Review: A King’s Tale – Final Fantasy 15 – Geschenkt ist noch zu teuer

Kostenloser Brawler zum Abgewöhnen

© Square Enix, Screenshot Martin Nagel

König Regis war für mich bei weitem der sympathischste Charakter in Final Fantasy 15. Er ist weltgewandter Staatsmann, listiger Stratege, mächtiger Krieger und liebender Vater. Du spürst die Last, die die Vierfachbelastung auf seinen starken Schultern hinterlässt. Sie beugt ihn, aber er bricht nicht. Und sein Arm reicht weit! Auch nach seinem tragischen Tod ist er immer da, fast wie Rebecca im gleichnamigen Hitchcock-Klassiker. Wie gern hätte ich ihn durch ein episches Abenteuer gesteuert anstatt Noctis, die weinerliche Rotznase mit dem schönen Haar.

Immerhin ist es jetzt möglich, König Lucis Caelum CXIII durch ein kleines, per Download erhältliches Brawler-Abenteuer zu steuern. Er bewegt sich in Seitenansicht von links nach rechts und verhaut allerlei aus dem Hauptspiel bekannte Monstren. Den Rahmen für sein Abenteuer bildet eine Gutenachtgeschichte, die der König einem etwa zehnjährigen naseweisen Noctis erzählt (ich werde ihn einfach nicht los…).

Die Gutenachtgeschichte dient als Prämisse für einige schöne erzählerische Kniffe. Erliegst du der feindlichen Übermacht, so erzählt Regis, er hätte nur von seinem Tod gesprochen um zu testen, ob Noctis auch noch aufpasst – er wäre ja noch im Raum und könne daher gar nicht gestorben sein.

© Square Enix, Screenshot Martin Nagel

Den grafischen Rahmen bildet eine liebevolle und herrlich pixelige Bitmap-Optik. Schade ist allerdings, dass der Hintergrund der einzelnen Stages jeweils nur aus einem Bild besteht, das wieder und wieder aneinandergehängt wurde um einen endlosen Schlauch zu schaffen. Die Animationsphasen erinnern auch eher an die SNES-Version von Street Fighter II als an ein Guilty Gear. Bedauerlich, dass sich die Entwickler nicht etwas mehr Mühe gegeben haben. Die Musik geht in Ordnung und erinnert an das Hauptspiel, begeistert aber nicht.

Wie sein Sohn dreißig Jahre später hat auch Regis drei Gefährten im Gepäck: Riesenschwertkämpfer Clarus Amicitia ist der Vater von Gladiolus. Cid Sophiar kennen wir als knurrigen Tankstellenbetreiber und Regalia-Schrauber. In jungen Jahren hat er aber einen wuchtigen Speer geschwungen – fast wie Donatello, der bekanntermaßen auch der Mechaniker bei den Turtles war. Der spätere Kneipenwirt Weskham Armaugh komplettiert die Truppe und wirbelt cool wie Raphael mit seinen Revolvern umher.

© Square Enix, Screenshot Martin Nagel

Durch Combos füllt sich ein Balken, dann kannst du einen der drei für kurze Zeit in den Kampf rufen. Ein cooles System, das mich an die Striker aus King of Fighters erinnert. Leider wirkt es sich auf die Kämpfe nicht ganz so stark aus wie ich es mir gewünscht hätte. Magie gibt es auch. Die Zauber sind mächtig und haben die aus den Rollenspielen bekannten Elementarkräfte. Ein scharf geworfener Eiszauber kann mehrere Gegner einfrieren und für weitere „Bearbeitung“ bereitstellen, braucht aber auch einige wertvolle Sekunden an Vorbereitungszeit. Cool: Seen lassen sich vereisen oder mit Blitzra elektrisieren und trockenes Gras brennt wie Zunder. Leider gehen diese Attacken bei flinkem Feindvolk aber oft daneben. In der Praxis habe ich auf die Zauber meistens verzichtet. Sie waren mir für das Nahkampfgetümmel schlicht zu unhandlich.

Für den Kampfalltag gibt es leichte und schwere Schwerthiebe sowie einen wuchtigen Schildschlag. Auf X liegt eine flinke Ausweichrolle. Gesprungen wird nicht – geziemt sich ja auch nicht für einen gestandenen König. RPG-Mechaniken wie Loot und Erfahrungspunkte waren wohl dreißig Jahre vor Noctis‘ Roadtrip noch nicht erfunden und fehlen daher – schade eigentlich.

