Review: Battle Axe – Stumpfer Hieb

Deftige Schlachtplatte mit Luft nach oben

Da ist es nun, das langgehegte Projekt von Pixelkünstler Henk Nieborg. Nachdem es in Xeno Crisis eher kühl und steril zuging, will Battle Axe zurück an die frische Luft. Ein Fantasy-Königreich der schwebenden Inseln und rauchigen Orkminen möchte in Top-Down-Manier leergeprügelt werden.

Schnell zeigt sich das Alleinstellungsmerkmal von Battle Axe: Das Spiel sieht wunderschön aus. Kirschbäume wiegen sich sanft im Wind, Explosionen donnern wuchtig, Schalholz spritzt in alle Richtungen. Die Geschmeidigkeit eines Arc System-Prüglers wird jedoch nicht erreicht und bei meiner PS4-Version zeigten sich bei schnellen Kamerabewegungen immer mal kleine Ruckler. Als Komponistin konnte Manami Matsumae gewonnen werden, die einen herrlich eingängigen Kampf-Soundtrack beisteuert. Im Ergebnis hast du eine schnelle, rustikale Arcade-Schlachtplatte, die sich herrlich befriedigend anfühlt wenn du dich in einen Kampfrausch geprügelt hast und Ork-Innereien in alle Richtungen spritzen. Da die meisten Gegner nur einen bis zwei Treffer aushalten, ist der Spielablauf deutlich rasanter als beim Durchschnitts-Beat ‚em Up.

Rooney ballert den Wachturm zusammen – © Martin Nagel

Zu Beginn hast du die Wahl zwischen dem Arcade-Modus mit vier Stages, und dem selbsterklärenden Endlosmodus. Mit dem New Game + kann eine schwerere Variante des Arcade-Spiels freigeschaltet werden. Danach wählst du zwischen einem von drei Charakteren. Elfenkriegerin Fae schwingt zwei Dolche und legt den Fokus auf Nahkampf. Der feuerbärtige Pirat Rooney trägt eine Kanone auf seiner Schulter, mit der er auch lässige Stüber im Nahkampf verteilen kann. trotzdem liegt bei ihm der Schwerpunkt auf Artilleriegefechten. Magier Iolo liegt irgendwo in der Mitte. Er zaubert mit seinem Stab blaue Geschosse herbei, und schwingt auf kurze Distanz sein tödliches Barthaar.

Alle drei verfügen über die gleichen drei Angriffe, und dennoch ist eine Tendenz erkennbar. Während Rooney ballern kann so schnell es dein Daunen hergibt, schleudert Fae ihre Wurfdolche nur dann mit hoher Geschwindigkeit wenn sie auch trifft. Wirfst du daneben, so braucht der nächste Dolch einen längeren Cooldown. Es wäre schön, wenn das Spiel diese kleinen Unterschiede erklären würde. Trotzdem habe ich meist mit Fae gespielt. Sie schaut nicht nur am knackigsten aus, sie fühlt sich im Nahkampfgetümmel einfach flexibler an weil das zeitaufwendige Zielen wegfällt. Dafür hat sie fühlbare Nachteile im Bosskampf. Rooney haut mir dafür zu lasch zu, und Iolo war mir einfach zu uncool.

Die Explosionen erinnern an Asterix-Comics – © Martin Nagel

Geht es auf’s Schlachtfeld, ist Handarbeit angesagt. Autofeuer gibt es nicht, und auch das Shock Troopers-artige Arretieren der Schussrichtung fehlt mir schmerzlich. Das führt zu allerlei hektischen Mikro-Korrekturen an Stick oder Steuerkreuz – echtes Chaos Engine-Feeling also. Statt eines Sturmangriffs (Iolo teleportiert sich einfach in die Gegner rein) hätte ich mir hier etwas Vielfalt gewünscht – oder zumindest ein defensives Manöver wie einen Castlevania-artigen Backstep.

Das Leveldesign ist zwar handgemacht, wirkt aber nicht so. Es gibt kaum markante Punkte, und die Umgebung wird nur minimal genutzt. In den ersten zwei Stages sind große runde Arenen durch schmale Brücken verbunden. Dies könnte auch ein Algorithmus verrichten. In der dritten Stage, wenn du die Burgmauer durchbrichst und kurz im dunklen Keller kämpfst, zeigt das Spiel kurz was möglich gewesen wäre, hätten die Entwickler etwas mehr Zeit in Leveldesign investiert.

Schönes Detail: Die Kanone des Luftschiffes richtet sich schon auf dich aus wenn es noch ganz klein ist – © Martin Nagel

Der Schwierigkeitsgrad ist recht knackig. Da Kampfsystem und Leveldesign so maximal reduziert sind, hast du als Spieler wenige Stellschrauben, an denen du dich verbessern kannst. Auswendiglernen ist dank der gleichförmigen Umgebung auch nicht immer eine Option. Ebenso unflexibel ist das Spiel selbst. Spätestens in der dritten Stage gehen Battle Axe die Möglichkeiten aus, den Schwierigkeitsgrad zu steigern ohne unfair zu werden. Auf der Burgmauer lauern Ritter, die von außerhalb des Bildschirmes in dich reindashen. Auf Brettertürmen warten Steinewerfer, denen du kaum vernünftig ausweichen kannst, und wie oft bin ich achtlos in einen der feuerspeienden Drachenköpfe gelaufen! Generell ist die Kamera viel zu dicht, wahrscheinlich um die Pixelschönheit maximal prominent in Szene setzen zu können. Darunter leidet die Übersicht massiv. Dies merkst du besonders beim Bosskampf der zweiten Stage, bei dem du die wunderschön animierte Kampfkrabbe nur im eröffnenden Kameraschwenk wirklich zu sehen bekommst.

Da wäre Iolo fast der Bart gebrutzelt – © Martin Nagel

Auf deinen Reisen sammelst du Juwelen, Goldmünzen und nach Kickstarter-Backern benannte Dorfbewohner. Relevant fühlen sich nur die Münzen an, denn mit ihnen kannst du zwischen den Stages bei der einäugigen Händlerin shoppen gehen. Auch die Items werden hier nicht erklärt, und nicht alle Symbole sind selbsterklärend. Es gibt Heiltränke und Knusperhähnchen zum heilen der Energieleiste, sowie temporäre Status-Boosts. Im Kampf hast du einen Item-Slot. Hast du hier ein Heil-Item, so wird es automatisch aufgebraucht wenn du einen weiteren Gegenstand sammelst. Immerhin, etwas Komfort.

Das klingt nun nach viel Kritik. Tatsächlich sind die genannten Punkte nicht so schlimm wie sie klingen. Das Spiel kompensiert sie wunderbar durch Kürze und Kompaktheit. Eilige Naturen sind in 15 Minuten durch den Arcade-Modus durchgesprintet, und wenn du deine drei Leben verlierst, kannst du dir immer noch ein Ründchen erlauben. Dennoch hätte aus Battle Axe mit etwas mehr Feintuning ein deutlich runderes Erlebnis werden können.

Battle Axe

Wertung: 6,5/10
Publisher: Numskull Games
Entwickler: Bitmap Bureau

Plattform: PS4, Switch, Xbox One, Steam-PC
Preis: TBA(PS4 Do
wnload, Retailfassung), 27,99 (Switch Download, Retailfassung), 27,99 (Xbox One Download), TBA (Steam-PC)

Das Review-Exemplar wurde selbst gekauft. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt und stammen von der PS4-Version.

Martin
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