Preview: Anthem Demo – Eine Breitseite der Enttäuschung

© EA, Bioware, Bild Martin Nagel

Dieses Wochenende ließ Anthem die Hosen runter. Abseits von geschönten Trailern durfte das tatsächliche Gameplay des Service-Shooters erlebt werden. Klar dass ich mir diese Chance nicht entgehen ließ. Das Spiel hat vor einem Jahr durch sein Ankündigungsvideo einen ziemlichen Wind gemacht. Daher war ich besonders gespannt ob das Spiel den Video-Versprechen gerecht werden kann.

Wurde es nicht, doch der Reihe nach. Nach ausufernden rechtlichen Belehrungen und Einverständniserklärungen finde ich mich in der Hub-Stadt wieder. Dieses wird wie im Trailer in der Egoperspektive erforscht. Riesige stampfende Mechs im Hintergrund sehe ich nicht, aber die Straßen sind so farbig und lebendig wie im Trailer. Die stylish aussehende Übersichtskarte ist leider nahezu nutzlos. Dafür ist die Stadt nicht sehr groß, und ich finde mich schnell zurecht.

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Die Ego-Kontrollen sind recht langsam und undynamisch. Bei langem Spielen werden sich hier sicherlich irgendwann Gefühle der Langeweile und Ungeduld bemerkbar machen. Ich spreche mit verhuscht/verschrobenen Charakteren, die permanent gut drauf zu sein scheinen und ein fettes Grinsen tragen. Gedanken an das Charakterdesign von Fortnite und Destiny kommen auf. Möchte hier jemand eine möglichst große und möglichst junge Käuferschaft ansprechen? Die haben immerhin die größte Bereitschaft für optischen Schnickschnack Echtgeld in die Hand zu nehmen.

Die Karte ist ziemlich nutzlos – © EA, Bioware, Bild Martin Nagel

Dieser Gedanke wird auch dadurch genährt dass mein Javelin-Kampfanzug wie auf einem riesigen Thron in der Mitte des Dorfplatzes steht. Ein funkelndes Prunkstück hochtechnisierter Begierde. Es ist schon bekannt dass EA ausgedehnte Monetarisierungspläne mit den Javelins hat. Ich mag aber die kurze Sequenz in der mein Chara hineinschlüpft und die Lichter hochfahren. Sehr schick gemacht alles.

Erste Mission: Ich soll „Die Mannigfalt“ finden. Auch sonst kommt die Story sehr esoterisch daher, und bombardiert mich mit Namen und Faktionen. Grundsätzlich mag ich solch kreatives Scifi-Design. Es kommen aber auch unangenehme Assoziationen mit Destiny auf, wo nie irgendwas abgeschlossen oder wirklich erklärt wurde.

Biowares Dialogsystem gibt es immer noch, es scheint jedoch keine Auswirkungen zu haben – © EA, Bioware, Bild Martin Nagel

Bioware-typisch gibt es ausufernde Codizes mit Seitenweise Hintergrundwissen zu Orten, Rassen und Technologien. Einen Vorleser wie in Mass Effect gibt es nicht mehr, also muss ich den Kneifer aufsetzen und altmodisch Texte studieren. Beim Querlesen erfahre ich von einer Telepathen-Rasse, die von der Regierung absichtlich Substanzen ausgesetzt und böse intrumentalisiert wurde. Gab es das nicht schon in Mass Effect? In Jade Empire? In KotoR? Ich hatte schon ab Jade Empire das Gefühl als wenn Bioware uns die immer gleiche Story mit minimalen Veränderungen vorsetzt. Ich habe den Zwicker abgesetzt und aufgehört zu lesen.

So schicke Skyboxen sind leider die Ausnahme – © EA, Bioware, Bild Martin Nagel

Nach einer mittleren Ladezeit lande ich mit meinen drei zufälligen Mitspielern auf einer Einsatzplattform. Ich teste die Shooter-Kontrollen. Kurze, dynamische Rumble-Effekte untermalen fast jede Aktion. Das fühlt sich futuristisch, nextgen, einfach cool an! Leider ermüdet dieser Effekt schnell, speziell bei längerem Spielen. Nach etwa zwei Stunden habe ich die Rumbelei komplett ausgeschaltet.

„Im Trailer war geiler“ – © EA, Bioware, Bild Martin Nagel

Auch unschön: Meine Anfangs-Knarre ist mit einem enormen Rückstoß gestraft. Entweder ich soll gezwungen motiviert werden bessere, präzisere Waffen freizugrinden, oder die Steuerung ist einfach verhunzt. Ich hoffe ersteres, befürchte aber letzteres. Keiner der bisherigen Mass Effect-Teile, bis rauf zu Andromeda, hatte eine wirklich präzise Shooter-Steuerung.

Andromeda schien auch die Vorlage für viele Mechaniken im Spiel zu sein. Mein Javelin kann zehn Meter in die Höhe springen und beherrscht sogar einen Doppelsprung. Genau wie in Andromeda ist das Leveldesign jedoch sehr rudimentär und nicht auf die großen Sprünge ausgelegt. Auch das Scan-Minispiel kenne ich aus Andromeda.

Die Effekte schwanken stark, wie der Rest der Optik – © EA, Bioware, Bild Martin Nagel

Der coolste Trailer-Moment war, als der Javelin seine Düsen zündete und nahtlos in den Flugmodus überging. Die Funktion gibt es auch in der Demo. allerdings fühlt sie sich bei weitem nicht so dynamisch an wie erwartet. Es steuert sich klobig und ungenau und ist nur von kurzer Dauer. Worst Case: Die Schubdüsen werden mit L3 aktiviert. Hoffentlich bietet das Hauptspiel die Möglichkeit, diese wichtige Funktion auf eine Schultertaste oder zumindest auf einen der Action-Buttons legen zu können.

Die Grafik schwankt zwischen feinen Efekten und Bodentexturen auf PS3-Niveau. Ich habe zwar keine PS4 Pro oder Xbox One X, aber dennoch habe ich mehr erwartet. Mehr außerirdisches Leben, mehr Farbigkeit, mehr Avatar. Abseits der Gegner und gelegentlicher Schatztruhen gibt es nichts zu entdecken. Und trotz der Tristesse wird alle fünf Minuten der Ladebildschirm gezeigt. Wenn ich mich zu weit von meiner Gruppe oder dem vorgeschriebenen Pfad entferne, werde ich mit Zwangsteleportation bestraft.

Siegerposen, noch ohne Mikrotansaktionen – © EA, Bioware, Bild Martin Nagel

Nach einigen Kämpfen haben wir die Mannigfalt endlich gefunden. Sie steckt unter einem Energieschild, für dessen Deaktivierung ein einfaches Farb-Puzzle mit drei Schaltern gelöst werden will. Leider sind meine Online-Mitstreiter selbst dafür zu blöd. Nach zwanzig Minuten genervtem Warten verlasse ich das Spiel. Dabei crasht meine PS4. Der Fehler ist so schwerwiegend, dass die Datenbank neu aufgebaut werden muss.

Technik, Steuerung, Story, Atmosphäre und Leveldesign: Anthem enttäuscht in absolut jeder Hinsicht. Im jetzigen Zustand wäre ein Review-Score von mir zwischen 4 und 5. Den Vollpreis ist mir das auf keinen Fall wert. Lieber warte ich auf die unvermeidliche Drittverwertung in Playstation Plus oder Xbox Live Gold.  Andererseits handelt es sich beim Gezockten lediglich um eine Demo. Das Hauptspiel kann sich deutlich unterscheiden. Ich hoffe es.

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