius oder was? Mavra wurde in die dritte Dimension gesogen – © Martin Nagel

Ninja Theory

Wenn du das Spiel durchgezockt hast schaltest du Bossrush, Spiegelmodus und zwei Nahkampf-Ninjas frei. Gerade letzteres ändert das Spielgefühl nochmal grundlegend und verleiht einen völlig neuen Twist in Richtung Ninja Gaiden. Die beiden haben einen harten Schlag und sind per Airdash sehr schnell am Gegner. Allerdings könnte ihr Angriff etwas mehr Reichweite nach oben und unten vertragen.

An Extrawaffen steht den Ninjas lediglich ein verstärktes Katana zur Verfügung. Wie die Söldner dürfen sie aber auch Drohnen nutzen. Drei Modelle sind erhältlich. Die grüne Schilddrohne absorbiert zwei Treffer. Die rote Angriffsdrohne feuert mit einer zusätzlichen Gatling in Angriffsrichtung, und macht aus dem Ninja dann doch wieder einen Fernkämpfer. Die blaue Speed-Drohne habe ich als recht nutzlos empfunden. aber vielleicht habe ich auch noch nicht die Skillz um sie richtig einzusetzen.

Nach dem Durchzocken gibt es Ninja-Nachschlag – © Martin Nagel

Die Neun verhindern Kleinigkeiten. Wenn du einen Schwebegleiter im Zuglevel nicht an einer bestimmten Stelle zerstörst, dann nervt er einen ganzen Abschnitt lang durch Unverwundbarkeit. Ein Sandwurm spawnt aus einer Metallkiste. Und der eigentlich flashige 3D-Level ist viel zu lang und repetitiv. Und natürlich gibt es einen Fahrstuhl! Leute, was soll das immer mit diesen Fahrstühlen? Niemand mag die Dinger. Wahrscheinlich noch weniger als Kistenschieberätsel in klassischen Japano-Rollenspielen.

Auch mit der Steuerung bin ich nicht hundertprozentig zufrieden. Zwar reagiert sie flott und präzise, aber die Söldner ducken sich für mich eine Spur zu langsam. Auch das diagonale Schwenken der Waffe lief bei Metal Slug flüssiger. Wie gesagt, Kleinigkeiten.

Trotzdem, wenn du auf echtes Öl und echten Ruß aus den Achtzigern stehst und auch nur ein kleines Faible für durchdachte Platform-Action in 2D hast, dann wirst du Blazing Chrome lieben. Besser wird es auch Konami nicht hinkriegen.

Blazing Chrome

Wertung: 8,5/10
Publisher: The Arcade Crew
Entwickler: JoyMasher
Plattform: PS4 (getestet), Switch, Xbox One, Steam-PC
Preis: 16,99 € (PS4, Download), 16,99 € (Switch Download), 16,99 € (Xbox One Download), 16,99 € (Steam Download)

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Publisher The Arcade Crew zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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