Kommentar: #Demogate – warum Episode Duscae zu viel Vorfreude auf Final Fantasy 15 macht

© Square Enix

Kannst du dich noch an Nebelauge aus Final Fantasy 15 erinnern? Vielleicht auch unter seinem englischen Namen Deadeye, wenn du ein Originalsprachenhipster bist? Er war der Star der Demo von Final Fantasy 15 – nicht der Platinum Demo, in der ein winzig kleiner Noctis durch sein Kinderzimmer läuft und sich in Spielzeugautos verwandeln kann. Ich meine die erste Demo: Episode Duscae.

Zuerst hörst du nur Gerüchte über Nebelauge. Er versteckt sich in einem nebligen Waldstück und wegen seiner dauernden Angriffe musste die nahe Chocobo-Farm schließen. Prompto will unbedingt einen der bunten Vögel reiten und du willst es ja eigentlich auch. Also nimmst du schließlich all deinen Mut zusammen um den Hain zu betreten.

Zuerst begegnest du ihm in einer imposanten Zwischensequenz. Du siehst ihn in der Ferne einige kleine Bäume niederwalzen. Dann quetscht sich die Party durch einen engen Baumstamm und durch ein Astloch siehst du kurz sein gewaltiges Auge blitzen: OMG! – da rutscht selbst dem härtesten Helden das Herz in die Kniekehlen.

Dann folgt eine kurze Schleichsequenz. Tief im Nebel verfolgst du ihn bis zu seinem Bau. Sein Körper ist halb im Nebel verborgen und doch bekommst du schon eine Ahnung von der Größe des Untiers. Nähere dich ihm nicht zu sehr, sonst schlägt er zu. Verlieren darfst du ihn aber auch nicht.

Letztendlich stellst du das Monster in seinem Bau. Gladio bemerkt, dass er auf seinem rechten Auge blind ist. Angriffe sind hier also besonders effektiv. Wenn du Feuermagie vorbereitet hast, kannst du außerdem die wie zufällig herumstehenden roten Fässer zur Explosion bringen. Deine einzigen Vorteile in diesem harten Kampf. Hast du ihn schlussendlich gelegt, freust du dich mit Prompto auf einen heißen Chocobo-Ritt. Ihr habt es euch schließlich verdient!

Was fällt dir an dieser Szene auf? Sie ist enorm ausgefeilt, top inszeniert und versprüht eine Menge Current-Gen-Charme. Der Produktionsaufwand muss ziemlich hoch gewesen sein, für das fertige Spiel lässt sich also Großes hoffen.

Und nun vergleichen wir das Ganze mal mit einem normalen Jagdauftrag aus dem fertigen Spiel: Du gehst ins örtliche Diner und holst dir den Steckbrief. Ein roter Marker erscheint auf deiner Minimap. Immer so etwa 500 Meter entfernt verstecken sich ein paar Monster. Hin da und die Bande vermöbelt. Dann fix zurück zum Diner und die Beute kassiert.

Fällt dir jetzt etwas auf? Spätestens wenn dir Nebelauge in der Vollversion des Spieles begegnet, merkst du einen deutlichen Qualitätsunterschied zu den sonstigen Jagdaufträgen. Wie du habe ich erwartet, dass sich solche großen und bombastisch inszenierten Jagden häufiger im Spiel finden. Natürlich kann nicht jede Nebenmission so aussehen, aber bei jeder zehnten habe ich es schon erwartet. Stattdessen gibt es im fertigen Spiel die oben beschriebenen Minimissionen und noch deutlich simplere Hol-und-bring-Aufgaben – davon aber tonnenweise. Die Jagd auf Nebelauge wirkt im Kontext des Spiels deplaziert, die Stumpfheit der sonstigen Missionen sticht so noch mehr hervor. Ich habe mich beim Spielen total gewundert, wo das viele Spieldesign auf einmal herkommt.

Nun frage ich einmal kritisch: Ist es Zufall, dass sich die Demo inzwischen nicht mehr herunterladen lässt – auch nicht für Besitzer des Vorbestellercodes aus Final Fantasy Type-0 HD? Hat Square Enix die Demo absichtlich ein halbes Jahr vor Release des Spiels online gestellt und zudem eine zweite Demo nachgeschoben, damit die Leute Episode Duscae inzwischen vergessen? Nachweisen lässt sich nichts davon. Final Fantasy 15 war jedoch ein großes finanzielles Wagnis für Squenix und musste einfach ein Erfolg werden. Die aufwendige Demo hat die Vorfreude (und die Vorbestellungen) des Games ordentlich angeheizt. Wäre die Begeisterung auch ohne den Kampf gegen Nebelauge so gewaltig gewesen?

Letztlich können wir Square Enix kein konkretes Versäumnis vorwerfen, da sich die Mission unverändert im Spiel findet. Dennoch hat dieser Fall in meinen Augen eine völlig neue Dimension von Demo-Betrug. Ein Teil des Spiels wird bewusst umprogrammiert um eine komplett andere Qualität zu suggerieren, als sie letztlich im fertigen Spiel zu finden ist. Die letzten Jahre hat die Videospielwelt einiges an Skandalen erlebt: Killzone 2, Aliens Colonial Marines, Watch Dogs, meistens ging es um Grafik. Bei No Man’s Sky ging es um fehlende Features und eine fehlende Dichte der Welt, aber auch um Grafik. Warum wurde aus dem „fehlenden“ Gameplay von Final Fantasy 15 kein großer Skandal? Ist der Faktor Gameplay den Spielern heutzutage nicht mehr so wichtig, oder haben sie es schlicht nicht bemerkt? Und können wir kommenden Demos jetzt noch trauen? Ich war hin und weg von der Demo zu Nier Automata und habe begeistert vorbestellt. Nun ist mir doch etwas unwohl, kommt das Spiel doch vom selben Publisher. Demos waren immer ein Versprechen, auf das wir Gamer vertrauen konnten – aber gilt das auch heute noch?

Danke für das Video, Emargy LPT!

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Ich bin Martin und habe schon alles gezockt was Knöpfe hat. Ich unterstütze Thomas mit Reviews und Berichten aus den tiefsten Nischen, die unser Daddelhobby zu bieten hat.
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