Preview: Injustice 2

Das könnte was werden

© Warner Bros.

Injustice: Gods Among Us und der Quasi-Vorgänger Mortal Kombat vs. DC Universe sind in der Fighting-Game-Community nicht so wirklich angekommen. Sie fühlen sich wie der kleine Bruder von Mortal Kombat an, der um Acht ins Bett muss. Wir alle spielen Mortal Kombat doch nur wegen der Gewalt, dem spritzenden Blut und dem sich zwischen unseren Fingern windenden Gedärm. Komm, gib es zu! Ich habe auch gebeichtet, du bist also nicht alleine. Injustice war immer Mortal Kombat ohne Gewalt (Meh!), dafür mit den irgendwie aufgepflanzt wirkenden DC-Helden. Dementsprechend habe ich nicht viel erwartet, als mich Warner Bros. zum zweiten Mal zu einem Preview-Event einlud. Hauptsächlich habe ich mich auf leckeres Sushi gefreut. Ich sollte zwei gewaltige Überraschungen erleben.

Die erste Überraschung: leider kein Sushi für mich. Stattdessen gab es vegetarische Salate und Pudding aus Chia-Samen. Die zweite: das Spiel rockt! Waren die Charakterdesigns im Vorgänger noch recht cartoonhaft, so wirken sie hier erdig und realistisch. Viele Designs sind aktuellen Filmen oder Serien aus dem DC-Universum entnommen. Superman sieht Henry Cavill sehr ähnlich und Harley Quinn sieht genau so aus wie Margot Robbie im Suicide-Squad-Film. Insgesamt ist das Design deutlich erwachsener und runder. Viele schwarze Lederjacken sind dabei und deren Oberflächen sehen in HD richtig knackig aus.

Und dann die Details! Nach Black Canarys Schall-Attacke hast du für kurze Zeit einen Fiepton im Ohr, der an einen Hörsturz erinnert. Ein sehr geiler Effekt, den ich auch nicht sofort bemerkt habe – so natürlich fühlt er sich an. Brian Goodman sagt, das Audio-Department von Warner Bros. wäre das beste der Branche. Ich bin nicht audiophil genug um das nachprüfen zu können, kann aber bestätigen, dass hier ganze Arbeit geleistet wurde.

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Oben erwähnter Brian Goodman ist einer der Entwickler, der extra zum Preview-Event angereist ist und für Fragen zur Verfügung stand. Da auf dem Event nur mit PS4-Controllern gekämpft werden konnte, fragte ich ihn natürlich gleich nach der Unterstützung von Arcade-Sticks. Stick-Support ist vorhanden und schon in der Preview-Version lassen sich die Tasten frei belegen. Ob es wie bei Mortal Kombat X eigene Arcade-Sticks für das Spiel geben wird, steht noch nicht fest und wird derzeit intern diskutiert. Eine klare Absage erteilte er sowohl einem Arcade-Release als auch einer Switch-Version.

Fatalities gibt es serienbedingt keine, aber es lässt sich eine mehrteilige Special-Leiste auffüllen und durch gleichzeitigen Druck auf L2 und R2 aktivieren. Die Handhabung erinnert stark an die Xray-Moves aus Mortal Kombat X. Du erinnerst dich bestimmt, dass einige dieser Moves sehr abgefahren waren (D’Vorah!), andere aber nicht ganz so geil (Lui Kang, Sonja Blade). Bei Injustice 2 wird hingegen gleichbleibend hohe Qualität geboten. Die Sequenzen sind kurz und knackig, top inszeniert und spiegeln immer die Persönlichkeit des jeweiligen Charakters wider. Harley hetzt ihre Hyänen, Aquaman beschwört einen urzeitlichen Monsterfisch, Supergirl nimmt ihren Kontrahenten sogar auf einen Flug bis zur Sonne mit. Das sind dann auch Dinge, die in einem Mortal Kombat eben nicht gehen. Selbst ein MK-Held stirbt bei solch einer Tortur. Superhelden halten das locker aus.

© Warner Bros.

Für reichlich Easter Eggs für Comicfans ist auch gesorgt. Prügelst du deinen Opponenten in der Arkham-Asylum-Stage durch die Wand, so geht es auf eine kurze Reise durch die Kanalisation, wo Killer Croc nach dem armen Kerl schnappt. Das Kino in der Park Row zeigt die Filme „Hidden Crimes“ und „The Final Wish 2“. The Flash läuft bei seinem Supermove so schnell, dass er sich rückwärts durch die Zeit bewegt und einem Dinosaurier begegnet und in der Festung der Einsamkeit kannst du den riesigen Statuen von Supermans Eltern im wahrsten Sinne des Wortes die Fresse polieren – mit deinem Gegner!

Für reichlich Langzeitmotivation ist auch gesorgt. In jedem Kampf und durch das Erreichen von Nebenzielen im Singleplayer erspielst du Ingame-Währung und Lootboxen. Darin befinden sich Rüstungsteile, mit denen du Statuswerte boosten und deinen Lieblingscharakter zur ultimativen Kampfsau pimpen kannst. Ich weiß was du jetzt denkst: Pay 2 Win! Ich habe mir aber von Brian und den anwesenden Warner-Mitarbeitern versichern lassen, dass es keine Mikrotransaktionen geben wird. Für Echtgeld wirst du neue Kostüme kaufen können, die dann ausschließlich kosmetischen Nutzen haben. Auch wird es einen Multiplayermodus mit „nackten“ Charakteren geben, damit die Turniertauglichkeit des Spiels gewahrt bleibt.

Doch wie spielt es sich denn nun? Wirklich hervorragend! Die NetherRealm-Studios haben die MKX-Engine als Basis genommen und reichlich Feintuning betrieben. Das Tempo stimmt, Schäge wirken wuchtig und befriedigend. Alle Charaktere haben mir im Test Spaß gemacht und keiner hat sich sinnlos angefühlt. Sogar mit dem eigentlich uncoolen Aquaman hatte ich großen Spaß. Mit großer Reichweite und schnellen Attacken seines Dreizacks spielte er sich fast so flott wie mein Liebling Seung Mina aus Soul Calibur.

Mit dem zweiten Teil hat sich Injustice erfolgreich aus dem Schatten der Mortal-Kombat-Serie herausgekämpft. Mehr noch, für mich ist Injustice jetzt der große Bruder. Es ist erwachsen geworden. Nicht im Sinne von 18er-Gewalt, sondern im Sinne von Reife, Tiefgründigkeit und Verlässlichkeit. Hier zockst du nicht um über spritzendes Blut zu johlen, sondern wegen dem Gameplay. Injustice 2 könnte tatsächlich das nächste große Ding in der Fighting-Game-Community werden. Dafür müssen jetzt nur noch Netcode und Balancing stimmen.

Injustice 2

Erscheinungsdatum: 18. Mai 2017
Publisher: Warner Bros.
Entwickler: NetherRealm Studios
Plattform: PS4, Xbox One
Preis: 70 Euro (Standard), 100 Euro (Ultimate Edition mit Steelbook und vielen DLC-Kämpfern)

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Ich bin Martin und habe schon alles gezockt was Knöpfe hat. Ich unterstütze Thomas mit Reviews und Berichten aus den tiefsten Nischen, die unser Daddelhobby zu bieten hat.
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