Review: AngerForce – Psikyo Refueled

Psikyo-Hommage, die das Original übertrifft - was auch nicht schwer ist

© Martin Nagel

Psikyo… ich mag den Laden nicht. Klar gibt es die Highlights wie Zero Gunner 2, aber meine erste Assoziation sind furchtbar chaotische Kugelwolken, ungelenke Hitboxen, zufällige Stages, und immer das gleiche verdammte Power Up-Item. Anger Force ist nun ein Spiel, welches sich dem Look and Feel ebendieses Herstellers verschrieben hat. Ich versuche trotzdem, das Review hier so professionell wie möglich durchzuziehen.

Ich starte also das Spiel, und es erwartet mich ein aufgeräumtes Hauptmenü. Einzig interessant sind hier die Punkte Kampagne und Arcade. Auf der PS4 sind leider die Ladezeiten recht lang. Vor allem zum Start des Spieles, aber auch zwischen den Stages gibt es merkliche Pausen. Müsste das ganze Ding nicht bequem in den Arbeitsspeicher passen? Ich will mein Neo Geo zurück…

Mesmerizing Bullets – © Martin Nagel

Schauen wir uns zunächst den Kampagnen-Mode an. Drei Schwierigkeitsgrade stehen zur Wahl (ein vierter kann freigespielt werden), sowie vier Charaktere. Junge, Mädchen, Roboter und Waldgeist mit Maske und Fuchsschwanz. Jeder von ihnen verfügt über ein individuelles Schussmuster, sowie über zwei Spezialattacken und eine Bombe. Eine praktische Vorschau zeigt kleine Filme mit den Formen der Attacken, sowie Balkendiagramme mit Schussstärke und Lebensenergie – ein stärkerer Schuss wird mit weniger Hitpoints erkauft.

Fast wie Modelleisenbahn

Selbst als Psikyo-Hasser liebe ich die abgefahrenen und oft mehrstufigen Bosse bei Strikers und Konsorten. Und hier liefert AngerForce! Hier gibt es kreative Panzer und Mech-Konstruktionen mit zig kleinen Klappen und Dampfventilen. Ist der Klops besiegt, so schält sich aus den Trümmern eine kleinere, aber biestigere Version und bittet erneut zum Tanz. Mein Liebling ist eine Schildkröte, die sich an Land in einen bissigen Rennkäfer verwandelt. Und das Vieh hört auf den endgeilen Namen Turboghini.

Ich mag den Rennklops – © Martin Nagel

Auch in den Levels gibt es viel zu entdecken, gerade auf den zweiten Blick. Menschen laufen verschreckt umher oder verbarrikadieren hastig die Fenster wenn du den Krieg bringst. Werbetafeln lassen sich umlegen, und überall pumpen Kolben Dampf oder drehen sich Zahnräder. Auch hier muss ich an das große Vorbild denken. Es erinnert total an Gunbird 2, welches ich doch irgendwie mag.

Gänzlich frisch ist die Spielmechanik. Die zwei Spezialattacken (L1 und R1 auf dem PS4-Controller) starten einen Combozähler mit Multiplikator. Über weitere Specials kannst du diesen Multiplikator immer höher treiben – allerdings nur bis die Energieleiste leer ist. Etwas Energie bekommst du über normale Treffer und Items wieder, aber nicht genug um ernsthaft Scores zu reißen. Hältst du Kreis gedrückt, so lädst du die Leiste schneller auf, kannst aber in dieser Zeit nicht feuern. Dadurch ergibt sich ein schönes Spannungsfeld, gerade im Hinblick auf das Score-Spiel und gleichzeitiges Überlebenmüssen.

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Zusätzlich kannst du noch per Schultertaste die Geschwindigkeit deines Vehikels anpassen. Hältst du R2 setzt es einen Temposchub, L2 haut die Bremse rein. Puh, da sind aber viele Tasten belegt… Denkt heute auch mal jemand an die Arcadestick-Nutzer? Immerhin habe ich die Bremse in der Praxis so gut wie nie gebraucht. Und an Tate haben sie auch gedacht.

Was, wieviel Prozent?

In den Stages erspielst du Upgrade-Punkte. Diese können nach jedem Bosskampf für Bomben, Lebenspunkte oder Special-Energie ausgegeben werden – oder du sparst sie bis zum Ende des Spiels und investierst in dauerhafte Verbesserungen. Die Idee ist gut, die Ausführung leider nicht. AngerForce hat an dieser Stelle nämlich ein massives Balancing-Problem. Die Schuss-Power kann in drei Stufen um 800, 1.600 und schließlich 2.500 Prozent gesteigert werden. In meiner Extra-Gier habe ich das natürlich gleich als erstes gemacht. Dein Schuss wird dann so stark, dass selbst Bossgegner zu Popcorn werden und ihre Energieleiste nicht einmal eine Sekunde lang durchhält.

In der Theorie sind die Upgrades eine gute Idee – © Martin Nagel

Zieh dir das rein: Du kannst einen Boss bereits besiegen, bevor sein erstes Schussmuster dich überhaupt erreicht. Wenn du mit dem bildschirmfüllenden Spreadshot des Roboters Asimo (geiler Name, wieder mal) unterwegs bist, dann kannst du dir für die meiste Zeit sogar das lästige Ausweichen sparen. Klar dass dieser Machtrausch nicht lange Spaß macht. Dabei sind die restlichen Extras durchaus klug designt und nützlich. Schnelleres Aufladen der Special-Leiste, zielsuchende Extraschüsse bei jeder Gelegenheit, mehr Bomben und Lebensenergie, sowie eine Handvoll charakterspezifische Upgrades. Der 2.500-prozentige Superschuss überstrahlt sie alle! Und leider ist es nicht möglich die gekaufte Ware zurückzugeben.

