Review: Gunlord X – German-Style Platformer reloaded!

Genau wie früher, aber trotzdem frisch!

© NG:Dev.Team

Gunlord! Wenn du ein Neo Geo oder Dreamcast besessen hast, dann wird’s du dich vielleicht an diesen Namen erinnern. Für viele war Gunlord eine der coolsten Homebrew- bzw. Indie-Produktion dieser Konsolen. Angelehnt an die alten Turrican-Teile, entstand dieses Game bei uns in Deutschland. Nun Jahre später und dank des anhaltenden Erfolges der Nintendo Switch bekommen wir eine aufgebohrte Switch-Fassung spendiert. Weiß der Arcade-Kracher auch heute noch zu überzeugen?

Da ich selber das Original nur wenige Minuten angezockt hatte, war klar, dass hier ein ganz neues Erlebnis auf mich warten würde. Ich könnte jetzt versuchen die Story zusammenzufassen aber ganz ehrlich, ich habe mich überhaupt nicht darum geschert und das ist auch gar nicht schlimm. Viel mehr wollte ich einfach nur sofort rein in die Action und da sich Gunlord eh an den alten Arcade-Games orientiert, ist das eventuell sogar der Wunsch der Entwickler gewesen.

© Martin Kro

Du startest bei Gunlord X mit nur 2 Continues und je 3 Leben pro Continue. In den riesigen Leveln kannst du allerdings große Diamanten finden und das Ziel ist es, in einem Durchgang so viele wie möglich zu finden, um deine Continues zu erweitern. Als ich nach gut 2 Stunden das Spiel zum ersten Mal beendet hatte, konnte ich meine Continues verdoppeln und ich habe mindestens die Hälfte wenn nicht mehr der Diamanten verpasst. Das liegt auch daran, das ich am meisten Spaß mit Gunlord X hatte, wenn ich wie ein Gestörter durch die Level gerannt bin und alles und jeden einfach nur weggeholzt habe. Genau dann merkst du die Arcade-Wurzeln und dadurch kommt auch dieses „noch eine Runde“-Gefühl auf.

© Martin Kro

Um sich gegen die Gegner zu wehren stellen dich die Entwickler vor die Wahl zwischen 3 verschiedenen Schüssen, die du an versteckten Punkten wechseln kann. Dazu kommen eine Morphball-ähnliche Bombe ala Metroid, drei Power-Schüssen, sowie einer alles zerstörenden Superbombe. Dieses einfache Spielkonzept geht einem bereits nach der ersten Stage in Mark und Bein über. Darüberhinaus gibt es mit dem Classic Controller-Style noch die Möglichkeit eine Art Powerlaser mit dem rechten Analogstick zu verschießen. Dieser verliert seine Power je länger du ihn benutzt, doch er kann auch die Angriffe der Gegner zerstören und war für mich die wichtigste Waffe im Arsenal. Ich habe immer wieder nach den lilanen Kugeln geschaut, welche die Power des Lasers wieder komplett herstellen.

© Martin Kro

Die 11 Level sind wirklich gelungen und mit Ausnahme von Level 4 haben mich alle durch die Bank begeistert. Das liegt sicherlich auch daran, das NG:DEV nochmal richtig Arbeit an die zweite Hälfte des Games gesteckt hat, denn diese war im Original ja eher schwach. Doch jetzt gibt es keinen Grund mehr zu meckern. Stage 4 hat mich auf Grund des kontinuierlich scrollenden Backgrounds eher genervt, denn gepaart mit instant death-Fallen ergibt sich so ein sehr frustrierendes Level. Allerdings folgt danach kurzweilige Boss-Action mit Stage 5 und danach nimmt das Game, wie bereits erwähnt, wieder ungemein Fahrt auf.

Extra für Gunlord X wurde mit Stage 10 eine weitere Shmup like-Stage in das Game integriert, bei welcher wir mit einem Jetpack unterwegs sind. Hier hätte ich mir sogar noch mehr gewünscht. Mehr Shmup-Stages hätten das Gameplay definitiv aufgewertet. Dennoch sind die zwei vorhandenen Level wirklich klasse. Ein weiteres Highlight sind die unterschiedlichen Bossfights, denn du begegnest in manchen Stage nicht nur einem oder zwei, sondern manchmal sogar bis zu drei Bossen, was mir immer wieder den Schweiß auf die Stirn getrieben hat. Solltest du nämlich bei einem der Bosse scheitern, darfst du diesen Fight erneut von vorne beginnen. Live or Die!

© Martin Kro

Musikalisch haben mir die Tracks durch die Bank gefallen, allerdings fiel mir besonders in Stage 1 immer wieder die störende Pause vor dem erneuten Beginn des einzelnen Tracks auf. Hier kann der Entwickler aber vielleicht noch mit einem Patch nachbessern, denn ich wurde immer wieder aus dem Geschehen gerissen und das ist wirklich schade. Sobald du das Game beendet hast, schaltest du zudem noch einen Speedrun Modus frei und auch die Jagd nach den einzelnen Diamanten bietet einiges an Replay Value und damit wären wir auch schon beim Preis. Für 10€ bekommst du ein verdammt geiles und kurzweiliges Arcade Game aus Deutschland. Allein das sollte schon Grund genug sein, dieses Kleinod zu supporten. Für alle Sammler sei gesagt, dass die Entwickler bereits angekündigt haben, dass Sie bei gutem Verkauf der digitalen Version auch noch eine physische Auflage nachliefern werden und ich weiß, dass ich mir dieses Spektakel nicht entgehen lassen werde.