Die meisten Gegner sind immun gegen eine von Regis‘ Attacken. Was nach einer coolen Mechanik klingt um einem repetitiven Genre etwas Tiefe und Abwechslung zu verleihen, entpuppt sich leider als größter Pferdefuß des Spiels. Der Gegner blockt immer irgendeinen Teil deiner Combo und du hast das Gefühl, auf einen unnachgiebigen Stahlklotz einzuhämmern. Die viel zu langen Energieleisten und das suboptimale Trefferfeedback verstärken diesen Effekt noch. Der gefüllte Bereich des feindlichen Lebensbalkens ist dunkelblau, der leere dunkelgrau. Wer denkt sich nur so etwas aus? Kämpfe werden so schnell zur Qual und machen einfach keinen Spaß. Ich habe das Spiel für den Test nur in kleinen Dosen ertragen können. Freiwillig anfassen werde ich es nicht mehr.

© Square Enix, Screenshot Martin Nagel

Dabei hat das Kampfsystem durchaus seine Momente, etwa wenn Regis in letzter Millisekunde dem Stachel einer Killerwespe ausweicht und das Spiel dich mit leichtem Zoom, Bewegungslinien und Matrix-Slomo belohnt. Auch cool, dass Regis in seine Combos immer wieder den königlichen Waffenteleport einbaut. Das macht er vollkommen automatisch und er platziert sich immer in der idealen Position für den nächsten Schlag. Beide Mechaniken haben das Potenzial für eine schnelle und befriedigende Fighting-Engine, werden aber durch die oben geschilderten Designfehler massiv torpediert.

Zudem hat es mich schwer irritiert, dass ich die Bewegungen von Regis ausschließlich mit dem linken Analogstick steuern kann. Mein linker Daumen greift unwillkürlich immer zuerst zum Steuerkreuz – das ist schließlich Genre-Standard – um dann einen harten WTF-Moment zu erleben. Ganz so schlimm wie in Smash Bros. ist das Steuerungsdebakel aber nicht, da hier etwas langsamer und taktischer vorgegangen wird.

Der rechte Daumen tat mir allerdings sehr schnell weh von dem Gekloppe. Aufgrund der zweifelhaften Treffermechanik habe ich kräftig in die Tasten gehauen. Ist wohl der selbe Effekt der dich unwillkürlich lauter sprechen lässt, wenn die Telefonverbindung schlecht ist. Stabile große Sanwa-Buttons wären eine Wohltat für die gequälten Finger – geht nur leider nicht, weil ein Arcadestick aufgrund der Analogsteuerung ausscheidet.

© Square Enix, Screenshot Martin Nagel

Noch ein Wort zum bei Brawlern allseits beliebten und eigentlich immer launigen Couchkoop – den gibt es nicht. Dabei hätte er sich für die vierköpfige Party wirklich angeboten und geteiltes Leid wäre vielleicht sogar halbes Leid gewesen. Hätte wohl zu viel teure Entwicklungszeit gekostet für ein Spiel dass gratis verteilt werden sollte und deswegen kaum was kosten durfte.

A King’s Tale gab es nämlich ursprünglich als Vorbestellerbonus des Online-Warenhauses Amazon beim Kauf von Final Fantasy 15. Ich habe mich damals tatsächlich etwas geärgert, da ich das Hauptspiel im Onlineshop von Square Enix vorbestellt hatte. Inzwischen ist das Spiel für jedermann zum kostenlosen Download freigegeben. Ein feiner Zug von Squenix, wie ich finde, aber ganz ehrlich, ich hätte mich auch geärgert, wenn ich Geld für dieses Spiel ausgegeben hätte. Drei von Zehn glänzenden Gil wandern zurück in den Sparstrumpf. Leicht gemacht habe ich mir diese Wertung nicht. Zwischenzeitlich war ich sogar bei einer Fünf, weil Geschichte und einige Mechaniken ja doch recht cool sind. Am Ende des Tages hat aber doch mein schmerzender Daumen entschieden. Ich musste ihm versprechen das Spiel nie, nie wieder anzurühren.

A King’s Tale: Final Fantasy 15

Wertung: 3/10
Publisher: Square Enix
Entwickler: Empty Clip Studios
Plattform: PS4 (getestet), Xbox One
Preis: kostenlos

Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

Martin
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Martin

Ich bin Martin und habe schon alles gezockt was Knöpfe hat. Ich unterstütze Thomas mit Reviews und Berichten aus den tiefsten Nischen, die unser Daddelhobby zu bieten hat.
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