Natürlich habe ich dieses Bild nur ausgewählt um die Charakterattribute zu zeigen – © Martin Nagel

Arcade to the Rescue!

Was das Spiel dann aber rettet ist der Arcade-Modus. Hier startest du jede Runde neu, ohne Extras. Nach jedem Bosskampf bekommst du eine Auswahl an zufälligen Extras. Dauerhafte Aufwertunge, Lebensenergie, Bomben. Wähle weise! Es kann dir den Hintern retten wenn’s vom Turboghini (Gniiiihihi) mal wieder auf die Fresse gab und sich unter den drei just ein Heil-Item oder eine Bombe findet. Es kommt aber auch vor dass alle drei Vorschläge Mist sind, und das ist dann seeeeehr frustig. Es torpediert auch die Punktejagt, weil eben kein Run wirklich vergleichbar ist. Ist der Japaner drei Plätze über mir in der Highscore-Liste wirklich besser als ich, oder hatte er bloß mehr Item-Glück? Etwas Abhilfe würde es schaffen wenn ich mir ein „Deck“ aus meinen Lieblings-Items zusammenstellen dürfte, wie bei Yugi-Oh und Konsorten.

Immerhin funktionieren hier Leveldesign, Gegnerplatzierung und Schwierigkeitsgrad. Im Arcade-Mode bietet AngerForce eine solide Herausforderung mit vielen knappen Entscheidungen, klugen Gegnerformationen und durchdachten Fähigkeiten. Und auch die Bosse kommen hier endlich mal zur Geltung!

Blazing Lazers, und wir mittendrin! AngerForce kann, wenn es will – © Martin Nagel

Noch ein Wort zum Soundtrack: der ist leider doof. Okay, das waren jetzt vier, aber mehr Worte mag ich hierzu auch nicht verlieren. Lieber abschalten und was anderes hören. Dafür ist die Story ungewohnt deep und düster für ein Spiel mit Comicgrafik. Jeder der vier Charaktere hat im großen Krieg jemanden verloren, ist auf der Suche nach sich selbst, sinnt auf Rache am bösen Roboterimperium.

Und so schließt sich der Kreis zu Psikyo. AngerForce macht vieles richtig und hat großes Spaßpotential, steht sich in der Praxis aber selbst im Weg – wie das große Vorbild eben.

Western-Häuschen wie bei Gunbird – © Martin Nagel

Logge meint dazu: Ach was liebe ich Bullethell (aka. Danmaku)-Shooter. Seien es Dodonpachi, Batsugun oder Battle Garegga. Aber es gibt ein Entwicklerstudio, mit dem will ich einfach nicht warm werden. PSIKYO.

Egal wie viel Zeit ich auch investiere, ich habe auch nach Stunden noch Probleme damit, die kleinen Kugeln, mit ihrem charmanten Weiß zu erkennen. Und egal wie sehr ich die Spiele auch genießen möchte, so schwer fällt es mir nicht immer nur zu verzweifeln. Es will irgendwie einfach kein Flow aufkommen. Ich ärgere mich über sogenannte cheap deaths, die nur deshalb passieren, weil meine Synapsen das unscheinbare Kugelgewitter nicht entziffern konnten. AngerForce Reloaded bietet eigentlich genau dieselben Elemente wie jedes typische Psikyo-Game, ABER: Die Patterns der Bullets sind einfach viel angenehmer, auch deren Farbe kann ich besser verarbeiten und so einen Weg durch das Labyrinth finden. Wodurch der eine Punkt ausgehebelt wird, welcher mich immer davon abgehalten hat auch Psikyo-Games zu genießen.

Nachdem wir die Dicke Berta besiegt haben regnet es Sterne – © Martin Nagel

Und das ist auch meine kurze Meinung dazu. Das Game spielt sich super. Die Musik gefällt und der höchste Schwierigkeitsgrad fordert, ohne dabei je in Unfairness umzukippen. Es macht einfach nur Spaß und ich will immer noch eine Runde starten. Die permanenten Upgrades nach jedem Game Over sind ein tolles Feature und erleichtern die späteren Level deutlich. Dennoch hatte ich nie das Gefühl komplett overpowered zu sein. Der Story Mode hat mir persönlich am meisten gefallen, da ich hier Storysegmente für jeden Charakter freischalten kann. Um wirklich die gesamte Geschichte erleben zu können bin ich gezwungen jede der drei Schwierigkeitsgrade (oder alternativ gleich den höchsten) zu meistern. Die vier Charaktere spielen sich auch merklich unterschiedlich, was ein weiteres Plus ist. Alles in allem bin ich wirklich begeistert und der einzige Wermutstropfen sind die fehlenden Online-Leaderboards (in der Switch-Fassung). Dennoch klare Empfehlung für jeden Shmup-Fan!

AngerForce Reloaded

Wertung: 7/10
Publisher: Zodiac Interactive
Entwickler: Screambox Studio
Plattform: PS4 (von Martin getestet), Switch (von Logge getestet), PC
Preis: 16,99 € (PS4 Download), 8,99 € (Switch Download), 9,99 € (PC Download)

Für den Test wurde ein kostenlose Review-Key von Publisher Zodiac Interactive zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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Ich schmeiße hier den Laden solange Thomas Yakuza zockt. Du hast Fragen, Anregungen oder Kritik? Du willst dein Spiel getestet haben? Du willst mir einfach nur sagen wie scheiße du mich findest? Schreib mir unter Martin@boobsandbullets.com!
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