© Martin Kro

Fazit: Gunlord X kommt mit einer tollen Pixeloptik daher, bietet teils gigantische Level, die zum Erkunden einladen. Dank tollem Design, ideenreichen Waffen und imposanten Bossen kommt keine Langeweile auf. Trotz des hohen Schwierigkeitsgrades wird es nie unfair und du wirst immer wieder eine Runde wagen. Ganz klare Empfehlung für alle die auf kurzweilige Action stehen.

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Martin meint dazu: Ich mag Turrican nicht! Die viel zu großen, unübersichtlichen und vor allem vertikalen Stages sind in meinen Augen kein schönes Spieldesign, besonders im Zusammenspiel mit einem Kerl der nur nach links und rechts schießen kann. Und dann diese seltsam halbdurchlässigen Oberflächen, bei denen ich permanent das Gefühl habe kleben zu bleiben und in die Textur gesaugt zu werden wenn ich die Ecke falsch anspringe. Den enormen Erfolg konnte ich mir nur damit erklären, dass es aus Deutschland kommt (es kommt ja sonst nie was cooles aus Deutschland, speziell keine Videospiele), und es auf C64 und Amiga eben kein Contra oder Metal Slug gibt.

Dennoch hat mich Gunlord extrem gereizt, als es damals für das Neo Geo angekündigt wurde. Ich fand es einfach cool ein solches Game am Spielautomaten zocken zu können. Für’s Cab gibt es sonst nämlich nur Action, Action und nochmal Action – und Puzzles! Und selbstverständlich Puzzle-Action.

© Martin Kro

Ich hatte auch enormen Spaß mit dem Spiel. Besonders in der ersten Hälfte, etwa bis zum Henk Nieborg-Drachen. Danach hatte ich das Gefühl als hätten die Designer keinen Bock mehr gehabt. Die Level waren zwar da, aber nicht voller Leben. Es fehlten Geheimnisse, die Stages hatten keinen Flow und keine natürliche Progression mehr, erzählten keine Geschichte. Und die Bosse waren auch nicht mehr so prall. Was soll’s, habe ich halt nur die erste Hälfte gespielt. Die 20 Minuten waren sowieso ideal für eine Runde am Cab.

Genau hier wurde nun aber massivst nachgebessert. Nicht nur die Jetpack-Stage ist neu, auch die späteren „regulären“ Level wurden komplett aufgemöbelt und erstrahlen jetzt in dem Glanz in dem sie es verdienen.

Genial finde ich die Continue-Mechanik mit den Diamanten. Früher war es egal ob ich die Klunker gesammelt habe, sie zählten nur für die Endabrechnung. Heute werde ich direkt belohnt wenn ich mich auf die Suche nach den Dingern begebe – Continues und Level Select sei Dank.

© NG:Dev.Team

Nicht ganz so sehr gefallen mag mir die Flut an schwer zu unterscheidenden Waffenwechsel-Items. Viel zu oft gerate ich in einen Schwarm von den Dingern und wechsle 4-5 mal innerhalb einer Sekunde meine Waffe. Ich weiß das muss so sein weil Original und so, aber benutzerfreundlich ist es nicht. Weniger Items, dafür größere und klarere Symbole – ließe sich eine solche Lösung nicht zumindest optional anbieten?

Vollkommen gelungen ist dafür der Soundtrack. Rafael Dyll, den ich sonst nicht so mag, liefert hier einen sehr treibenden elektrisch-elektrisierenden Klangteppich. Freilich ist das nichts für Fans japanischer Kompositionen. Eine leichte Affinität zu Euroshmup-Mucke sollte schon vorhanden sein.

Die neue Twinstick-Steuerung, wenn auch nicht wirklich „true“, löst mein Problem mit der Schussrichtung. Zwar wird der 360°-Betäubunslaser damit nahezu nutzlos, aber damit kann ich leben. fortgeschrittene Spieler – also nicht solche Noobs wie ich – können damit allerdings Kugeln aus der Luft fischen. Ich will einfach nur ballern und tolle Levels gucken, und auch das lässt mich das Spiel. Anders als Logge gehe ich aber nicht voll rein, sondern schleiche mich langsam und Stückweise vor, immer auf der Hut vor der nächsten Falle.

Am Ende ist die Jetpack-Stage nur der Bratenduft. Er lockt mich an, aber ich bleibe für die neuen Zu Fuß-Levels, die riesigen Bosse, die Geheimnisse und das Freispielsystem.

 

Gunlord X

Wertung: 9/10
Publisher: NG:Dev.Team
Entwickler: NG:Dev.Team
Plattform: Switch (getestet), Dreamcast, Neo Geo MVS
Preis: 9,99€

Für den Test wurde ein kostenloser Review-Key vom Entwickler NG Dev Team zur Verfügung gestellt. Alle Screenshots wurden selbst angefertigt.

 

Logge

Logge

Zocker seit dem 6. Lebensjahr. Cave-Enthusiast und Danmaku-Liebhaber. Möglichst bunt und voller Kugeln muss es sein, dann fühl ich mich direkt daheim. Darüberhinaus Sammler, dessen Regale bald platzen!
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