Kommentar: Pack In-Games sind so wichtig!

Warum ich Geschenke liebe

© Martin Nagel

Die Playstation 5 ist da! Mit gierigen Fingern packe ich sie aus, die Nexte Generation. Unförmig und klobig ist sie, und doch weiß und strahlend. Überall seltsame Kanten und obskure Lichter, und sie steht da wie der Turm von Mordor. Eine Konsole für die Generation Fortnite. Ich fühle mich alt.

Die Einrichtung geht überraschend einfach, und dauert doch unendlich lange. Nett: Während ich Updates ziehe und Netzwerke zuweise, darf ich bereits mein erstes Spiel von Disc installieren. Hier hat jemand mitgedacht und den ungeduldigen Gamer auf dem Schirm gehabt. Weniger nett: Auch der Controller wünscht sich einen Day 1-Patch, und für diesen muss die Konsole ein zweites Mal neu gestartet werden.

Kennst du noch Ico und Yorda? – © Martin Nagel

Ich starte Astro’s Playroom, das vorinstallierte Spiel mit den sympathischen kleinen Robotern, die angeblich in meinem Controller leben. Die Astro Bots haben nur einmal wirklich Geld gekostet, das war für Astro Bot Rescue Mission auf PSVR. Alle anderen Auftritte waren kostenlose Kennenlernspiele wie dieses. Während ich das überraschend lange und gewohnt liebevoll designte Spiel zocke, sinniere ich über den Sinn und Unsinn von Pack In-Games.

So richtig fett beigepackt wurde nur zu Zeiten von 8- und 16 Bit. Nintendo hatte Mario Bros. und World, und Sega das blaue Heckenschwein. Beim Atari 2600 gab es das berühmte 32 in 1-Modul. Alles Spiele, die mir auch den Vollpreiskauf wert gewesen wären – aber hätte ich für Tetris am Game Boy freiwillig Geld ausgegeben, ohne es vorher zu kennen? Hättest du für Astro’s Playroom Geld ausgegeben?

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Die CD-Konsolen setzten dem Geschenkewahn ein vorläufiges Ende. Lieber eine Demo-CD beilegen, und dem Kunden so zeigen was er noch alles kaufen kann. Auch der berühmten Demo One mit dem polygonalen T-Rex wird in Astro’s Playroom reichlich gehuldigt. Sowieso ist das Spiel vollgepackt mit Referenzen. Ich bin schlagartig wieder zehn Jahre alt, und blicke mit großen Augen in diese leuchtende, klimpernde Welt. Gleichzeitig bin ich aber auch alt genug, um all die versteckten Easter Eggs zu verstehen.

Und was es hier alles zu entdecken gibt! Ostereier aus 25 Jahren Playstation-Geschichte – und ja, Geschichte trifft es hier. Obskuritäten wie die Pocket Station oder die verschiedenen PS Move-Zielcontroller, ebenso wie die diversen Aufsätze mit GPS, Kamera und Mikrofon für die PSP dienen als Sammel-Items. Die kleinen Astro Bots spielen im Hintergrund Szenen aus God of War, Silent Hill, Metal Gear Solid und Final Fantasy nach, sowie aus diversen nischigeren Titeln, die ich auch nicht alle erkannt habe.

Bei den Sammel-Items wurde tief gegraben – © Martin Nagel

Als Nintendos Wii die Welt erschütterte, wurde das Pack In-Game wieder relevant. Der kleine weiße Ziegelstein war so neu, so innovativ, so anders dass er nicht ohne erklärende Software auf die Gamer und Hartz IV-Mamis dieser Welt losgelassen werden konnte. Wii Sports war der perfekte Einstieg in die Casual-Welt, ohne es hätte die Konsole vielleicht nicht funktioniert. Nintendo Land auf der Wii U war die logische Evolution, ebenso wie die Konsole selbst. Bei der Switch hat Nintendo dann der Geiz gepackt. 1-2 Switch wäre der perfekte Erklär-Titel gewesen, ich habe das Geld jedoch lieber in Zelda Wildbret investiert. Danach war ein solches Spiel sowieso überflüssig.

Astro’s Playroom meistert auch diese Aufgabe mit Bravour. Zwar gibt es außer ein paar neuen Controller-Features nichts groß vorzustellen, dies geschieht jedoch so schwungvoll und beiläufig, dass es mich immer wieder in Staunen versetzt. Ich fühle den Boden! Geklimper aus einem hochwertigen Controller-Lautsprecher und präzise abgestimmte Rumble-Effekte machen es möglich. All das gab es zwar schon vorher, aber noch nicht in dieser Perfektion. Wirklich neu sind die Motor-Trigger. Ein cooler Effekt, jedoch fühle ich die einzelnen Zähne der Mechanik. Und ich habe Angst dass das Gebiss irgendwann bricht.

Etwas mehr Understatement hätte den Levelnamen gutgetan – © Martin Nagel

Leider übertreibt es Sony etwas mit dem Anpreisen der neuen Konsolenfeatures im Spiel. Level heißen Mount Motherboard oder Raytrace-Ruinen. Verträumte Kraftwerk-Stimmen säuseln leise „CPU“ und „SSD“. Das fand ich schon manchmal arg cringy. Trotzdem ist Astro’s Playroom für mich jetzt schon ein Klassiker und ein rundes, faszinierendes Erlebnis. In einem Review würde ich wohl eine 8,5 geben, mit dem Hinweis dass mit noch etwas mehr Spielzeit auch eine 9 drin gewesen wäre.

Die größte Leistung von Astro’s Playroom ist es aber, dass sich hierdurch die Playstation 5 endlich wieder wie eine Konsole anfühlt. Ich liebe dieses Gefühl des umsorgt werdens, des angekommen seins in einem Franchise. Nicht nur ein teures Grafik-Update mit seltsamem Namen zu kaufen, sondern ein geschlossenes System mit Geschichte und Hintergrund. Ich hoffe daher sehr, dass auch Nintendo und Microsoft die Pack in-Games wieder für sich entdecken werden.

Martin
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