Nachtest: 1917 – Beißen soll das Weib bis es das Pulver schmecke

barocker memorization-shooter mit krassen einfällen, aber auch zickigen controls

© Andrade Games, Martin Nagel

Nachtests, zweiter Teil. Diesmal regnet es Alien-Gedärm auf Stahlhelme in den Schützengräben vor Verdun. 1917 – The Alien Invasion ist zurück! Nach dem PC wird die Switch unsicher gemacht. Vorsicht: Es wird schleimig!

1917 stammt von Sebastian de Andrade, der auch die fetzige OutZone-Hommage SturmFront – The Mutant War geschaffen hat. Hier wie dort vermischt er Heavy Metal- und Horrorelemente, um eine ganz eigene Sicht auf den Wahnsinn des Krieges zu zeigen. Warning: Disturbing Image ahead!

Krasse Bosse! Später kommen noch das „Großhirn der Krankheit“ und die „Lustweibische Königin“. Rechts im Bild: Der Praktische Combo-Einfrierer. – © Andrade Games, Martin Nagel

Gelobt sei was hart macht

Das Spiel bezeichtet sich selbst als „Memorization Shooter“, und genau das bekommst du auch. Vereinzelt wird es etwas bullethellig, aber hauptsächlich wird altmodisch in Routen gekämpft. Bring deine dicke Hitbox hinter Asteroiden in Deckung, oder sorge mit schnellen Laserschüssen dafür dass es gar nicht erst zum Angriff kommt! Knackscharfe Visuals erinnern gleichermaßen an den Amiga und frühe Toaplan-Platinen. Dein Flieger hat einen normalen Schuss und einen Powerschuss. Letzterer hat einen starken Rückstoß, der dein Vehikel wild tanzen lässt. Klar dass er für einige Situationen bitter nötig ist. Bosskämpfe erledigen sich mit ihm auch deutlich schneller. Nach dem Fight klatscht der abgetrennte Kopf der Viecher gerne mal von unten gegen das Bildschirmglas und hinterlässt blutige Striemen – Iiiih!!!

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Oma Wetterwachs

Ein besonderes designerisches Schmankerl ist Andrade mit seiner Hauptdarstellerin gelungen. Dr. Brunhilde Stahlmüller – allein der Name! (Siegfried von Hammerstein ist aber auch ziemlich geil – so hieß der Typ in SturmFront) Und sie ist keine Zwanzigjährige die einen Zug von Vierzehnjährigen in die Schlacht führt. Sie hat auch weder alabasterne Haut noch Bunny-Öhrchen. Sie ist sehnig, verhärmt, verwittert und verbittert – und richtig alt. Jahrzehnte des Krieges haben sie gezeichnet. Statt Blut hat sie wahrscheinlich grüne Galle oder Batteriesäure in den Adern – nachgucken möchte ich nicht. Sie „wohnt“ in der linken unteren Ecke des Screens und kommentiert das Spielgeschehen ähnlich wie der Mars-TV in Teslapunk. Allerdings meldet sie sich nur wenn es dich erwischt hat, sodass die Kommentare nicht stören. Dann musst du dir aber was anhören! „Du elender Kerl“ und „Friss Sauerkraut“ sind noch die harmlosesten Sprüche.

Zwar hast du unendliche Credits, aber der Todeszähler lügt nicht! – © Andrade Games, Martin Nagel

Klassenkampf

Die PC-Version konnte Thomas seinerzeit zu einer euphorischen 8/10 hinreißen.  Davon müssen nun leider gleich zwei Punkte runter. Das wichtigste an einem Shmup ist nunmal die Steuerung, und die hat bei der Konvertierung auf Nintendos Handheld-Dingsda merklich an Präzision eingebüßt. Allen voran bist du auf Switch hauptsächlich mit dem Analogstick unterwegs, was einem schnellen 2D-Game selten gut tut (Hallo Smash Bros.). Zwar lässt sich auch mit dem Steuerkreuz lenken, aber dann macht dein Flieger einen zentimeterweiten Satz wenn du es nur berührst – Hallo, was soll das? Wenn du einige Übungsminuten investierst kommst du zwar überraschend gut zurecht, das unangenehme Gefühl mit der Steuerung zu kämpfen bleibt aber doch hängen. Speziel wenn du mit dem Powerschuss kämpfst verwischen die Grenzen zwischen gewolltem Chaos und herbeikonvertiertem Chaos. Tate gibt’s auf beiden Systemen nicht. Das Playfielt ist aber auch eher quadratisch als 3:4.

Da war der Geist noch klar und die Bäckchen noch straff: Jung-Hildchen bittet zum Tanz! – © Andrade Games, Martin Nagel

Wer nach den Credits noch dran bleibt bekommt eine toll geschriebene War Story zu lesen. Leider ist die Schrift so winzig, der Text scrollt so schnell und die roten Buchstaben heben sich so wenig ab, dass ich hier mit der Screenshotfunktion arbeiten musste um überhaupt was mitzukriegen. Speziell im Handheldmodus siehst du nur Buchstabenbrei – auch eine Folge der schwachen Konvertierungsleistung. Das Bildnis der jungen Stahlmüller bei Jena-Auerstedt lasse ich mir trotzdem gern eingehen.

Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass Sebastian die Switch-Konvertierung nicht selbst gemacht hat. Stattdessen war hier eine Firma am Werk – wahrscheinlich ein eher günstiger Anbieter. Eine Ein Mann-Indietruppe wird sich kaum die Dienste von M2 leisten können. Wenn du kannst solltest du 1917 daher am PC zocken. Mit der Switch-Version machst du grundsätzlich aber auch nichts falsch. Gezockt haben solltest du es aber auf jeden Fall!

1917 – The Alien Invasion DX

Wertung: 6/10
Publisher: OtakuMaker.com
Entwickler: Andrade Games
Plattform: Switch (getestet), Windows-PC
Preis: 7,99 Euro

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key von Andrade Games zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

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